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Der Israelit · 1887-04-18 · Heft 30 (18.4.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 30 (18.4.1887)
Date
1887-04-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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'.Butler, der Jviirft der Wissenschaft und der unwissendste Tagelöhner, der Reiche, der über Millionen e.cLücict, und der Acrmstc, dem ein Stückchen Brod fehlt, um seinen Hunger zu stillen. Denn du dich deines Ursprungs erinnerst, o Mensch, so wird der Stolz dir vergehen und die Eitelkeit dir entschwinden. *pn -rs j*Ai, .und wohin du gehst.* Ter Weise sagt nicht t? n:x, wohin du gehen wirst, sondern nrx wohin du gehst. Tenn vom Tage der Geburt an geht der Mensch schon dem Tode entgegen, und jeder Tag bringt ihn seinem (5ndc näher. — Wenn der Lüstling, der von Vergnügen zu Vergnügen taumelt, bedenken würde, das; sein Körper, für dessen Lust er die höchsten Güter der Menschheit leichtsinnig hingibt, einst ein Fräst werden wird von Wurm und Made, so würde er in sich gehen und aus all die flüchtige» Freuden verzichten, tvelche aus.»kosten der Sittlichkeit erlangt werden, die Gesundheit untergraben und am Gndc Lebensüberdruß erzeugen. — Wenn der Habsüchtige, dessen höchstes Glück darin besteht, Schätze auf Schätze zu häufen, stets sich vorstelleu würde, das; sicher heramiaht der Tag, an welchem er alle diese Schätze verlassen must, tun au einem Orte geborgen zu werden, wo Staub. Made und Würmer weilen, er würde in sich gehen und seiner 2celc Heil nicht der Anhäufung irdischer Schätze üinrenanseven. Auster dent Srol.e und der lyitelfcir, der Geminfudjt und der Habsucht, gibt es noch einen andern Grund, der die Menschen zur Sünde verleitet. Wenn z. V. der Maffircr in einem grasten Bankliituic ohne genügende 'Aussicht die r-assc vetwatict, täglich gehen viele Tausende durch seine Hände, ohne dast genauer Rachn-eis von ihm verlangt wird, so kann es geschehen, dast er in peinlichen Lagen des Lebens dazu hingerissen wird, Manches zu veruntreuen und durch falsche Buchung zn verbergen. Wetin er aber mit Bestimmtheit weist, dast eine genaue Revision der ihm anvertrauren .frage und der von ihm geführten Bücher bevor steht, so wird er nicht so leicht dazu kommen, seine Hand ansznmetfen nach fremdem Ivigcnthum. Aedulich ergeht es dem Menschen, welcher der irrigen Meinung ist, dast er sein Tlmu und Lagen niemals zn verantworten habe. Terjeuige jedoch, welcher sich stets vor Augen führt, dast er einst vor dent allmächtigen u: d allwinenden Gorte wird Rechenschaft ablcgen müssen in Bezug auf Alles, was er hicnieden gethan und unterlassen hat, der wird sorgfältig sein Leben prüfen, wird gewincnhaft seine Pflichten erfüllen, wird von allem bösen Thun sich sernhalten. Tie weisen Grklärcr unserer Mastechta haben die Frage aufgeworfen, Ivarnm cs hier heißt x» nrr? v? ra rrw „und du wirst nicht konioien zu den Händen der Sünde": Akabia könnte ja sagen: Und du wirst nicht sündigen. — Auch m dieser Ausdruckweise wird uns eine große Lehre gegeben. Es gibt zwei Arten von Sündern: solche, welche die Sünde aufsuchen oder gar ihr uachjagen. Sie sind von Stolz und (yitetfeit, von Genußsucht und Habsucht oder von andern bösen (sigenschaftcu derart beherrscht, daß ne die Gelegenheit zu sündigen stets herbeiführcn. Tagegen gibt es andere Sünder, welche zwar von den besten Vorsätzen beseelt sind, in Gottes Wegen zu wandeln und Seine heiligen Gebote zu beobachten, die aber nicht stark genug sind, der an ne herantretenden Versuchung zu widerstehen: die Stunde der (Gefahr findet sie schwach, und sie unterliegen. Betrachtest du aber düse drei Tinge und führst sie dir stets vor Auzen. bedenkst du immer, wober du gekommen bist, wohin du gehst und vor wem du einst Rechenschaft ablcgen »rußt, so wirst du nicht allein die Sünde nicht anssnchen, sondern du wirst ihr Widerstand zu leisten vermögen, wenn ohne dein Verschulden die Versuchung an dich herantritt nrsjr jg rrx rs\ auch dann wirst du nicht iit die Hände der Sünde fallen, sondern ihr zu entgehen im Stande fein. Gine andere Grkläruug ist die folgende:? heißt nicht allein Hand, sondern auch Handgriff: rvr sind die Henkel der Ltörbe oder Töpfe, mit welchen diese gehoben oder getragen werden. Wenn der Mensch auf die Bahn der Sünde gerüth. so beginnt er in der Siegel nicht gleich mit den größten und schwersten Verbrecher!, sondern mit solchen Tingen, die ihm klein und undedcn tend erscheinen: er hält sich nicht streng an die Wahrheit, er erlaubt sich in seinen Geschäften so manche Praktiken und Kunstgriffe, bis er. sich muiieimehr an das Böse gewöhnend, znrn Lügner mm Betrüger wird: er nimmt es nicht so genau mir der gottgebotenen Sabbatrnhe, er ist nicht so erakt in der Beobachtung der Speisegesetze, bis rr dazu gelangt. am Sabbat fein Geschäft zn öffnen und an nichtjüdischer Tafel zu speisen. Tas sind die Handgriffe der Sünde, durch die sie gehoben und getragen wird. Wer aber bedenkt, woher er gekommen, wohin er gebt, und vor wer» er einst Rechenschaft oblegen muß, der wird selbst die Handgriffe der Sünde nicht berühren und somit vor jeder Uebertretnng der heiligen Gebote nnserrS GotteS geschützt sein. t Forschung folgt.!

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