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Der Israelit · 1887-04-04 · Heft 27 (4.4.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 27 (4.4.1887)
Date
1887-04-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Religionsunterrichtes an die Schüler höherer Lehranstalten nickt. Wenn nichts dcstowcnigcr für diesen Zweck eine Remuneration in den IStat des staatlichen Gymnasiums daselbst gestellt wird, so ist dies von den Angehörigen der jüdischen Gemeinde alS ein besonderes Entgegenkommen anzucrkcnncn. TicS (Entgegenkommen ist aber davon abhängig, das; seitens der letzteren, wie dies auch in anderen Provinzen geschieht, die Halste der zu zahlenden Remuneration getragen wird. Wir werden daher, soll« der Borstand sick rechtzeitig hierzu verpflichtet, die im Cytat ansgcsctztc Remuneration von jährlich . . . vom I. April d. I. zahlen lassen, im anderen Falle aber von demselben Zeitpunkte ab den jüdischen Religionsunterricht gänzlich cinstcllen, wen» nicht etwa der dortige jüdischeRcligionSlchrcr sich zur Fortlcistnng der bisherigen Stundenzahl gegen Gewährung der Hälfte der jetzigen Remuneration bereit erklären sollte." — Bemerkt sei hier, Last die qn. Remuncration bisher für einen in sechs wöchentlichen Stunden zu crlhcilcudcn jüdischen Religionsunterricht jährlich 300 Ä. bczw. nur lf>U M. betrug. Oestcrr.»Ungar. Monarchie. Wien. Ter jüngst verstorbene Professor Simon Spitzer, war am 3. Februar I82«r in Wien als der Solln armer Eltern geboren. Rach Absolvirung der Miuelschulstudicn wendete er sich den marhcmathi'chc» Wincnsckaften zu. TaS Jahr führte zwar eine sehr störende Unterbrechung seiner wincnschaftlichcn Bestrebungen herbei, indem Spivcr damals seiner Militärpflicht genügen musste, er konnte dies aber, obwohl er Techniker war, nickt bei der Artillerie oder einem technischen Waffenkörpcr lhntt. sondern tvnrdc zum — Fuhrwesen abgcstcllt. Aber auch dieser harte Zwang vermochte ihn dem wissenschaftlichen Ziele, das er als seine Lebensaufgabe erkannt haue, nicht zu entfremden, und selbst unter so schwierigen Berhältniflcn setzte er seine mathcmathischen Studien und Arbeiten fort, bis ihn jene Macht, die der Publicirät seit jeher innewohntc, aus dieser unwürdigen Lage befreite. Am August 1M3 thcilte die cintlidjc Wiener Zeitung in einem Berichte über eine Sitzung der Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaft mit, daß „Herr Simon Spitzer, k. k. Fuhrwescus-Ztorporal, über die Aufsuchung der imaginären Wurzeln höherer uumcrichcr Gleichungen sprach" und das; er hierüber ein Memoire ausgearbeircr habe. Tiefe Minhcilung erregte die Aufmerksamkeit höherer militärischer Persönlichkeiten und haue für Spitzer zur Folge, dass er aus dem Militärdienste entlassen und feinem wissenschaftlichen Berufe zurückgcgcben wurde. Er wurde Assistent und im folgenden Jahre Privardozent am Wiener Polntccknilum, und blieb in dirser Stellung während der Fünfziger-Jahre, obwobl b:c_ reaktionäre Strömung jener Zeit gegen die Zulassung von Zirdcn zum öffentlichen Lchrainte war. Tie hervorragende wissenschaftliche Bedeutung Spitzers war aber bereits damals eine so anerkannte, das; der llnrcrrickt-imnistcr Graf Leo Thun ihm eine ordentliche Prösetlnr am Polutcchnkkum antragcn lirss, allerdings unter der Bedingung des ttonscssiouSwechsclS, den Spitzer aber entschieden ablchntc. Zm Jahre 1*5$ würbe der junge Gelehrte zum Professor für Merkantilrechnen an der Handelsakademie in Wien ernannt. Tic Lchrthäligkcit Spitzcr's erstreckte sich alsbald auf alle Zweige dieser Wissenschaft. So beneidete derselbe die Stelle eines Prosenors der analytischen Mechanik an der technischen Hochschule, ferner di? eines Professors für kaufmännische und polytechnische Arithmetik an der Wiener Handels-Akademie, er gehörte der Prüfungskommission für Lehramtskandidaten der Handclsschnlcn an und bekleidete zugleich den Posten eines Direktors in der Hypothekenbank. Tie schriftstellerische Thäligkeit Spitzers war eine übcrans reiche und ergiebige, er hat mehrere bedeutende Werke und eine grosse Anzahl mathematischer Abhandlungen veröffentlicht. Bor mehreren Jahren machte eine Polemik Spitzcr's mit dem Mirglicdc der Akademie ocr Wissenschaften, Herrn Joseph Pctzval. grosses Aufsehen. Letzterer harte eine Entdeckung Spitzels, eine „Intcgranonsmclhodc znr Lösting einer gewissen Gattung linearer Tissercntial- Glcichungen" unberechtigt für sich in Anspruch gcnonnucn. Prosen or Spitzer hat für das praktische Leben überaus wcrthvolle Werke geschaffen. Seine „Berechnungen der Loswerthe in Oesterreich", seine Amortisations-Tabellen, sowie die verschiedenen, geradezu genialen Berechnungen der StaatSwerchc für'S praktische Leben haben die Anerkennung der Fachkreise gewonnen und allgemeine Beachtung gefunden. Tie nlaihcmatischcn Arbeiten von Simon Spitzer sind zahllos, wir erwähnen die hervorragendsten: „Tic allgemeine Aufklärung der Zahlcngleickungcn mit einer und mehreren Unbekannten", Anleitung zu Berechnung der Leibrenten und Anwartschaften", „Anleitung zur Berechnung der im Wiener Ztoursblatte norirten Papiere nebst einem Anhänge über Prämien, Tabellen, über ZinfeSzinsen und Rentcnrcchnung." In den Tcnkschriftcu der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, m den Sitzungsberichten derselben, finden sich überall Spuren der Svitzer'schen 'Arbeit. Professor Spircr schrieb „Bemerkungen zur Theorie des Grössten und

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