Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 30 (18.4.1887)
- Date
- 1887-04-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXYIIL Jahrgang. M 30 Der Israelit. Eia KenLrat - Organ für das orthodoxe IudenLHum. Herausgegebcu von Dr. Lehman« in Mainz. Montag, den 18. April 8817 (1887). Leitende Artikel. Die Sprüche der Waler. Drittes Buch. 1. Mainz, 7. April. Tas dritte Buch der Sprüche der Väter bcctmit mit einem Aussprüche Akadia's den Ma- 'iciaicl, welcher ungefähr 100 Jahre vor der .»erstörung des heiligen Tempels lebte, also älter war als fast alle Tanaim, die im zweite>l Luche unsrer Maßcchta erwähnt werden. Nichtsdestoweniger wird mir ihm erst das dritte Luch begonnen, .*2 am Schluffe des ersten und am Anfänge des -.weiten Luches an Hillel sich dessen Nachfolger und Nachkommen unmittelbar anschloffcn, während dann aui dessen bedeutendsten Schüler, Rabbon Jochanan den Sackai zurückgegangen wurde, dern wiederum seine unmittelbaren Schüler folgten. So ist denn mit dem zweiten Luche die historische Aufeinanderfolge abgeschlossen, während von nun an und weiter die Tanaim ohne besondere Rücksicht auf ihr Alter uns vorgeführt werden. Akabia den Mahalalcl war einer der weisesten und frömmsten Männer seiner Zeit. Unsre Weisen bezeugen von ihm, daß unter den Hundcrttauscndcn, dimer welchen sich die Pforten des Vorhofs zum heiligen Tempel bei Darbringung des PcssackwpfcrS schlossen, ihm Niemand an Weisheit, Tcmuth und Lcheu vor der Sünde glcichkam. Auch wird erzählt, dass man ihn zum Präsidenten des Synhedrious erwählen wollte und dass er diese hohe Ehre adlchnte. Tic erhabenen Tugenden, die ihn zierten, wünschte er auch auf seine Mitmenschen zu übcrnagcn, und das lehrt fein in den Sprüchen der ^a:cr uns erhaltener Licblingsspruch: «Akabia den Mahalalcl pflegte zu sagen: Lettachre drei Tinge und du kömmst nicht in die Hände der Sünde: Erkenne, woher du kömmst und wohin du gehst und vor wem du einst Rechenschaft ablcgen wirst: woher du kömmst? von einer Tippah scruchah*); und wohin du gehst? zu einem Orte, wo Stand, Made und Wurm sich befinde»; und vor wem du einst Rechenschaft oblegen mußt? vor dem Könige aller Könige, dem Heiligen, gelobt sei Er." In der ersten Mischnah des zweiten Buches unsrer Maßcchta haben wir einen ähnlichen Ausspruch: Rabbi pflegte zu sagen: Betrachte drei Tinge und du kömmst nicht zu den Händen der Sünde: erkenne, was über dir ist: ein sehendes Auge und ein hörendes Ohr, und alle deine Werke werden in einem Luche verzeichnet. Wenn wir die drei Dinge Rabbi's mit denen Akabia's vergleichen, so wird sich ergeben,' daß die drei Tinge Rabbi's nur eine nähere Ausführung des von Akabia angegebenen dritten Tinges sind, nämlich der einstigen Rechenschaslsablage vor dem Richter des Weltalls. Akabia hingegen macht uns auch auf Diuge aufmerksam, die geeignet sind, uns in kräftigster Weise von jenen hässlichen Eigenschaften zurückzuhalten, welche meistens der Ursprung aller Sünden sind: vom Stolze, von der Genußsucht. von der Habsucht. — Thörichter Mensch, der du dich stolz über deine Mitmenschen erhebst, der du in deiner Eitelkeit dein geringes Denken, Wollen und Können auf einen eingebildeten Thron erhebst, erinnere dich an deine geringe und unbedeutende Herkunft. Aus einer Tippah bist du gebildet, die gar leicht hätte in Fäulniß übergehen und zum Ekel hätte werden können. (Vergleiche Bartinora.) Worauf also willst du stolz sein? Gleichen Ursprung haben der mächtigste König und der geringste •) in mit diesen Vonrn, dir wir aui naheliegenden Gründen nicht deutsch virdergrdrn können, die t»nlneh»ng des rnen>chlichen Körpers aus den gering««! Anfängen bezeichn«.