Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 75 (26.9.1887)
- Date
- 1887-09-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1871 um $anm in Ihrem geschätzten Blatte für die nachstehende Abwehr nachzusuchen. Es ist zunächst unwahr, daß Briman's Verhaftung durch mich veranlaßt, und unwahr, daß gegen ihn von mir eine Anzeige erstattet wurde. Ich stand der Anzeige wie der Verhaftung gleich fern. Nicht minder unwahr ist die Behauptung, ich fei behufs Hintertreibung einer in Innsbruck in S Werk gefetzten Talmud-Ueberfctzung von der „Indenschaft" dahin gesendet worden. Ich habe Liefe Steife auf Veranlassung eines Innsbrucker Elicuten unternommen, mit dessen Eoufme Aaron Driman sich, trotzdem er verheirathct und Vater mehrerer Kinder war, förmlich verlobte. Wenn nun das diesfalls gesammelte Material für die von Driman geplante Talmud-Ucbersetzung Eonsequcnzcn nach sich zog, so erklärt sich diese Wirkung daraus, daß Herr Professor Dickel und der Verleger Schuhmachcr fortan eine Eooperation mit einem Individum dieser Art begreiflicherweise sehr perhorreScirten. Was nun das in dem Hause eines judenfcindlichcn Abgeordneten von Wien, der auch die Advoeatur betreibt, unter Mitwirkung eines „berühmten Cricntßlincn" zu Stande gekommene Protocoll Briman'sbcirifft, so bemerke ich, daß die ganze darin prodncirte Unterredung eine ebenso kühne wie phantasicreiche Entstellung der Wahrheit ist. Driman war cs, der spontan mir von seinen Beziehungen zu Rohling und davon, daß er dem genannten Professor zu einer Zeit, da dieser feine Talmud-Literatur in die Welt setzte, hebräischen Elcmentar-ttnterricht crthcilte, Mrtthcilung gemacht hat, und dies zu meiner größten Uebcrrafchung, da ich. dem Sirene der Parteien auf diesem Gebiete scrncstcbcnd, bis dahin von irgend weichem Zusammenhänge dieser beiden Männer keine .Kenntnis besaß Driman erklärte mir. er habe cs satt, sich von den Antisemiten auch fernerhin mißbrauchen zu lassen, er wolle feine Beziehungen zu dieser Elique ein Ende machen, und als Beweis für den Ernst seiner Absichten wolle er nur eine Serie Rohling'scher Briese anssolgen, die Rohling schwer comprimiitiren. In der That händigte mir Driman mehrere an ihn von Rohling gerichtete Briefe aus, und da er jenes Schreiben, in welchem Rohling sich angeblich berühmte, vor dem Prager Gerichte einen Eid „um der guten Sache willen" abgelegt zu haben, twtz eifrigen Suchens nicht fand, so rcvroducirtc er in einer an mich gerichteten Zuschrift den Inhalt jener Berühmung. ,, Ich habe mich seinerzeit darauf beschränkt, diese Urkunden zu veröffentlichen, und es unterlassen, jener Eröffnungen zu gedenken, die mir Driman ungefragt über die Beziehungen des Jesuiten - Ordens und einiger hoher geistlicher Würdenträger zur antisemitischen Partei gemacht hat und welche er durch in seinen Händen befindliche Papiere erweise» zu können behauptete. Ich führe dies heute an, damit die öffentliche Meinung in der Lage ist, an dieser einen Thatsache die Persönlichkeit Driman'S und feiner Patrone zu messen, und ich darf mich wohl darauf beschränken, den ganzen Inhalt dieses famosen Protokolls, die mir darin in den Mund gelegten Aeußernngen, den mir imputirtcn ErprcssungS- und DestcchnngSversnch an Driman als eine plumpe Erfindung zu bezeichnen. Welcher Art muß ein Publikum fein, dem man solche Kost aufzutischen wagt? Wien. Untcrrichtsmmister v. Gautsch, daS jüngste Mitglied unseres Ministeriums, ist kaum ein Jahr im Amte und schon zeigt sich sein segensreiches Wirken im ganzen Untcrrichtswcsen und Freund und Feind bewundern feine großartigen Leistungen. Uns Inden muß Minister v. Gautsch doppelt wcrth sein, da er keinen Unterschied kennt zwischen Mensch und Mensch, bei ihm nur das Talent, die Fähig, kcit entscheidet. Gegenwärtig macht ein Wort deS- Ministers die .Runde in den hiesigen Gclchrtenkrcifcn, welches in einer Zeit, in weicher der Racenhaß mit der ärgsten Verbissenheit geführt wird, von besonderem Wctth ist. Tie Besetzung der Lehrkanzel für pathologische Anatomie an der Universität Innsbruck war ausgeschrieben. Da meldete sich zur Audienz beim Minister ein junger Dozent, Herr Dr. Moritz Löwilh, der sich unter andern auch um diese Stelle beworben hatte. „Exccllenz". sprach der junge Gelehrte, „ich habe mich um diese Stelle beworbrn und halte cs für meine Pflicht mich Ihnen vorzustcllen, obwohl ich weiß, daß meine Prätcnsion eine völlige aussichtslose ist, znmals jetzt, wo es zwecklos erscheint gegen die Macht der,Borurtbcile, gegen den Einfluß dcS Racenhaffcs anzukampscn." Ter Minister hörte den jungen Gelehrten, dessen Fleiß und Tüchtigkeit ihm wohl bekannt waren, rubig an und antwortete ihm: „In gewisser Beziehung ist es leider so; was jedoch mich betrifft, mögen Sic überzeugt sein, daß jch in der Wissenschaft keinen consessioncllen Unterschied kenne." Einige Tage später brachte die .Wiener Zeitung" in ihrem amtlichen Thcilc die Berufung des Dr. Löwith als Professor an der Universität Innsbruck. LIicrr. Die jüdischen Soldaten haben auch in diesem Jahre für die jnrra xr ihr eignes Set* bans. Auf Anordnung des Kriegsministers wurden für dieselben zwei große Säle in der Rudolphs-