Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 26 (31.3.1887)
- Date
- 1887-03-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVüL Jahrgang. M36, Der Israelit. Ei, " ' - Zentral - Organ für das ortHodore Zudenthum. Herausgegebc» von Dr. Lchvras» in Mainz. Donnerstag, beit 31. März 5647 (1887). Da mit dem 1. April 1887 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten fc-^***/ Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namcmlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. Leiteuber Artikel. Kagadasi (d)ct H'eßach. Zweite Serie. VII. Mainz, 28. März. Ter ciusältige Sohn fragt: Was ist dieses? Und du sollst zu ihm sprechen: Mir starker Hand dm uns hcrausgcführt der Ewige aus Mizrajim. aus dem Hause der Sklaven. So einfach und natürlich die Frage lautet, so lehr bedarf die Antwort der Erklärung. Warum legt die heilige Schrift den Nachdruck darauf, daß Wrtt uns „mit starker Hand" aus Mizrajim, aus dem Hause der Sklaven befreit hat? Hätte es nicht genügt, dem Fragenden zu sagen, daß Gott uns aus der Knechtschaft erlöste? Warum tritt in den Vordergrund der Antwort die nachdrückliche Hervorhebung, daß die Befreiung mit starker Hand geschehen sei? — Um diese Antwort zu erklären, nmnen wir uns die Eigcnthümlichkcit des Fragcücltcrs klar zu machen suchen. Unsre Hagadah nennt diesen Fragesteller er, ein Wort, das wir, wie allgemein üblich, mit „einfältig" übersetzt haben nach kcm Vorgänge des Jcruschalmi, der. wie wir oben wugctheilr haben, diesen Sohn als re-c bezeichnet, ebenso Rasch! zu 2. B. M. <5. 13. V. 15: 7nt; er.K viwff prjrrr irsr cre prr ~ : rs: na .. „Hier spricht die heilige Schrift von dem cinwltigen Kinde, welches in seiner Frage die Tiefe br- Inhalts nicht zu ersahen verniag, sondern ein» wch fragt: Was ist das?" — Daß unsre Hagadah für diesen Fragenden die Dezeichnung er und nicht er-e gewählt hat, ist wohl nicht ohne Grund geschehen. Tie Bezeichnung er ist eine höchst ehrenvolle, mit welcher unser Vater Jakob gerühmt wird, wie cs heißt (1. B. M. E. 25. V. 27): Und es wuchsen heran die Knaben und es ward Esaw ein Mann, der sich auf Hinterlist verstand, ein Jäger, der listig den wilden Thieren des Gefildes und den Vögeln nachstellte; Jakob aber wurde ein er rv», ein aufrichtiger Mann, der in den Zelten der alten Weisen des Zeitalters Belehrung suchte. Nascht erklärt dort das Wort er folgendermaßen: rrsv *pr. *e uh rh* he *pe irr« :cn - „Nicht war Jakob in den Listen und Schlichen seines Bruders Esaw erfahren; er sprach vielmehr stets so wie er in seinem Herzen dachte; jeder, welcher den Scharfsinn nicht zu trügerischen Dingen mißbraucht, wird „Tham" genannt." — Das in Rede stehende Wort war auch im Laufe der späteren Jahrhunderte stets als eine ehrenvolle Bezeichnung im Gebrauche. So wird einer der größten nnd heiligsten Männer, Rabbenu Jakob bar Mclr, allgemein als „Rabbenu Tham" bezeichnet. — Wir haben demnach diesen Fragesteller in unsrer Hagadah nicht als einen Einfältigen im unrühmlichen Sinne zu betrachten, sondern mehr in der Art, wie der deutsche Tichtcr das Wort anwcndet: „Was kein Verstand der Verständige» sicht,. „Ta? übet iu Einfalt ein kindlich Gcmüth." Nachdem wir dieses zu Grunde gelegt haben, wollen wir die Frage des „Tham" näher ins Auge faffen. <