Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 75 (26.9.1887)
- Date
- 1887-09-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1370 scheu Texte betrifft, so könnte ich als Laie nichts erwidern, aber mit mir wird jeder gebildete Laie nach der Lektüre des Vrctor'schen Buches nicht mehr im Zweifel sein, wem er glauben hat, den Herren Toctoren Nöldcke und Wünsche oder dem Herrn Abbö Victor, der am Schluffe seiner Schrift die von mir angeführten 17 Gewährsmänner (darunter Bischof Kopp, die Professoren Ebers, Fleischer, Lagarde. Strack, Siegfried u. s. w.) kurzweg eine „Reihe obskurer Männer" nennt! Wenn ich aber auch keine Widerlegung schreibe, so bitte ich doch mir zu gestatten, daß ich nnr einige der gröbsten Unwahrheiten anführc, welche dir ganze rrampsmelhvöe nicincr Gegner charakterksiren. I. Der Herr Abbö behauptet schon auf dem Titelblattc seiner Schrift, dag ich mein Buch „auf Verlangen der Juden" (im Vorworte hcffrt cs „auf Im'priration der Juden") veröffentlicht habe. Leides ist absolut unwahr. Ich habe mein Buch auf Niemandes Verlangen oder Inspiration geschrieben und veröffentlicht. Niemand hat den Gedanken hiezu bei mir auch nur angeregt. Tiefe Unwahrheit ist aber zugleich eine Böswilligkeit. Tic Judcnfchaft ist in dieser Sache Partei. Ein auf Verlangen einer Partei geschriebenes Buch wäre eine Parteifchrist. und als solche schon in den Augen aller Nnbcrheiligtcn discredilirt. Trum must schon auf dem Titelblattc das „Auf Verlangen der Iudcnschaft" paradiren und im lebten Absatz der Schrift wiederholt werden. 2. Prodncirt der Herr Abb^ einen Brief dcS Herrn Brimarr, worin dieser erzählt, cs hätte eine Unterredung zwischen ihm und Tr. Elbogcn in dessen Zkanzlci in meiner Gegenwart statrgcsuuden und Tr. Elbogcn hätte dabei wiederholt erklärt, daß er mit mir nach Innsbruck gefahren fei, um eine Talmudübcrfctzuug zu hiutcrlrcibcn. Nun habe ich den Herrn Brimau nie gesehen, habe nie den Fuß in die Zlanzlci des Tr. Elbogcn gesetzt, bin nie mit ihm nach Innsbruck gefahren und habe von dieser Reise des Herrn Tr. Elbogcn erst später erfahren. Ter Herr Abbü prodncirt allerdings nur die Erzählung des Herrn Brimann. schickt aber voraus, daß Briman nach Versicherung seines BeichrvaterS „crn überaus chrenhaftcr. charakterfester Mann fei, der sich eines ehrenhaften Wandels stets befleißigt und eincS jeden Vertrauens vollkommen würdig ist." Ta nun Briman weiter erzählt, er sc! von Tr. Elbogcn durch Androhung einer Strafanzcige gezwungen worden, brieflich ein falsches Zcugnist wider Rohling abzugeden (was jedenfalls die Ehrenhaftigkeit und Eharaklerfcstrgkcit Briman's bestens bezeugt,) so wäre ich glücklich von dem Herrn Addv in ein schmutzige Imrigue verwickelt. von der ich nicht weiß, ob sie je startgestmden hat, der ich aber unter allen Umstanden völlig ferne gestanden bin. 3. Geradezu unerhört ist aber das Folgende: Herr 2r. Elbogcn wies mir allerdings nachträglich den angeblich dem Briman erpreßten Brief vor. Sofort schien cs mir. daß die Veröffentlichung dieses Briefes meiner Sache zum mindesten nicht förderlich sein könnte. Wenn Briman an seinem Freunde und Bewunderer Rohling znm Schelmen wurde, was könnte dkcS dem Dr. Bloch nützen oder dem Professor Rohling schaden? In der Polemik. der wissenschaftlichen wie der forenfifchen, kehrt sich aber ein Pfeil, der den Gegner verfehlt, leicht gegen den Schützen. Ich bat daher Len Tr. Elbogcn dringend, diesen Brief nicht zu veröffentlichen. konnte es aber, da Herr Tr. Eldogen weder in einem Abhängigkeit-- noch in einem Verpflichtungsvcrhältuissc zu mir steht, nicht hindern. In meinem Buch aber, welches über Briman nur einige zum Derständuiffc der Geschichte des Proccffcs unerläßliche Zeilen enthält, findet sich nicht die leiseste Erwähnung dieses Briefes. Nichtsdestoweniger schreibt Herr Abbö: „Tiefer Brief Briman's an Elbogcn, indem ein wirklicher Jurist ein Verbrechen Elbogcn'S hätte erblicken müssen, dient dem Juristen Lkopp als Material gegen Rohling. Was läßt sich wohl zu solch einem Gebühren sagen!" „Ja wohl, was läßt sich zu solch einer Erfindung des frommen Abbö sagen! Genug, diese wenigen Pröbchen dürften genügen, mn das neueste Product der antisemitischen Literatur zu charakterisircn und es erklärlich zu machen, wenn ich auf eine Widerlegung verzichte. Nur noch Eines zum Schluffe. Ter Abbe versteigt sich in seinem Vorworte zu der Behauptung, Zkopp und Rohling feien „typische Namen geworden, „Träger eines Principes" (soll wohl heißen zweier Principien) „an deren Namen sich die beiden Gegensätze des Philo- und Antisemitismus knüpfen." Gemach, gemach, Herr AbbL, Sie scheinen die Nichtjudcn nur in zwei Elasten, Antisemiten und Philoscmitcn zu thcilcn. Vielleicht giebt es denn doch noch ein Trittes, das ich wohl am besten mit den Worten des Altmeisters bezeichne: B5.tr, zur l’inJcn mit euch! so oibuct künnkz btt Sticht«: Und ihr Lchafchea. ihr sollt ruhig zur Rechten mir ftrh'o! L-ohlTod} trnrS ist noch vou ihm;u hoffen; btfiut sagte «: Seid Brruünfrige, mir grab’ gegenüber gestellt! Herr Dr. Friedrich Elbogcn schreibt über diese Angelegenheit folgendermaßen: Das von Abdö Victor hrrausgegebene Buch enthält eine solche Fülle meine Person betreffende Unrichtigkeiten, daß auch ich mich veranlaßt sehe.