Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 75 (26.9.1887)
- Date
- 1887-09-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1374 „Ich sehe mit Vergnügen," sagte Therese, „daß Du da«, was ich ia der Neligionssrunde über diesen Gegenstand bereits mit Euch besprochen habe, gut im Gedächtnisse behalten hast; ich brauche daher auch jetzt nur noch Folgendes hinzuzusetzen: Ta der Begriff „Arbeit" nun aber aus Grund biblischer Vorschriften von unfern Weisen genau bcstimult und festgesetzt ist, so ist und bleibt sie an den im Gottcsgcsctze bestimmten Ruhetagen verboten, gleichviel ob sie den ganzen Tag oder nur eine Minute deffclben in Anspruch nimmt. UcbrigenS will ich Dir zeigen , daß Du mit der Bezeichnung des Schreibens als „Arbeit" vollkommen übcrcinstimmst. Weißt Tu Dich noch zu erinnern, daß ich Dich in dieser Woche, als ich einmal gegen Abend mit Euch in den Garten gehen wollte, aufgefordert habe, mitzugchcn. Tu aber dennoch nicht mitgegangcn bist? Ich fragte Dich, warum Tu nicht niitgche» wolltest. Was gabst Tu mir da zur Antwort?* „Ich sagte, ich hätte noch eine Arbeit zu machen, wenn daS geschehen sei, wolle ich Nachkommen." „Fragte ich Dich nicht, was für eine Arbeit das wäre?" „Ia, und ich antwortete, ich wolle erst noch abschreiben." „Wie lange dauerte das Abschreiben?" „Ach, gar nicht lange, höchstens eine Viertelstunde." „Bist Tn jetzt noch der Meinung, daß selbst eine Stnnde lang schreiben keine Arbeit sei, während Du jüngst ein nur viertelstündiges Abschreiben eine Arbeit genannt hast?" „Nein, nein!" sagte Karoline crröthcnd und Therese umfassend. „Tu hast Recht, wie immer. Tu hast niich gefangen. Schreiben ist eine Arbeit und man darf eS am Samstage nicht thnn, gar nicht, keine Minute lang. „Wie kam es aber, daß Du Dich und auch mich heute überreden wolltest, schreiben wäre nicht als Arbeit zu betrachten?" Karoline schlug die Augen beschämt nieder und sagte leise: „Weil ich mich in der Schule schäme." „Merke Dir das, liebe Karoline!" sagte Therese. „So geht es oft im Leben! Wenn Einer, weil es ihm im Augenblicke Vergnügen machen oder ihm Nutzen bringe» würde oder aus irgend einem andern Grunde gern etwas thnn möchte, was nicht recht ist, dann sucht er sich oft zu überreden, das wäre gar nichts Unrechtes, und die Menschen, die eS dafür halten, wären ganz im Irrthume. Tu müssen wir mißtrauisch gegen unS selbst sein und der Versuchung zu widerstehen suchen, damit wir nicht in Sünde gerathen. Was meinst Tu aber nun, thut cm Israeli» Recht oder Unrecht, wenn er am Samstage aus religiösen Gründen nicht schreibt?" „Er thut recht!" antwortete Karoline. „Das Gegentheil wäre unrecht!" „Tann brauchst auch Du Dich nicht zu schämen in der Schule, well Tu am Samstage nicht schreibst, da unsere Religion das Schreiben am Samstage verbietet; wenn Tn das Gegentheil thätest, müßtest Tu Dich schämen. Run gib mir einen Kuß!" Karoline schlang beide Arme »m den Hals Theresens uud küßte sie herzlich. (Fortsetzung fokgt.). Auflösung des „hebr. Rösselsprung" in Nr. 72: Psalm 47. : r.p. cnrxV irnn rg up.n L'vxz bs W«* Um m«Un s Jfl -t 'i fe* rY* " * -chy H-S-r« p* «H? nrIC? .Der Israeli,' erscheint rvöLenilich zweimal. MoutagS und Donnerstag-, jedesmal in mindesten» r Bogen. Preis dcS Jahrgangs für Drrmchland und C*f:erieitb IS Reichs Mark, für'S Ausland IC ReichS^Merk. Man abonnier ganzjährig, halbjährig oder virneljätzrig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Befreiungen an. — Durch den Duchhanbrl zu bestehe» bei E. £. Kteinockrr. Letpsig. Poßptatz IC. — Inserate LL Pfennige die drrigespaktene Briiucile oder deren Raum. — Lrsterrrichrschr Banknoten laut tfourt. — T»recte jrrancoru'endunz unter Streifband pro Jahrgang jür Deutschland und Oesterreich 14 ReichL-Mark oder S st. österr., für'« Ausland 16 RcichS-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Snikr!: Die Rückkehr;u <?ott. — Zeitungsnachrichten und Eorrrspondenren: Deutschland: Berlin. — Oestrrr.-Nngar. Monarchie: 3mal Wien. — Bulgarien: Sofia. — Rußland: Moskau. Skobrnen. Warschau.— Palästina: Iasia. — Feuilleton: Die verichsundene Erbschaft. — Inhalt der Beilage: Zeirungsnachrichrrn und Eorrr»?ondrn:eu: Deutschland: Wenkheim. Zrankfur; S. M. As» Lrftphalrn. Köln. Hamburg. Lliona. — Qest.-Ung. Monarchie: Erampseu. — Rußland: Smal Petersburg. Warschau. — Türkei: Konstantinopel. — Brranrwvnliche Redaktion: Dr. Lehmann in Mainz. — Erpedüioa de» .ZSraelit' gr. Bleiche 4L. Druck und Bcrlag von OScar Lehman» in Mainz. <Hierza eine Beilage.)