Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 26 (31.3.1887)
- Date
- 1887-03-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Ignatz Nobitschck und Sigmund Rcach in herrlicher Pracht bei der erhebenden Feier allen Traucrgästcn sich präsentirte. (Lest. Wochcnschr.) R u ui ä n i c u. I»r. C. Bukarest» 20. März. In meiner Mitthcilung über den „Verein für Geschichte, Julius Aarasch" habe ich nebenbei gesagt, das; in Rumänien ein lrankhafrcr Ucbcrfluß au Vereinen vorhanden sei, welche meist augenblicklich geschaffenen, also mir_ fiktiven Bedürfnissen dienen sollen. Gin Bericht über den Verein „Mnnca" (die Arbeit) gibt mir die Veranlassung über denselben zu sprechen und zugleich mein Diktum durch ein Beispiel zu beleuchten. Schou seinem Namen nach gcurthcilt. verfolgt der Verein „Mnnca" den sonst sehr lobcnswerthcn Zweck, Israeliten zur Arbeit bczw. zu Handwerkern zu erziehen. Uno um dies zu erreichen, hält er auf seine kosten bei verschiedenen Meistern israelitische Lehrlinge in der Lehre. So schön diese Vornahme sicherlich ist und so sehr die Israeliten des Auslandes einen solchen Zweck zu fördern sich bestreben müssen, in Rumänien ist ein darauf gerichteter Verein ein doppeltes Nebel und ein cinlachcr Blödsinn. Einerseits betreibt, wie ich Ihnen ja schon bei anderen Gelegenheiten geschrieben, in Rumänien ein grosicr Tlnil der Israeliten ohnehin Handwerke nnd schwere Gewerbe schon von Alters her. Sic bilden sicher 7/s der Gcsammt- — auch christlichen — Handwerker des Landes und bedürfen also bei der schon vorhandenen llcberzahl zum Lernen keiner Förderung, es sei denn zum Fortkommen — für welch' Letzteres indes; kein Verein cristirt. Andererseits wird dann durch die Lehrlinge der allgemeine und israelitische Handwerkerstand ganz nnnölhig vermehrt nnd ein nur schädlicher Ucbcrflus; geschaffen. Das aröstcrc Hebel aber besteht darin, das; die Rumänen, an ihrer Spitze der „Goopcratorul-" Butculcseu für ihr müfsigcs Gctchrei „die Inden wollen nicht arbeiten" eine Basis gewinnen durch den Hinweis aus den Verein „Mnnca." Vielleicht auch hat BntcnlcScn sein Gefasel in der »amwer von „tjnst zwei Dutzend!) 2-1 israelitischen erelttsiven Gesellschaften, die die israelitischen „Harrdwcrkcr" in ihrer „nnlovalcn" Konkurrenz durch Geld und Prämien unterstützen . . . ." darauf gegründet, das; die „Mnnca" erliche — Lehrlinge unterhält. Würde es sich noch darum handeln, israelitische Jüngling in's Ausland zu schicken, um sic feinere Luxus- oder Spezialhandwerkc lernen zu lauen, oder um die Fabrikation wie z. B. allgemeine und spezielle Weberei, Maschinenkonstruktion n. dgl. zu erlernen und im Lande einzusührcn, würde der Verein durch Fortbi ldn ngs- und Za chschulen «ach ausländischen Mustern die israelitischen Lcbrlingc zu rationellen, systematischen, auch theoretisch geschulten Meistern erziehen wollen, so hätte er schon seine Berechtigung. Allein nach dem Bericht habkir. für den Anfang, ein (akademischer) Maler, eine Hebamme- (!), ein Mechaniker und ein — Klempner schon ansgelerut, während zwei Schlosser, zwei Tapezierer, zwei Herrenschneider, zwei Tischler, ein Holzbildhauer, ein Lithograph, ein Passamcmicr und ein — Schuster augenblicklich bei Meistern in. nur praktischer, Lehre untcrgcbracht sind. Alle diese Gewerbe sind, außer akademische Maler und Holzbildhauer, — die ja keine Handwerke, sondern Künste, — nur untergeordneter Art nnd bei den rumänischen Israeliten, namentlich in der Moldau, mehr als reichlich vertreten. Eure -Förderung des bloßen mechanischen Erlcrnens jsi wahrlich kein Bcdürsniß und pro nihilo. ich möchte sagen, um einziger, zweifelhafter Vcrcinswürdcn willen, wie in Rumänien leider vielfach üblich, sind die verausgabten Mitgliederbeiträge viel zu kostspielig und wenn schon nicht zur Grcirung eines „gebildeten" Handwerkerstandes rcfp. zur Verbreitung fachlicher und allgemeiner Bildung, für wirkliche Bednrsnigc nöthigcr. Meiner Privatmcinung nach wäre cs von dem Verein „Mnnca" viel lobcusweither seine Gelder zu Zuwendungen an die in Rnmänicn überall im Argen liegenden, vorhandenen, gemeinnützigen Anstalten zu benützen, und es könnien noch mehrere Vereine danclbe machen. Die Altersversorgung („Elisabclcmn"), das Bnkarcstcr israelitische »rankenhaus („Earitas") die Knabenschule („Jakob und »aroline Löbcl"), die Abschaffung des in den Augen stechenden, crbarmcnswcrthen Hausbcttcls, der durch die „ökonomischen Geseke" in's Riesige (cs waren allein 20.000 Hausircrseclcn» gewachsen' ist, die (Errichtung einer der Hanpstadr Bukarest fehlenden Mädchenschule, einesWaiscnbauses und dergleichen, wären Zwecke, die nicht erst hcrbrigczcrrr werden urüsscn, um dann den antisemitische» Mäulern Stoff zn liefern zum Wiederkäuen des in Rumänien jedenfalls ungerechtfertigten „to Juden scheuen das Arbeiten" tind „sic besitzen 24 crklusivc Vereine. . . . ." Tie israelitische Lebrlingc werden sich schon selber zn den israelitische» Meistern finden, wie bisher. — lieber die Vorbereitungen und die Formel des in Rumänien noch üblichen „Judencides" wird mrr eine, wie es scheint, flüchtige aber doch schauerlichintercstante Beschreibung seitens desjenigen, der id» geleistet, in die Hand gegeben. Jemands der .zur llcbcrsctzuug hebräischer Schriftstücke, also in der