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Der Israelit · 1887-04-07 · Heft 28-29 (7.4.1887) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 28-29 (7.4.1887)
Date
1887-04-07
Page
– (sequence 20)
Language
German
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516 dcr früher zwischen den rabbanitischcn und karailischcn Juden hier herrschte, sind heute nur noch wenig Spuren mehr vorhanden, da beide Sekten nun friedlich nebeneinander leben und auch Freud und Leid gegenseitig thcilen. Tic Rabbanircn weigern sich jedoch, wie dies ja auch recht ist, noch heute, sich mit den Karotten zu verschwägern oder au deren Tafel zu speisen. Nebst ihrem eigenen Ghacham haben die Mciraircn auch ihren eigenen Schachet, dann ihren eigenen Friedhof nnd dann ihre eigene Mikwah. In ihrer Synagoge sitzen sie so wie die persische» Juden aus auf dem Fußboden ausgcbrcitctcn Teppichen. Tcphilliu legen sie bekanntlich keine, doch hängr ein Paar dcr Philaktcricn an einer Wand der Synagoge, aus die sic daun während dcr Andacht fleißig ihre Blicke richten. Auch das Taliß kenne» sic nicht und bringen sie dafür vier Troddeln oder Quasten an ihren Bettdecken (!) an. Sie feiern wohl das Purilufesi, aber nicht Gharinka, während sic die Grinnernng an die Zerstörung des Tempels statt am 9. erst am io. Ab begeben. Schabuoth fällt bei ihnen immer auf einen Sonntag, da sie sich an den Buchstaben des Gesetzes halten mrv» rcm. Ten n**/; /r ’:r 2*e c** kennen sie nicht und feiern sic daher auch Rosch-Haschanah nur einen Tag. Sic blasen den Scholar auch wenn Nosch- Hcnchanah auf erneu Sabbat fällt. In einem Schaltjahre setzen sie zwei Ninan ein. stau unserer zwei Adar. beobachten sie sehr strenge, ebenso auch den Sabbat, an welchem sie ihre Häuser nicht verlassen, mit Ausnahme des Synagogcnbcfuckes, und auch kein Feuer anzürrden lasten. Tie Thora wird in ihrer Synagoge zuerst in dem Nrlcrlc und hernach auch in türkischer Sprache verlesen, damit auch die Frauen dieselben verstehen sollen. Für den Ingendnnterricht brsieen sic ihre eigene Talmud-Thoraschule. Im Allgemeinen sind die Maraücn höchst friedliche und ehrliche Menschen, und wird auch ihr Wohlrhätigkeirssinn sehr gerühmt. Feuilleton. Das ^eßachfest in K»oK!)ara. Tie Vorbereitungen zum Peßachfcstc in Bokhara beginnen schon am Tage nach Pcßach. An oicsem Tage begeben sich nämlich die Familienväter zu den Bauern und Landwirthcn dcr Umgegend und fragen bei ihnen an, ob sie ihnen auch Heuer znr Grnlezcit wiederKorn ans Mazzosmchl überlasten wollen. /Zwischen Lag-Boanmcr und dem Schabuothscstc werden dann die Preise für das Korn und zugleich auch der Tag der Uebcrnahme desselben fcstgestrtt. In Bokhara kauft nicht die Gemeinde das Pcßachmehl, sondern mehrere Familiru- Väter stellen sich zusammen und kaufen bei dm Bauern den für ihr HauS nöthigcn Weizen, und thcilen ihn unter sich. um ihn dann mahlen zu lasten. TaS Mablcn besorgt jede Familie für nck allein und zwar aus gewöhnlichen Hand- oder ans Stcinmühlcn. Selbstverständlich erfolgt das Mahlen unter strenger Ginhaltung aller darauf bezüglichen Vorschriften der Mischnah und des Talmud. Auch die Angestellten der Gemeinde, so die Rabbiner, Tajanim, Hasanim, Lehrer rc., ebenso auch die Armen und die Bachurim unserer Ieschiborh besorgen sich allein den Ankauf und das Mahlen des Korns zu Mazzosmchl, da sie ihr »ncsn xrrz? (Peßachmchl» nickt wie im Abcndlande, in narur»- libus. sondern gewöhnlich in klingender Münze erhalten. Nur in Theuerungsjahrcn, wenn das Getreide erst ans der Ferne herbeigeschafft werden muß, psicgt die Gemeinde große Ladungen von Korn anznkanfen und es an ihre Angestellten und die Armen zu vertheilett, damit sic es sich zu Haust mahlen lasten. Tas Mahlen des Korns erfolgt gewöhnlich erst nach Purim und das Backen dcr Mazzoth dann in dcr letzten Socke vor Peßach. Auch um das Backen dcr Mazzoth kümmert sich die Gemeinde nicht, sondern überlaßt dies dem Belieben der Familien, die sich dann bei dieser Arbeit gegenscin'g unterstützen. Tie Mazzoth in Mittelasien sind klein, rund und bedeutend dicker, als die im Abcndlande. Am Grew Pcßach wird dann gleich nach dem Lchacharilhgcbcre das Mrtagsestcn oder das Frühstück, das das Mittagen cn vertritt, eingenommen, worauf dann unverzüglich dcr p>~ 'rjrs (Segfchaffen des Brote?) ans den Häusern erfolgt. In einem jeden Hanse werden dann einige Schafe oder Lämmer geschlachrer, und erhalten auch die Ghackamim und die Armen einen Thcil des Fleisches in Begleitung einiger Stöße Mazwth und eines Kruges Wein auf Arba Kofforh. Tic Frauen verfügen sich dann in die Köche, um hier für die grubcsctzte Festtafel zu sorgen, während die Männer wieder sich in die Mikwah cBad) nnd hernach dann in die Borde- Midraschim begeben, um dorr die Vorträge, der Ghackamim über nrs rc/n <Peßach - Borschristcn) anznhörcn. Sobald sich die ersten Adendscharren zu senken beginnen — Uhren sind in Bokhara neck nicht allgemein im Gebrauche — treten die Familienväter zusammen, um in einigen cigcnS dazu schon bestimmten Häusern rrrcr nsn zu backcu.

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