Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 75 (26.9.1887)
- Date
- 1887-09-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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fufcritc eingeräumt, wo sie ihre Andacht verrichten. Borbeter, 7pv. bv* und Gebetbücher werden von der Cultusgemcindc gestellt. Auch zahlreiche Civil, Personen nahmen dort an der Andacht während des Neujahrsfestes theil. Bulgarien. Sofia. Beim Einzug des Fürsten Ferdinand erwartete ihn die jüdische Gemeinde an dem von ihr errichteten prachtvollen Triumphbogen. Hier trat der greise Lberrabbincr an den Fürsten heran nnd begrünte ihn mit dem Segen in hebräischer Sprache. Ter junge Fürst neigte sich, ries bewegt, vor dem chrwürdigrn Rabbi, ergriff dessen Hand und führte sie an seine Lippen. Rußland. Moskau. Ter verstorbene Katkoff hatte zur Zeit der russischen Judenverfolgung durch General Jigualief in seiner Zeitung öfter seiner Entrüstung über dieses mittelalterliche Gebühren Ausdruck verliehen. Als Jgnaticf demselben durch seinen Adjutanten Vorwürfe machte, ließ er ihm sagen, daß ein Minister des Innern, der zu einer Zeit, wo das Land w heftig von den Nihilisten angegriffen wird, antisemitische Verfolgungen insccnirt, nicht lange Minister sein kann und eher als Clown in einem Circus fignrircn könnte. Ter Ausspruch Katkoffs hat sich bald darauf erfüllt. In Skobineu bei Satanow hat der Gutsbesitzer viele Inden zu seinen Feldarbeiten benützt; derselbe hat seine volle. Zufriedenheit über ihren Fleiß ansgcdrückt. Tie ISralitcn leben in Eintracht mit den christlichen Arbeitern. In Warschau wurde Frl. August« Samen- Hof als Lehrerin der deutsche» Sprache am .Progymnasium angestcllt. Sie ist die erste Jüdin, die eine solche Stelle gefunden. Palästina. . Jaffa. Tie Ackerbauschule der All. Jsr. erhielt durch den franz. Consul in Jerusalem von der französischen Regierung eine Anzahl schöner und nützlicher Werke zur Verthciluug als Preise an die Schüler. Herr Hcrzcnstein hat dahier die erste Stearinfabrik im türkischen Reiche errichtet. In derselben haben viele Israeliten Beschäftigung gefunden. Fe« I M t t o »- , Die verschwundene Erbschaft. Ei« Erzählung von B. Hause. vnL Therese hatte ihr Lchrerknexamen mit Glanz bestanden und war, mit vorzüglichem Zeugnisse versehen, aus dem Seminar geschieden. Bei den Kindern ihres Oheims hatte sie während ihrer Scminarzeit so gute Unterrichts- und Crzichuugsersolge erzielt, daß ihr Lhcim nnd seine Frau sie um keinen Preis jetzt schon aus ihrem Hause und dem bisherigen Wirken in demselben hätten scheiden sehen mögen. Sie gaben ihr daher den Wunsch zu erkennen, daß sie, und zwar gegen angemeyeneS Gehalt, auch ferner noch bei ihnen verbleibe und den Unterricht und die Erziehung ihrer.Kinder überwache nnd leite, zu welchem Zwecke ihr ein besonderes, anständig ausgestartetes Zimmer cingcräumt werden solle. Therese hatte bis. jetzt im Hause ihres Oheims eine so liebevolle Behandlung ersahreu und sah ia dem ihr gemachten Anerbieten eine so erfreuliche Anerkennung ihrer AnfangSleistungen, daß sie mit Freuden auf dasselbe cingrug. Wäre sie nicht so sehr bescheidener Natur gewesen, so hätte sie allerdings auf diese ihre Aufangslcistungcn stolz sein können. Schon kurze Zeit nach ihrcui Eintritte ließ cs sich erkennen, daß im ganzen Wesen der Kinder Meier Ruben's sich eine Acudernng zu vollziehen begann. Es war dieses sowohl hinsichtlich ihrer inner,: geistigen und sittlichen Entwickelung, als auch hinsichtlich ihrer, freilich von dieser ursächlich bceinstußtcn äußern Haltung und Führung der Fall. Tie Schule, die Straße und das Haus gaben hierüber gleichlautendes Zcugniß ab. In der Schule machten sie raschere Fortschritte und brachten, im Gegensätze zn früher, stets zufriedenstellende Eensurcn mit nach Hause, und hier, wie auf der Straße bemerkte man sehr deutlich, daß ihren, sonst wilden, ja sogar ein wenig verwilderten Gebühren Zügel angelegt seien, und zwar, auch das ließ sich erkennen, Zügel, welche der Entfaltung des natürlichen, jugendlichen Frohsinnes nicht hinderlich waren, weil die Hände, die sie führten, cs verstanden, die Leitung nicht durch strammes Anziehen dieser Zügel, sondern in scheinbarem Hängenlassen derselben zu bewirken. Es waren dieses die zarten Hände Theresen's, welche dieses Wunder vollbrachten. Es sind das immer nur vor, dem warmen Hauche der allgemeine» Menschenliebe durchwehte und von der hingebcndc»