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Der Israelit · 1887-03-31 · Heft 26 (31.3.1887) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 26 (31.3.1887)
Date
1887-03-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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46$ mcb. Frumuschanu sagt in feiner Interpellation, daß „die Ursachen der Degeneration und des Rückganges der Bevölkerung im Elend, im Paludismus, Syphilismus, des Pclagra u. s. w. zu suchen seien (also nickt in den geschäftlichen Eigenschaften der „Juden-.'), und das;es eine Tharsache sei. daß alle fremden Nationalitäten, die im Lande wohnen (also nicht bloS die Juden!) sich vermehren, während die eigentlich rumänische Bevölkerung zurückginge.- Senator D. Ghika gibt noch weitere Ausschlüsse: „Unser Bauer ist von Natur verschwenderisch und dem Trünke ergeben. Er ruiuirt nicht nur seine Gesundheit, sondern auch sein Bermögeu (daher sein Elend)." Natürlich sagt der Senator noch, weil Juden überall dabei sein müssen, daß diese die Getränke vergiften, was schon so und so viele Mal widerlegt wurde, 5. B. durch die Thatsache, daß die Negierung s. Z. einige Fäycr solcher „vergifteter-Getränke kousiozirt har, um sic anez::- -schanken an Soldaten! Ghika sagt scrner, das, „mm auch die B ä nerinn cn in's LLirthshans gehen" — und La sollen noch gesunde Kinder geboren werdet;, die Moralität r:nd der geistige.Fortschritt erblühen! Ter urkomische Gherghel endlich hat sich wieder einmal mit einer Interpellation lächerlich gemacht, die dahin ging „ob und welche Mastregeln die Negierung zu ergreifen gedenkt, um die Bauern der Moldau vor der „Erploitirung" seitens der „Juden" zu schützen." Es ist dasselbe leergedroschene Stroh, welches der Herr Sena.or immer wieder drischt, vermuthlich reicht sein bischen Geist nicht weiter. Asien. In der Eitadelle von Huö sTonkin» ist am 20. November das erste europäische resp. französische Kind geboren worden. Es ist dies das Löbucken des israelitischen Iäger-Ossiziers Aleau, welches die Vornamen Tanicl-Abraham-Hne bekommen hat. A s r i k a. Tunis» 2l. März. Gestern ist das Dekret über die Neuordnung des Beerdigungswesens in Kraft getreten. Tie Israeliten hauen schon vorher gegen dasselbe protesriti, da sie bisher ihren besonderen Beerdignngsdienst hatten, m:d behaupteter», das neue Neglement widerspreche ihren religiösen Gefühlen »md schädige ihre Interessen. Wie dem „Tempsberichtet wird, macht man ihnen wichtige »tonzcssionen, die ihnen aber nicht genügten; sie weigerten sich, dem neuen Neglement sich zu unterwerfen. und suchten gestern zwei Beerdigungen ohne die nunmehr vorgeschriebenen Formalitäten vorzunehmen. Eine große Menge Israeliten drängte sich in den Friedhof und es kam zum Kampf mit der Polizei, die nur mit Mühe die Ruhe wicderherstellle. Herne schloffen die ISraclitcn ihre Läden und wiederholten die Demonstrationen auf dem. Friedhose und vor dem Stadthause. Tie Polizei stellte die Ruhe wieder her. Gestern und heute, wurden mehrere Verhaftungen vorgenommcn und es gab auch drei Verwundere. Der Vorsitzende der Stadtverwaltung mußte sich durch Militär nach Häuft eskortier» lassen. Ta der Nesidcm abwesend ist, konscrirte dcr Minister de» Bey über die Affaire mit dem cijini Sekretär der französischen Gesandtschaft. Ter augenblicklich in Paris weilende diesseitige Resident zu Tunis, Herr Massicault, empfing den Großrabbiner Zadoc-Khan und eine Abordnung des israelitischen Konsistoriums, welche ihre Vermittlung in Sachen des i» Tunis über die »ent Bcgräbrrißordnnug entstandenen Streites anbotcn. Ter gebildete Thcil der jüdischen Gemeinde von Tunis hat, wie verlautet. gegen die neue Ordnung keiue Einwendung erhoben. Eine Anzahl der tnnesischcn Juden sieht unter dem italienischen Schutze, weshalb vor dem Stadlhanse seitens der Kiurdgcbcnden der Ruf: „Es lebe Italien!- laut wurde. Auch die italienischen Katholiken haben gegen die neue Di* muiS Einspruch erhoben und sich um Schutz an ihre» Konsul gewandt. Tie Konsuln traten heute zu einer Berathung zusammen. Tie jüdischen und katholischen Geschäftsleute halten ihre Läden geschloffen. Von den gestern bei der Zusammenrottung vor dem Stadthaus verhafteten IO Inden wurden heute 3 zu je C Tagen Gefängnis; und 16 Frcs. Geldstrafe verurtbeilt. Tic Polizei ist aufgeboren, um weitere Ruhestörungen zu verhindern. Heute erfolgte die Bestattung" einer israelitischen Frau seitens der städtischen neuen Begräbnißdehörde ohne Zwischenfall. Das Mißvergnügen gegen die neue Einrichtung beruht daraus, daß die Beisetzung der Glaubensgenoffen dem „Tempszufolge seitens der tnnesischcn Juden als eine religiöse Pflicht bisher unentgeltlich vollzogen wurde,wofür die reichen Juden, wenn ein Tranerfall in ihrer Familie vorkam, der Armenpflege ihrer Gemcindc beträchtliche Geschenke machten. Tieft Geschenke würden sich mm, so besorgen die ärmeren Juden, um den Betrag der Gebühren der zwangsweisen städtischen Beerdigung vermindern.

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