Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 28-29 (7.4.1887)
- Date
- 1887-04-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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499 Aich die furchtbare Erniedrigung, durch dieSklavcn-;mc und des Aufsehers Peitsche jeder Lcbenshauch ülcichfam im .Leime erstickt. Tic Familie Jacobs bn mit einem hohen Ideal, mir ciucm frischen, klebenden Gedanken nach Egypten, eine grosse r'^hrhcit in sich und mit sich tragend, welche ein .-ffnndcs, kräftiges Wachsthnm, eine herrliche Entfaltung und Entwickelung versprach — aber wie än cnödtcndcr Mehlrhan legre sich die Sklavcnkctte um ferne Glieder, die cS säst erdrückte. Doch wie l:c vom Glulhstrahl der Lonne getroffene Blume, sic die fast verdorrte Pflanze vom Nacht thau er- Glicht und gckräftigt und neu belebt des Morgens wieder ihren Meid) öffnet, sich wieder aufrichtcl: effo ward das so schwer bedrückte, geistig und körrerlich fast vernichtete Volk Israel durch den ersten. Stummer der Freiheit, die wie ein Morgcrrroth i’iim Aiibrrrärc eines schönen Tages, eine herrliche .-»nfmifl vcrhicst, wieder aufgerichtct, erstand zu ’ii'djfm Leben, schüttelte von sich das Joch, und der alte herrliche Geist, das mithillabgenommenc Fdeal, die groste Wahrheit ciirandcn in ihm mit crncntcr Lraft und Lebendigkeit. Tenn Israel ':and nun unter dem speziellen E'.ottcsschny. Und dieser GoUcSschnst ist uns "Menschen, tvas der erfrischende Thau der Pflanze ist. 2»!cn des Lebens schwere Last nicdcrgebcngt, wen der giftige Pfeil des Hasses und der Bosheit zcrroffcn, so das; er für sich, von sich und den 2>,er,scheu keine 'Aussicht ans beffcre Tage, keine Acndcrung seiner Lage erwartet: wenn'ihn diese '.rüde Aussicht noch verzagter, noch aussichtsloser :n'.d verzweifelter den kommenden Tagen und Dingen i.'ngcgenschcn lässt: da isr's einzig und allein der v;oltcSschutz, die Hoffnung, das; der himmlische Amcr allein noch Erlösung, Befreiung bringen kann und Acttuug bringen wird, was uns wieder auf- '.ichtct, wieder Ledcnsmulh und Lebensfreude unS cncköstt. Und wenn gar der Gcwiffcnsbiffc verehrend Feuer die Eingeweide dnrchwühlt: ein Strahl des Himmels, ein noch so schwacher Trost, eure noch so schwache Hoffnung aus die Verzeihung tcs himml. Paters! das ist wie der Thau, der sich allmählich, . unsichtbar herabfcnkt, langsam sich 'aimuclt während der sinstercn Stacht und beim m:cn Souncnstrahl, der darauf fällt, wie eine glättende Perle, wie eine Thränc glänzt, die der gute lffrzcl des Lichtes vergossen, wie eine Frcudcnlhränc über daS neu crstatrdcuc Leben. — So erhebend, erquickend, so lieblich wie der Thantropscn am 'rrmcn Morgen in dem üalbvcrschloncncn Blnnrcnganz so ist das sich wieder im Goltesfchuy 'uhlcnde, vorher fast verzweifelte Meufchenherz. Die alten Völker mit ihrem Eultus des Schönen und Sinnlichen, aber auch mit ihren ausfchweiferiden Huldigungen ihre» Gottheiten gegenüber, anderseits mit ihrem kraftvollen Auftreten, ihrer welterfchütterndeu und wcltbczwingendcn Kraftcntfaltung: wie glänzende, feurige Sonnen steigen sic auf, schaffend und zerstörend, sich selbst aber bald erschöpfend, ansrcibend und vernichtend. Don ihnen und ihrer Göttcranschanuug blieb nichts übrig. Es war ein verzehrend Feuer, das bald erlosch und nur um so dichtere Finstcrniss hintcrlictz: es war. nicht das Licht der Wahrheit, tvclchcs die Finsternitz dnrchdringt und zerstreut. Nicht das Erhabene, (Droste, Edle und Neinc, sondern das Furchtbare, Mächtige, Gewaltige, Leidenschaftliche und Verderbende diente ihnen als Bild der Gottheit. Ter Göttcrcrrltns entsprang daher rvenigcr dem inneren, tieferen Empfinden, der reinen Vernunft, war nicht rin Hcrzcnsbcdürfniß, er erstand nicht aus Liebe, er war vielmehr ein Product der Angst und Furcht. Nicht läuternd, veredelnd und die Sittlichkeit fördernd, nicht den ganzen Menschen zum Edlen, Weinen und Erhabenen hinsühreud und zum Streben ansporncnd wirkte dieser GötlcrcultuS. Nicht die 'Moral wurde als Grundprincip hingeftellt; im Gcgenrheil, Freude und höchster Genug galt als des Lebens Weisheit und Wahrheit. Und darum waren alle diese Völker nicht lebenskräftig, gingen zu Grunde an der Unwahrheit ihrer Götteranschauring. Ta trat Israel auf mit seiner EinhcitSlchre. Ein Gott ist Schöpfer des GesammtweltallS; ein Gott lenkt und leitet, regiert und beherrscht Alles. Lohn und Strafe liegen allein in Seiner Hand. Er will nur das Gute, will nur die Liebe der Menschen. Furch: und Angst vor den Naturgcwaltcn und den bösen Geistern schwinden, sind ausgeschlossen. llnrer Gorrc>5 Schn? allein stehen wir' Alle, ans Gorrcs Schn? allein sind wir angewiesen. Leben wir nach Seinem Willen, so kann uns keine irdische, keine überirdische Gewalt etwas anhabcn. Während alle vorherige GoucSanschauung der Furcht vor Vernichtung entsprang, und dcsshalb die Menschheit durch Genuss sich zu betäuben suchte, gerade dadurch aber den Leim der Vernichtung in sich legre, war das Princrp der jüdischen GolteSanscha'unng die Liebe und Ehrfurcht vor dem Einen Gotte und suchte die engste Verbindung mit dem Vater dcS Weltalls anzustrcben und aufrecht zu erhalten und dieses Vcrhältniss so aufzufaffen, wie daS der Linder zu ihren Eltern. Und diese Anschauung war für die Menschheit, was der Thau für die Blume ist. Hatte bisher den Menschen ein stets erfrischendes, auftichtendeS,