Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 27 (4.4.1887)
- Date
- 1887-04-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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482 erhielt: desthalb hat Gott mir befohlen, am Tage der Befreiung nur solches Brod zu geniesten. — Und diese Slränter, die dri hier sichst, sic haben einen bitteren Geschmack; sie sollen uns heute daran erinnern, das; die Acgnptcr mir das Leben mit harter Arbeit verbittert baden. Rur zu dem Zweckt, dast ich 3ctnc heiligen Gebote beobachte, har mich der allgütige Gott aus dem Hause der Sklaven herauSgesührt. Nicht wahr, mein liebes Kind, auch du wirs: den allgütigen Gott liebe::, der deinem Vater so viel Gutes erzeigt hat, und wirft dich ebenso bemühen wie ich. Alles zu lhuu, was Er besohle». Tic heilige Schrift und nach ihr die Hagadah geben uns hier wichtige Anleitungen in Bezug auf die (Erziehung der 5t rüder. Mau darf die .Kinder nicht schabloncnmafrig erziehe» wollen. Jeder Mensch, und folglich auch jedes .Kind. iü gleichsam eine Welt im .Kleinen, und daher müssen die Besonderheiten und Elgenthümlichkeiren eines jeden Kindes bei der Erziednng berücksichtigt werden. Haft du einen weifen Lohn, dem die gütige Vorsehung vorzügliche Anlagen verlieben bat, dcffcn Neigungen nur aus das Gute und Wahre gerichtet sind, so suche diese köstlichen Anlagen mit allen dir zu Gebote ftchcudcn Minrln zu cntwickclu und anszubildeu; suche die auf das Gute und Wahre gerichteten Neigungen mit der grösttcn Sorgfalt zu erhalten und zu pflegen. Belehre ihn. wie du kannst, und bist du selbst nicht im Stande, seine Ausbildung zu leiten, so verschaffe ihm tüchtige Lehrer, die ibn in unserer heiligen Thora unterrichten. Ter allwcise Gott bat cs in die menschliche Natur gelegt, das; die (Erziehung wohl viel, aber nicht Alles zu leisten verruag. Ter Mensch bleibt stets selbst Herr seines Willens. Ter besten Eiziehung zum Trotz kann ein Sohn der edelsten und 'sorgsamsten Eltern zum Bösen ausarrcn. Ta gilt cs, die Liebe und Zärtlichkeit zurückzudräugeu und sich dem Bösen gegenüber abweisend zu verhalten. Wohl mag cs dem Batcrhcrzcu schwer fallen, gegen sein eigenes Fleuch und Blut mit uncrdincrlicher Strenge zu verfahre»: allein diese ist das einzige Mittel zur Besserung. — Freundlich und liebevoll dagegen must man das von Natur wenig begabte itinb behandeln. So viele Eltern fehlen gerade in der Behandlung des cinsältigcn Kindes; sic verachten den dummen Jungen, oder lassen es doch zu, wenn er von seinen Geschwistern oder den andern Hauslcntcn verhöhnt und verspottet wird. Tas arme.Kind bat sich ja nicht selbst erschauen und trägt keine Schuld, dast es nicht so begabt ist wie die andern. Sei freundlich und liebevoll gegen dasselbe, nimm es in Schutz gegen jede Mißhandlnng und suche es zu einem gläubigen Juden, zu einem rechtschaffenen und edeldenkendeu Menschen zu erziehen. Nicht die geistige Begabung, sondern der sittcu-strenge und reine Eharakler machen den Werth des Menschen aus. — Und wieder gibt c- Kinder, in denen die Anlagen schlummern. Sie erscheinen stumpf und mtcrupfänglich und sind der Gefahr ausgescvt, de: rücksichtsloser Behandlung zu stumpfsinnigen Menschen heranzuwachfcn. Ter weist und liebevolle Erzieher aber wird die schlummernden Anlagen zu erwecken suchen: er wird sich zu dem Standpunkte des nicht aufgeweckten Kindes hcruicderlancn, wird in der Weife desselben zu ihm reden. „Und wenn dein.ttind nicht zu fragen versteht. so fange du au mit ihui zu reden, und verkünde iüm in einer Weife, die den heiligen Ernst erkennen läßt, die aber dennoch liebevoll und freundlich das Herz zu gewinnen versteht, aur selbigen Tage, sprechend: Ilm diesetwillcn hat der Ewige mir gcrhan, als ans Mizrajirn ich zog." (Schlnst folgt.) Zeitungsnachrichten uud tz'orrefpoudcnzcu. Deutschland. München» 27. März. »Think and thank" wer die Steife und Richtschnur des Mannes, den die Geschichte den vierten Moses nennt. Und in der Thar, nichts kcunzcichnct in höherem Grade die Gcsiltnng und dcn Eharakrer der Menschheit, nichts spricht deutlicher von dem göttlichen Ebcnbildc im Mensches, als die Kundgebung schuldiger und billiger Anerkennung und Tankbarkcir. Tas TankbärkeilsgcM kennt daher kein Ansehen der Person, macht kcincnUnrersckied zwischen Grostund Niedrig, Vornehin uudGcring. cs erstreckt sich nicht blos auf vercinzeltc mounureirtalc Leistungen heroischer Geister, sondern zollt vielmehr auch deni bescheidenen Verdienste einfacher, schlichter und stillwirkcndcr Bürger den gebührende:: Tribut der Hochachtung. Last dem so ist, dcwetrr der erste Nina«, an dem Herr« Moses Ettcn hclmcr, Vorsteher der Ohel-Zakob-Vercins-Svuagoge anlästlich der Feier seiner goldenen HoLzcir für denen langjährige Thätigkeit und Wirksamkc.: als ore Seitens des Hcrrir Tr. Ehren treu, Rabbiner der rran, im Namen des gesaurmtea Vorsrarrdcs und sämmtlicher Vercinsuritglieder der ticsgefühlrcste Tank und Glückwunsch in schwang vollen und gediegenen Worten zum Ausdruck bracht wurde. Mit orarori scher Fertigkeit und Gc-