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Der Israelit · 1887-03-28 · Heft 25 (28.3.1887) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 25 (28.3.1887)
Date
1887-03-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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455 Herr Zamfircscu will die von der Kammer läng» votirte Reihenfolge rcspektirt wissen. Tie Kammer aber rctpcfiirt sich selber nickt und gibt dem Anträge Ioncscu Statt. Zur Debatte das IndigenatSgcsuch dc§ HauptmanncS Renescu, „Israelit" (IV) Abg. Butculescu spricht gegen die Raturalisirnug dieses Hauptmauncs, weil er „„3ni>c"" sei; die „Juden" seien eine „Gefahr" für's Land. Dieses könne sich selber vcrlhcidigcn nnd branckc nicht die Dienste der Juden." (AlsHaupilrutc freilich, aber als Gemeine cvcnt. als Sianoncnfuttcr nimmt sic „das Land" jedes Jahr unweigerlich!) Abg. Ioncscu protcstin und weift nach, das; der Hauprmann R c n c § c u getauft, iss: er denn noch Jude?), mit einer „Rumänin" (Ehristin) verhcirarhct sei, rumänische Binder hat. nnd den.ttricg von 1S77 nmgcmacht habe. Ein solcher Mann, der sein Blut für's Land vergossen habe, dürfe vom Bürgerrecht nicht zurückgcwicsen werden." (Dies ist allerdings eine der Bedingungen dcS neuen Artikel 7 der Verfassung, aber die Ausführung des AnikclS in allen seinen beinahe lächerlichen nnd in keiner andern Berfapung vorsindlkchcn Bestimmungen, dies ist eine andere Sache). „Es ift dabei glcichgiltig, ob der Mann „„Jude"" fei," schlicht er, ganz besonders, wenn er feit etwa 13 Jahre christlich getauft ift, wie der Hauptmann Renescu, der wenn ich mich recht erinnere, früher Gutesmann hieß. Abg. Eogalniccanu: „Es ift eine Frage der Gerechtigkeit „sogar" Israeliten zu nawralissren, sofern ne Nachweisen können, Saft sie entweder Soldaten waren, oder Gelehrte bczw. Männer der Arbeit «Handwerker:c.) und." <Leider aber werden die greifbarsten Beweise in Rumänien als solche nicht angesehen, wie das mit t4 amtlichen Zcuguincn belegte Raturalisationsgcsuch des israelitischen Unteroffiziers Schwarz und vieler Anderer zeigte.) „Wollen wir uns auf dem Boden des Antisemitismus" (richtiger des Vertragsbruches!) stellen, so werden rvir wieder vor einer Gefahr, wie die des Berliner Vertrages sschen." — Ter „jüdische", chri ft l ich g et au ft e Hauptmann wird naturalinrt, auf der Tagesordnung aber ftand der Welt wegen J?fluptmann R. „„Israelit"", um den Schein zu — erwecken, das» man Israeliten naturalissre. nnd das; in Gcmäftheil des Art. 44 des Bcrl. Vertrages unter anderen öffentlichen Gleichbcrcchrigungctt auch israelitische Haumlcutc vorhanden wären. Dergleichen „„jüdische"" höhere Militärs gibt cs in Rumänien noch mehrere, so z. B. der „„Jude"" Eruccanu (.Krcu vermann, als Israelit Groß mann). In derselben und in einer späteren Sitzung wurden einer großen Anzahl Böhmen. Griechen, Polen, Ungarn, Deutsch-Ocstcrreicher, Serben n. s. w. das Bürgerrecht verliehen, aber ohne Federlesens, denn sie haben eS nicht nöthig gehabt sich noch in vorgerückten Jahren taufen zu lasse»; sie waren es schon seit ihrer Geburt. Daß sie überhaupt erst seit wenigen Jahren in Rumänien lebten (manche erst feit 1883!) har ihrer christlichen Geburt halber ihrer Naturalisation keinen Abbruch gethan. Ja eS wurde sogar in derselben Zeit ein gewisser Ioan Grigorcscu naturalisirt, der trotzdem er in der Dhat eingeborener Rumäne ist, um sich dem Militärdienst zu entziehen. 1868 griechischer Unterthan wurde. Ter Justizminister Statcscu hat sich für ihn mit der lächerlichsten.Bcfürwornrng in's Zeug gelegt und diese war 'gar nicht einmal nöthig, denn die Abstimmung ergab ohnehin »8 Stimmen für ihn und pro kürma.10 gegen. Dafür wnrhe das Gesuch des größten Geticideerportcurs in Braila, Herrn Men dl, mit derselben Majorität verworfen. Ebenso das 'Gesuch dcS Herrn Esra Penchas (scphardischer Israelit) mit 62 gegen 8 (!) Stimmen, obwohl der Berichterstatter für dieses Gesuch auf Grund eines noch 18 42 mit noch 71 Israeliten seinem Vater gegebenen Privilegiums und verschiedener anderer RcchtStitcl die Bewilligung beantragte. Sie waren eben keine Ehristcn und dachten nicht daran cs zu werden. Mit derselben souveränen Rechtlichkeit und Gewissenhaftigkeit wurde das Indigcnat des deutschen Ehristcn Ignatz Harlber zwei m a l für „null" erklärt, um in dritter Abstimmung angenommen zu werden, obwohl „nichtige" Boten nicht vorgesehen und ein Unding rumänischer Erfindung sind. Wolle» Sie aber wissen, welche Vortheile den Rumänen von der ausschlieftlichen ^laturalisirung von Ehristcn erwachsen, so können Sie eS ans nachstehender wahrer Geschickte erfahren: Im oberen Theil Rumäniens, der Moldau, gibt cs eine Anzahl ausscklicftlich von Ungarn bewohnte Dörfer. An einem Tage des russisch-nrmänisch-türkischcn KriegsjahrcS I*77—1878 herrschte in den Torfwirthshäusern. große Aufregung. Drohungen und Flüche wurden ansgcstoften nnd über die Nachkommen der Hunnen war die asiatische Wildheit gekommen. Was war'sV Die ungarischen, politisch und bürgerlich als R u nr ä n e n dastehenden Dorfbewohner hatten von den Niederlagen der Russen bei Plcvna gehört und nach ihrer Art Politik zu treiben, hielten sic cs für ausgemacht, daß in.Kürze die ungarische Armee in Rumänien cinmarschiren werde um — die Rumänen zu strafen, weil sie sich

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