Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 31 (21.4.1887)
- Date
- 1887-04-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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54« dem Tode de? Menschen die Leiche in der Erde begraben werden, weil deren Auflösung sonst die Luft verpesten würde, was bei Pflanzen und Thiercn in den: Grade nicht der Fall ist. Wäre nun der Mensch nur um der körperlichen Genüsse willen auf Erden, warnni hätte da dieser hochbegabte Körper eine so geringe Entstehung und ein so trauriges Ende? Tas betrachte und erkenne daraus, daß deines Daseins Endzweck nicht im Körper enthalten: denn des Körpers Entstehung ist gering und unbedeutend, bevor die Seele sich zu ihm gesellt, und des .Körpers Ende ist Moder und Verwesung, sobald die Seele ihn vcrlapen hat. Daraus ergibt sich, daß nur um der Seele willen der Mensch die Herrschaft über alle Geschöpfe besitzt, und daß sie allein es ist, die ihn groß und herrlich macht. Wer demnach diese Tinge betrachtet, und erkennt, was aus ihnen sich ergibt, der wird von der Sünde und von den Wegen der Leidenschaft sich fern halten und sein Herz hinncigen zur Gottcslchre und zur Weisheit; denn aus der Geringfügigkeit des Körpers bei seinem Entstehen und bei seinem Vergehen ergibt sich die Herrlichkeit der Seele, die unsterblich ist und deßhalb einst Rechenschaft oblegen muß vor dem Könige aller Könige, dem Heiligen, gelobt sei Er. In ähnlicher Weise erklärt Wcffely den 8. Psalm: Ewiger, unser Herr, wie mächtig ist Tein Raine auf der ganzen Erde, der Tu Deine Majestät über den Himmeln walten lassest. Ans dem Munde der lallenden Kinder und der Säuglinge hast Du gegründet die Macht um Deiner Widersacher willen, zur Ruhe zu bringen den Feind und den sich Rächenden. Wenn ich erschaue Deine Himmel. das Werk Deiner Finger, Mond und Sterne, die Tu eingcscyt — was ist der Mensch, daß Du sein gedenkst, und der Erdcnsohn, daß Tu seiner Dich annimmst? Und Tu hast ihn nur wenig fehlen lassen an GotrcSerkenntniß, krönst ihn mir Herrlichkeit und Pracht; lassest ihn herrschen über die Werke Deiner Hände, hast Alles ihm zu Füßen gelegt. Tas Wort ry, Macht, sagt Wessely, bedeutet in der heiligen Schrift die Kraft, die hocherhaben ist über dem irdischen Können, durch die Moscheh und Iosira und andere heilige Männer befähigt worden sind, so Großes zu vollbringen, llnd diese „Macht" ward Menschen cnheilt, welche einst Säuglinge und lallende Kinder gewesen! Aber gerade die Ricdrigkcit des menschlichen Körpers, die Langsamkeit seiner Entwickelung bezeugt die Hoheit der menschlichen Seele, die in der Erkenntniß beinahe das Höchste erreicht und im Thun so Großes zu vollbringen befähigt ist. Siehe, wenn das Thier ins Dasein tritt, das Kalb oder daS Lamm, so ist eS lange nicht so unbeholfen und hilssoS wie das Kind. Das Kind muß getragen, genährt, gewaschen werden, und cs dauert Jahre, bis e» der Hilflosigkeit entwächst. Wenn schon im Vergleiche uiit den Thiercn der menschliche Körper bei seiner Entstehung so wenig entwickelt erscheint, um wie viel nrehr erst erscheint er gering und unbedeutend im Vergleiche mit den großen Himmelskörpern, mir dem Mond und den Sternen, die am Hiuimel glänzen! — Warum erwähnt der Psalmist hier die Sonne nicht? Tas hebräische Wort;rc (nrüi-a irsj bedeutet „vorbereiten". Mond und Sterne sind vorbereitet. das Licht der Sonne in sich aufzunehmen. So wird auch der Mensch vorbereitet, das Gotteslicht der Seele zu empfangen. Das ist es, welches ihn fast den Engeln gleichstcllt, welches ihn krönt mit Herrlichkeit und Majestät, welches ihn zur Herrschaft über die Erde und all. 'chre Wesen befähigt. Und daraus, daß verherrliche, vernunftbegabte, die Schöpfung beherrschende Mensch ein lallendes Kind und ein Säugling gewesen, daraus erkennen wir die Erhabenheit und Größe der menschlichen Seele und lernen die Widersacher Gottes, die bösen Triebe und niederen Leidenschaften, bezwingen. Und nun wissen wir, warum Akabia das Wörtchen jn, erkenne, dinzufügt; auch wipen wir jetzt, warum er die in Rede stehenden drei Tinge wiederholt: aus der Betrachtung des Ursprunges und deS Endes des menschlichen Körpers sollen wir lernen, daß nicht das Wohlbehagen und die Lust des Körpers der Endzweck unseres Daseins, und dadurch soll uns die Erkenntniß werden, daß die göttliche Seele, die uns zugetheilt wird, der beste Theil unseres Seins ist, daß wir sic pflegen sollen durch die Forschung in der Gotteslehre und sie rein erhalten sollen dadurch, daß wir in Gottes Wegen wandeln und Seine heiligen Gebote beobachten: dann werden wir einst am Tage des Gerichts gerechtfertigt erscheinen vor dem Throne des Königs aller Könige, des Heiligen, gelobt fei Er. (Fortsetzung folgt.» Neues zur israelitischen Auswanderung aus Nnmänien. Von 1>r. Elysen R. Cormann. Mit deni Beginn der günstigen Iahrzeit beginnt auch wieder die stärkere AuSwandcrungslust, vamentlich in Rumänien,, sich zu regen. Ganz er-