Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 26 (31.3.1887)
- Date
- 1887-03-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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465 dem Prozeß ganz fernstehenden Eigenschaft alS Translator vom Gericht zu Termin geladen wurde, mußte sich ebenfalls zuoi Eide in«.r« judaico bcaucmcn, wie z. B. eine der Parteien oder ein Zeuge für seine Aussagen. Aach seiner Erzählung wurde er, nachdem der Prozeß ans Ererv Jom Kippur verlegt worden war, mit Tagesanbruch vom Gcrichtsdicncr geweckt, der ihn in's Bad (Mikwah) führte, ohne ihn etwa« Warmes zu sich nehmen zu laffcn. Im Bade wurden ihm die Nägel von Händen und Füße» beschnitten (ein alter Brauch verbietet das gleichzeitige Abschneider!), er mußte dreimal untcrlauchcn und dabei eins, zwei, drei zählen: daraus ging er zum Rabbiner. Während dieser sür das Seelenheil des urplötzlich zu einer Eidesleistung gekommenen Translatorsin spe mehrere Psalmen rezitirtc, war der angeblich ihn beim Aadbiucr crwartcudc Ltaatsauwallssubstitut fortgcgangen zur „Sakuska" (Frühstück — dies findet französisch um 12 Uhr statt: zum GtiWnitU ge-!>ört cs natürlich nicht, vielleicht aber wollte er dem unschuldigen armen Sünder bannt zu Gcmüthc führen, das; derselbe noch seit Tagesanbruch nüchtern war!). Aach Rückkunft des Supstiturcu ging er mit diesem, dem Rabbiner und dem Gcrichtsdicncr in die Snnagogc. Himer ihnen folgte der Janhagel, Kobol; schießend, gröhlcnd und allerhand Bichstimmen nachahmcnd. Bor der Bundcslade wurde ihni Wasser gereicht, mit welchem er sich drei Mal die Hände begoß. Er mußte dann die Fußbekleidung — alles aus Anordnung des Gcrichtsdicucrs — abuchmcn, bfliiiiß stehen bleiben, Sterbehemd und Tallith aulcgcn und mit lctztcrm den ganzen Kopf bedecken. Darauf wurde hinter ihm drei Mal Schofar geblasen und das Hcrsagcn des Eidesformel begann: „Üt (der „Schwörende" [?)) wolle mit den zehn Plagen des Pharao geschlagen werden; „Er wolle vernichtet werden, wie das Weib des Loth; „Er wolle versinken wie Korach; „Er wolle keine Ruhe haben auf dieser Welt und im Jenseits; „Er wolle nichts zn essen haben; „Er wolle von Haus zu Haus betteln gehen;- „Er wolle von Ort zu Orr umherirren; „Er wolle, daß ihm Frau und minder stürben, und daß er von ihnen keinen Thcil habe, u. f. w. r>. f. w.; „wenn er nicht die Wahrheit sage (keine richtige llcbcrsctzung liefere, den 5t auf nicht unter diesen oder jenen von ihm behaupteten Bedingungen gemacht habe u. s. w. u. s. w.") Der hier wiedergegebene „Eid* enthält nicht alle Sclbstverfluchungen; als Beispiel werden die aufgczähltcn genügen. Aufcrlegt wird er nicht in allen Fällen, sondern nur wenn sich eins der Tribunale eine billige Hetze machen will. Sonst schwört mau noch im Gcrichtssaalc selbst, nach Wegnahme des massiven aus dem Gerichtstisch befindlichen Kreuzes und Auslegung einer an der Stelle der Verfluchungen, wenn die Israeliten das Gesetz übertreten sollten, aufgeschlagenen, bis dahin in einem Winkel des Saales gelegenen Thorarolle, wie folgt: „Ich schwöre bei meinem Gott, bei dem Gotte Abrahams, bei dem Gotte Isaaks und dem des Jakobs, bei den zehn Geboten, bei der heiligen Thora und der Bibel des Moses, daß ich die Wahrheit sagen werde.* Nach einer solchen Eidesleistung richtet der Präsident an den Betreffenden noch eine Ermahnung und in cirrem spezielle» Fall formulirtc er sie in den hochwcisen Worten: „Ich bin eS gewiß, daß der Zeuge, welcher „Pries" (Schläfenlocken) trägt (!) und aus dem Stamme Juda ist (.'), die Wahrheit sage» wird", worauf einer der Advokaten erwiedcne: Er stammt nicht aus Juda, sondern aus dem Stamme Israel". Diese Wechsclredc kennzeichnet sich wohl von selbst als Boruirtheit, Uebelwollcn und Spott, den man im Gcrichtssaalc mit den Israeliten und der ganzen cercmoniös-gravitätischen Beeidigung derselben treibt. Es wird in Rumänien eben in allen ernsten und heiligsten Dingen, namentlich aber mit den Israeliten, Komödie gespielt. In Kammer und Senat haben sich in kurzer Folge jüngst tvicder inchrcrc Judcnvcrmehrungs- und Ehrislcnstcrblichkcitsdcbattcn abgespielt. Es sind aber Wahrheiten, die man sich gegenseitig sagte, denn diesmal waren die Debatten nicht an die Adresse des Auslandes gerichtet. Dcputirtcr A. Sturdza intcrpcllin den Premierminister über den bcklagenswcrthcn Sanitätsdienst im Distrikte Tutora und sagt: „für die Landbevölkerung werbe nichts gcthan. Es gäbe im ganzen Distrikt nur einen Arzt, der Jahre lang die Landgemeinden nicht besuche. Tie Pflicht der Landärzte wäre aus dem Lande zu wohnen, nicht in den Städten; die Aerztc crNären, das; sic auf dem Lande nicht wohnen wollen, well sic Idioten würden . . . (aber die Gehälter stecken sie trotzdem ein — gelegentlich der Interpellation Ghcrghcl habe ich Ihnen ja geschrieben, daß die christlichen Acr-te nicht nach den kleinen Ortschaften gehen wollen, weil sie daselbst ihre noblen Passionen nicht befriedigen können.) Senator Dr.