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Der Israelit · 1887-09-26 · Heft 75 (26.9.1887) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 75 (26.9.1887)
Date
1887-09-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1369 crcn Schankwirts Joseph Johann Lrandt unter dr Anklage des Betruges vor der 4. Strafkammer L.'csigcu Landgerichts I. Ter als Ackerknecht ans icr Gegend von Warschau hier eingcwanderte Angeklagte betrieb hier in der Friedrichstraße einige Zeit hindurch ein Schankgeschäst, bis er durch den augenblicklich in Plötzensce befindlichen Trnckschrsstcnhändlcr Groncr.hom zum „Privatgelchnen" erhoben wurde. Grancuhorst war dem Angeklagten die Zeche im Betrage von 20 Mark schuldig geblieben, und um von dieser Schuld loszutommen, überredete er den Angeklagten, mit ihm zusammen das Truckschriftcngcschäfl zu betreibe:'. Lrandt verkaufte denn auch sein Geschäft und trat mit einigen hundert Mark als Sozius bei Graucuhorft ein. Tie ersten Unternehmungen bestanden in dem Vertriebe zweier von Gräuenhorst verfaßte» Werke: „Ter Lssiziersbnrschc" und ^Tcr herrschaftliche Ticner, wie er sein soll und muß." Mit beiden Werken scheinen die Socicn kein souderliches Geschäft gemacht zu haben. Ta erinnerte sich Lrandt, daß er sowohl, wie Graucnhorsl Mitglied der christlich-so.fialcu Partei seien und Beide glaubten, mir km Namen des Hofprcdigcrs Stöcker große Schäve für sich erwerden zu können. Als daher der Prozeß Slöcker auf der Tagesordnung ftaud. klebte Graucuhom aus verschiedenen Zeitungen Stelle» der bctr. Gerichtsberichte zusammen, und so kam eine Broschüre zu Staude, welche den Tuet trug: Hosprcdigcr Stöcker und sein Prozeß, von I. I. Lrandt, Privatgclchrtcr, Mitglied der christlich-sofialcn Partei.- AIS daö köstliche Werk in etwa 18.000 Exemplaren gedruckt war. nahmen die Sofien das Adreßbuch vor und schrieben dort zunächst die Adressen aller Prediger und Küster heraus: sie verschonten sich daun zahlreiche Adressen von Mitgliedern der christlich-sozialen Partei mrd sandten an diese die Broschüre in.Kreuzband und rn't einem autogwphiitcn Anschreibcn, in welchem die Roth des ^PnvargclchNcn" Lrandt in den düstersten Farben geschildert wurde. Tcm Verfasser, so hieß cs ungefähr, ginge cs sehr schlecht, und die Empfänger thälcn ein gutes Werk, wen» sie die Broschüre behielten und den Betrag von s»> Ps. schleunigst an den Privargclchrtcn, Stciumexstrane Sir. 30, Hof im Keller, beförderten. Legerer sei Mitglied der christlich - socialen Partei und des Atttlsemitcubundes, durch jüdischen Sucher um sein kleines Vermögen gekommen, und das Büchclchcn fei für alle Parteigenossen von großem Werth, da es alle von jüdsschfiomchrittlichcr Seite gegen den Hosprcdigcr Stöcker gcschlcudencn Angriffe' widerlege.- In Folge dieses Rufchrcibens, dcffcu Augabcn absolut erfunden waren. liefen zahlreiche Geldsendungen bei dem Angeklagte« ein, und dieser hat mit der gänzlich wctthloscn Broschüre einen Gewinn von etwa 206S Mt. erzielt. Als Gräuenhorst sich von seinem Sozius betrogen glaubte, annectirtc er sich einige tausend (Exemplare, vertrieb dieselben auf eigene Faust, und es kam schlicstlich zwischen den beiden Genossen ein Vertrag dahin za Stande, daß sie sich gegenseitig glicht blamircn* wollten. Tas Einschreiten der Staatsauwattschaft machte diesem cirrträglkcheu Geschäft schließlich ein Ende. Während Grauenhorst seine Strafe für dieses und andere Unternehmungen schon lange erhalten hat. wurde Lrandt erst gestern zur Verantwortung gezogen und für diesen dreisten Schwindel zu fünf Monaten Grsäugniß vcrunhcilt. Lesterr. - Ungar. Monarchie. Wien. Herr Tr. Joseph Kopp veröffentlicht folgende Erklärung: Bon einem „Abbe Tr. Elcmcns Victorist eine Entgegnung aus n«ein Buch „ZurIudeofrage" erschienen. Vielleicht hätte ich von der Existenz dieser Entgegnung nichts erfahren oder sie nicht gelesen, wenn mich ..ich! wohlmeinende Freunde daraus aufmerksam gcruacht und mir nahe gelegt hätten, eine Widerlegung dieser Entgegnung zu schreiben, damit mein Stillschweigen nicht als Einverständnis; der in jener Schrift enthaltenen Anwnrfe gedeutet werden könne. Ta cs nun möglich ist, daß auch andere achtbare Leute dieser Ansicht sind, finde ich mich veranlaßt, in Kürze anzu gcbcn, warum ich von einer Widerlegung absehe. Ich hätte nicht nö.hig gehabt, die Schrift des Herrn Abbö bis zu Ende zu lesen, um zu erkennen, daß ich cs mit derselben Fabrik zu thnn habe, deren Erzeugnisse ich seinerzeit leider gcnöchizt war, zu lesen. Grobe Beschimpfungen. Verdrehungen und direkte plane und boshafte lluwah'heilen, untermischt mit frommen. eigentlich fcCcriidjkrfidjat Betrachtungen, angebliche Nachmessungen, daß die gerichtlichen Sachverständigen heillose Ignoranten find, endlich eine Fluch neuer Eiiate anr der unerschöpflichen antisemitischen Zaubcrslaschc — das soll man widerlegen! Kein zurechnungsfähiger Mensch wird sich aus diesem Machwerk ein Unheil bilden, ohne die Eutgegumrg des Herrn Abbe mindcstenA mit meinem schon In dritter Auflage erschienenen Buche zu vergleichen. Eine solche Vergleichung genügt aber vollständig; eine hellere Bekräftigung der in meinem Buche m'cdcrgclcgtc.i Anschauungen könnte ich gar nicht liefern. Was die angeblichen Ucberschuugsfchlcrund unrichtigen Auslegungen dcrhcbrA-

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