Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 26 (31.3.1887)
- Date
- 1887-03-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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462 Unsre Weisen erzählen unS in Megillath Thaanith von einer großen Menge von historischen Gedenktagcn, die in Enmierung an große Siege, Befreiungen, (Erlösungen und andere frohe Ereignisse als Nalionalfcstc eingesetzt worden waren. Als aber das jüdische Reich von den Römern vernichtet, die heilige Stadt zerstört und das HauS unsres Gottes verbrannt rvurde .in2s rcijr, da tourde jede Freude getrübt. Jene Festtage hatten ihre Bedeutung verloren und wurden bis aus zwei, das Purim- und das Ehanukastst, aufgehoben. -.112 trsr *2 'r.i. „Unb cs wird sein, wenn dich fragen wird dein Sohn in ferner Zeit, auch in der Zeit, da Israel seine durch die Befreiung ans dem ägyptischen Lklavenjochc erlangte Sclbststärrdigleit wieder verloren haben wird, in der Zeit, da Israel unterdrückt, verfolgt und geknechtet in der Verbannung schmachte» wird: tvas ist dieses, warum feierst Lu so freudvoll daS ErlnuerungSstst an den Auszug aus Mizrajim? Haben rvir doch alles wieder verloren, was wir damals gewonnen, sind wir doch wieder unsrer Freiheit beraubt, werden wir doch von den Nationen» in deren Mitte wir weilen, als Fremdlinge betrachtet, mit Ausnahinsgesttzen belastet oder doch bedrohet! Werden doch unsere Stammesgeuoffen in jenem großen Reiche, in welchem mehr alS die Hälfte derselben wohnt, in traurigster Weise der natürlichen Menschenrechte beraubt, werden sie doch in vielen andern Ländern bedrück!, verfolgt und mißhandelt! Ztommen wir doch selbst in den civilisirttn Ländern Europas, in welchen uns die Gleichstellung durch die Verfassungen garautirt ist. nicht zum frohen Genüsse unscreS Daseins, da wir ja auch dort wieder aufs Rene bedroht werden, die schweren und mühsam errungenen Menschenrechte wieder verlieren zu sollen! Haben wir doch kürzlich erst mitansehen muffen, wie so viele unsrer Brüder und Schwestern, die lein Unrecht sich hatten zu Schulden kommen laffen, durch harte Ausweisungsbefehle ins Elend gestoßen wurden! Zu allem dem kommen noch der Holm und die. Verachtung, der Haß und der Neid! Tic Vornehmen und die Gleichstehenden schließen sich von uns ab, und die Geiingstcn und Niedrigsten fühlen sich berechtigt, uns zu schmähen und zu beschimpfen. Was ist dieses? Warum feiern wir das Fest zum Andenken an eine Befreiung, deren Früchte wir nicht genießen? Tie Frage scheint nur zn berechtigt zu sein. jv*.2w, deßhalb sprich zu der« Fragenden freundlich und sanft, daß mit starker Hand der Ewige uns hcrausgefühtt hat aus Mizrajim, aus dem Haust der Sklaven. Welcher Art war die starke Hand, von welcher die heilige Schrift hier spricht? Eigentlich hätten die Israeliten -100 Jahre in Mizrajim fein sollen, während m der Thal ihr Aufenthalt daselbst nur 210 Jahre währte. Daß Gott sie 190 Jahre früher herausgcführt, daS war die starke Hand, die gewaltsam in die Bcstimomng erugriff, denn GottcS Allwcishc'tt ersah, daß die Israeliten nicht länger die Knechtschaft zu enragcu vermochten, ohne an Leib und tscclc nicht wieder gut zn machenden Schade» zu erleiden. Gott aber Hai uns in den eistrrrcn Schmc!z!:gc! Aegyptens nur deßhalb geführt, um uns zu läutern und uns fähig zu machen. Sein anscrwahltcs Volk zu werden und Seine heilige Lehre z» empfangen. Als diese Stufe erreicht war, da wurde Israel befreit mit starker Hand. Ter Bund, den Gott damals mit uns geschlossen, dauert fort für die Ewigkeit. Alle Leiden, die seitdem über unser Volk gekommen, haben nur den Zweck, nnS :» läutern nnd für die herrlichste Zukunft vorznbcreiten. Deßhalb fctccit wir noch heute mit großer Freude das Besreiungsfcst; denn selbst in Elend und Roth sind wir stets das Volk Gottes geblieben, und der Allmächtige, der uns damals mit starker Hand aus Äizrajims Fesseln befreit hat. wird uns wiederum mit starker Hand rrlösen, roenn rvir die Stufe der Vollkommenheit erreicht haben, die uns befähigt, des hohen Glückes der vollkommeueu Erlösung thcilhasrig zu sein. Der Vaud, in dcu wir nach dem Auszüge ans Mizrajim eiugrtrete» sind, gleicht dem Bund, den Gon einst mir Noach geschlosst» und zu dessen Andenken Er den Regenbogen eingesetzt hat, wie cs heißt (Jesaias E. 54, V. 9—io): „Denn wie die Gewässer des Noach ist dieses i'iir, da Ich geschworen habe, nicht mehr die Gewässer des Noach über die Erde ströme» zu lassen; so schwöre Ich jetzt, nicht mehr Dir zu zürnen und nicht Dich zu schelten. Wenn auch die 'Berge weichen und die Hügel wanken werden, so wird Meine Liebe von Dir nickt weichen und der Bund meines Friedens nicht wanken; so hat gesprochen Tein Erbarmer, der Ewige." (Fortsetzung folgt.) Zeilungsuachrichteu und orrespondcnzen. Deutschland. W. Verli«. Behufs Erwerbung von Grundstücken 31:111 Neubau einer großen Synagoge in Berlin fand nach der öffentlichen Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Hauprgeincindt. am Sonntag eine geheime Sitzung unter Vorsitz des Justizratüs Makower statt. In össeutlicher Sitzung rügte einer