Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-04-04 · Heft 27 (4.4.1887) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 27 (4.4.1887)
Date
1887-04-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449725--26220-2516013
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

485 ttlfinücn*, stellte zahlreiche wichtige Grundsätze in rrr höheren Mathematik auf, welche die weiteste Mrdreitung fanden. In der Tagcsprcttc stellte er >:Ä mit geistvollen Aussätzen ein, so über „Die Lcidrlischaft in der höheren Mathematik" und auch in der französischen, englischen, italienischen nnd rus- «iidKii Literatur fanden seine Werke Beachtung und Verbreitung in zahllosen Ucbcrscvungcn. Wien. Bor einigen Tagen starb hier Herr Joseph R. v. Werthcimcr. Derselbe war eine durch sein Wirten ans humanitärem und litcrarischcnl l'icl'ictc in weiten Kreisen bekannte Persönlichkeit. ,'mi Wien init dem Beginne unseres Jahrhundert« fil * Lohn angesehener jüdischer Eltern geboren, deren Han» ein Lonunelplay für die hervorragendsten Murner der Kunst und Wissenschaft bildete,' erhielt ^ertheinier eine sorasältiae tvnichnng. Reisen, die er in den Jahren 1824 bis 182.8 durch Deutschland. Italien, Frankreich nnd England unternahm, gaben ihiii mannigfache Anregung für sein späteres lmmam'tärcs Wirken. Im Jahre 1840 gründete er in Wien den Verein zur Förderung der Handwerke unter den inländischen Inden und im Jahre 1>4.i die israelitische Kindcrbnvahrltnstalt in der Leopold» adt (die erste derartige Anstalt in der Monarchie). Außerdem hat er sich um die G-üuduug anderer htrniani- :ärer Vereine vielfache Verdienste erworben. Durch nrclrr als 30 Jahre war er Vorstand der isracl. >rnltusgemeinde in Wien nnd seit dein Bestände der' ron ihm gegründeten ^Israelitischen Allianz" in Wien wirkte er als deren Präsident. Von seinen literarischen Arbeiten seien anstcr den größeren, welche dir Ltellung der Juden im Staate behandeln („Tic Inden in Oesterreich, vom Standpunkte der Gcschichlc de« Rechtes und de« Staatsvonheils", 1842; .Tic Stellung der Juden in Oesterreich", 1 sr»:4; .Die Regelung der staatsbürgerlichen Stellung der Inden in Oesterreich", 1850; Jahrbuch der Israeliten", I I Bände. 1854 bis 1864), noch erwähnt: .Dramatische Beiträge (1828) nnd ein Trauerspiel „Eudoria", das er noch in seinem 8«. Lebensjahre rcrfastlc. Seit dem Jahre 1848 gab er euch das volkswirthschaftliche Tagblatt „Wiener Geschäftsbericht" heraus. Tic Stadt Wien hat ihni zu feinem siebzigsten Geburtstage das Ebrenbürgerrccht verliehen. Frankreich. Paris. Herr Rabbiner Emil bähen in Reims wurde zum Eonslistorialradbincr von Lille und Herr Obcrrabbincr Lcvy in Bcsoul znm Eonsistorialrabbincr von Bordeaux erwählt. England. London. Die hier bestehende Talmud-Thora» Schule, welche von mehr als IW Zöglingen besucht wird, verfolgt den löblichen Zweck, denjenigen Schülern der FreiLämle, welche Mischna und Talmud zu erlernen wünschen. Unterricht in diesen Fächern zn crlhcilcn. Mehrere Lehrer wurden für die Abends abzuhaltcnden Klaffen engagirt und ein Unterrichts» lokal wurde ebenfalls aus Privatmittckn gcmielhet. Herr Rabbiner Tr. Hermann Adler und dessen Bruder Herr Marcus Adler hielten am Donnerstag und Sonntag Prüfung ab und äußerten ihre volle Befriedigung über die Leistungen der Anstalt. Möchte» doch geräumigere Lolalitätco beschafft werden! Rumänien. Roma«. 23. Februar. Bon einem für die rumänischen BerhäUnine recht bezeichnenden Vorfälle wird dem „Hajocz" berichtet. Am 3. (15.) d. M. fand man eine hiesige Kirche durch eine Frcvelthat entweiht. Alle Bilder waren ihres Schmuckes beraubt nnd in der Kirche eine heillose Zerstöntng eit Hciligthümcrn angerichtct. Die ob solcher Gräuel empörte Einwohnerschaft klagte die Juden der Bcrübung derselben an. Tie Polizei nahm auch einige Juden in Hast und suchte durch harte körperliche Züchtigung ein Geständniß von ihnen zu entlocken. Inzwischen aber meldete sich ein Bürger nnd brachte einen Kasten von Blech, welcher gestern am späten Abend bei ihm nicdcrgescr?l worden war, um von den Bringern am andern Tage abgcholr zu werden. Tic Polizei öffnete den .Kasten und fand in demselben die der Kirche entwendeten Gegenstände. Sie stellte nun Nachforschungen bei allen Blcchschmicdcn an, um den Käufer des Kastens zu ermitteln. Da ergab es sich denn, daß derselbe von einem Geistliche» bestellt worden. Dieser leugnete auch gar nicht, aber gab an, daß ihm der Kasten schon seit längere Zeit abhanden gekommen wäre und dcßhalb sicherlich gestohlen worden sei. Tic Polizei hatte aber zugleich auch die Magd des Geistlichen vernommen, welche ausfagtc, da» der Kasten noch gestern im Besitz ihres Herrn gewesen. Es stellte sich auch heraus, daß derselbe sich mit einem Reisepässe nach Odessa versehen halte. Ter Geistliche ist in Anklagezustand ver» sept worden. Sein schlauer P!an> die Kirche zu berauben, welche Schuld den Juden ausgebürdet worden wäre, ist glücklicher Weise zu Schanden geworden. Tie Eiwohnerschast argen sich nicht wenig, daß das Verbrechen, dessen sie die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.