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Der Israelit · 1887-09-26 · Heft 75 (26.9.1887) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 75 (26.9.1887)
Date
1887-09-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXViiL Jahrgang. Berlage zu Nr. 75 öes Israelit. ZeitsvgSaachrichte« rrnd Correfponderrzerr. Deutschland. Wenlheim, imScpt. i7r«^ et: r>w2 •2täx ist eine alte rabbmische Behauptung. Und wie wahr , wie vielfach geschichtlich bestätigt ist dieser Satz! Welchen wichtigen Anthell hatten unsere Stammmütter an der Größe und Bedeutung unserer Nation! Welches Verdienst die frommen, für den nationalen Gedanken begeisterten Frauen in Egtzptrn, Ujic gedruckten, geplagten Männer in der Ausdauer, in dem Muth und dem Vertrauen aus Gottes Hilfe zu bestärken! Aus dem Zuge durch die Wüste, im heiligen Laude, durch die ganze Geschichte des jüdischen Volkes, welches hohe Verdienst hatten die Frauen, um die Erhaltung des göttlichen Glaubens uud um die treue Beobachtung des h. Gesetzes durch Worte der Ermunterung und der Begeisterung, durch Abmahnung vom Bösen und Sündhaften! 2» der That, welchen mächtigen Einflug übt eine Fromme, in Liebe uud (Glaubensstärke sich Gott hingebeude Frau auf Gatte, Kinder und ihren engeren Kreis! Wie damals durch „Fraucu-Verdicust" es möglich geworden, daß unsere Vorfahren vom Sklaveujoch befreit und zu dem höchsten Ideale, zum reinsten Glauben, zur höchsten Stufe menschlicher Wahrnehmung hingcsührt wurden, so ist cs noch heute das Verdienst eines frommen biederen Weibes, auf ihren Kreis in heUfamster, gottgefälliger Weise zu wirken, im eigenen Hause Frömmigkeit, Sitte, Nächstenliebe und Wohlthun als die Stützen des Lebens aufzurichteu und diesen Sinn auch auf andere Kreise durch Worte und Beispiel zu übertragen. Wenn doch diese Aufgabe der Frau, ihre Stellung und Bedeutung nach dieser Richtung überall begriffen würde, wie ganz anders stände es um das religiöse Leben unseres Volkes. Und wenn nun Einzelne diese Aufgabe m ihrem vollen Maaße begreifen und erfüllen und wenn sich die Erfolge vor aller Augen zeigen, verdienen es nicht solche Beispiele auch ferneren Kreisen vorgehalren zu werden ’i Darum gestalten Sie wir in Ihrem vielgelcscnen Blatte cincr solchen Edlen zu gedenken, die zum Schmerze ihrer Angehörigen, zum innigen Bedauern aller ihrer Freunde und Bekannten so frühzeitig aus dem irdischen Dasein schied. Es ist Frau Ernestine Lehmann dahier, welche am 12. dss. in ihrem 49. Lebensjahr nach kurzem Leiden in das bessere Jenseits ciuging, um dort zu ernte«, was sie hier reichlich gesäet. Ernestine Lehmann hat ihre Ausgabe begriffen und sie sowohl in ihrer Familie selbst als nach außen im schönsten Maaße zur Ausführung gebracht. Ihre» religiösen gottverrrancndcn Sinn wußte sie mir dem nöthigcn Ernst und entschiedenen Willen auf ihre Kinder zu übertragen, sie, obwohl mit Glücksgüteru geseguct, zur Häuslichkeit und Thätigkcit, zur Einfachheit und Sparsamkeit anznhalten, für Bildung uud Kenntnisse, für Wohlthun und Thcilnahme zu ermuntern und zu begeistern, so daß ihr Haus, das von jeher und besonders durch ihre edle, an Wohlthätigkeit uud Tugenden ausgezeichnete Schwiegermutter, als ein frommes, gastfreundliches und wohlthätigcs galt, dies in hohem Grade geblieben. Ihrem durch c-on riron rrarai rrr-rn renst sich auszcichuenden Gatten stand sie in diesem seinen religiösen Streben, sowie in seinem bürgerlichen Berufe treu und eifrig zur Seite und war ihm eine weise Beratherkn, eine zuverlässige Stütze. Sie war die Krone der Familie, eine Zierde der Gemeinde, in der sie als langjährige Vorsteherin des Frauenvereins segensreich wirkte. Schwer ist daher ihr Verlust, schurerzerfüllt beweinen sie der sich mm wie vereinsamt denkende Gatte, die verwaisten Kinder, der greise Vater, die zahlreichen Verwandle« und Bekannten. Sie alle wurden vom dem so unerwarteten herernbrcchcnden Ercigniß ^tieferschüttert, überallhin verbreitete die Nachricht von dem raschen Ableben der edlen Frau Trauer und erregte die wärmste Theilnahmc. Tie zahlreiche Betheiligung an dem Leicheubegängniß legte Zeugniß hiervon ab; aus der Ferne eilten die Verwandten herbei, unter ihnen der Schwiegersohn, Herr Tistriktsrabbiner Tr. Hermann Deutsch von Bnrgpreppach, bei dessen Hochzeit vor wenigen Monaten sich die selig Entschlafene noch so himmlisch freute und sich glücklich schätzte, einen Thoragclehrtcn als Schwiegersohn zu besitzen. In fast cinstündiger Rede, von tiefer Rührmrg erregt, widmete derselbe der theure» Dahingeschicdcuen Worte der Anerkennung und des Dankes, der Trauer und des Schmerzes, aber auch des Trostes und der gläubigen Ergebung. Er schilderte mit Zugrundelegung des Verses (Job 30, 31).

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