Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1887)
- Date
- 1887-03-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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44$ Italien. Tnri», 5. März. Tie hier erscheinende „Uuita EattoUca", eines der Hauptorgane der klerikalen Italiens, veröffentlichte gestern unter der Ucbcrschrist il (Znirinals respinxa xU Kdrei e sia possibile in Koma in Minist er o Israelita." (Cb der Quirinal zurückweist die Inden und ob es möglich sei in Nom ein jüdischer Minister) folgenden Artikel, den ich hier getreulich wiedcrgebe: „Man versichert, daß König Humbert erklärt hat, daß er nicht beabsichtige, ein Portefeuille, zumal das des öffentlichen Unterrichts, einem Israeliten anzuvertraucn." (Telegramm aus Nom an den „TcmpS" in Paris). Unter den Ursachen, welche die Bildung des neuen von August Tepretis schon znfümincngcstclltcn Ministeriums wieder in die Brüche gehen ließen, bezeichnet man auch folgende: Tepretis war es gelungen alle Minister, die er suchte, zu finden, urid nachdem er das Portefeuille des öffentlichen Unterrichts von Michele Uoppino weggenommcn, vertraute er es dem chrcnwcrthen Luigi Luzzan, Professor des konstitutionellen Rechtes an der Universitär von Padua, Cckonomin, Geschichtsschreiber, und Kritiker an. der unter Anderem auch ein Buch betitelt: „Ter Staat und die Kirche in Belgien" geschrieben haue, Aber Lnzzaili ist Israelit und ein von "Moni an den „TrmpS" in Paris gerichtetes Telegramm berichtet, daß als Tepretis ihn als Minister vorfchlng, Köllig Humbert ihrr nicht auuchmcu rvolltc, indem er erklärte, daß er „gar nickt beabsichtige ciu Portefeuille, zumal das des öffentlichen Unterrichts» einem Inden anznvcrtrauen." Tepretis, der diese Ablehnung nicht erwartete, stellte sogleich dasMandal zurück und verließ den Quirinal. Tas Telegramm des „TcuipS" fügte noch hinzu, daß dieses Ereignis; viele Kommentare in Nom hcrvorricf, und daß sich AchnlicheS schon 1873 ereignet habe, als man nach der .Krisis des MinistcrinmS Lanza, für das Portefenille der Finanzen einen andern Israeliten, Isak Mauregonato, bestimmt batte. Indcß sind dies durchwegs Fabeln nnd die „A'azionc" vom L\ März dcmcntirl sic, indem sie sich darüber beklagt, daß man „wollte, nicht blos in Italien, sondern auch im Auslande glauben mache», daß sich am savomschcn Hose eine antisemitische Strömung manifcstin habe." Tie „Nazionc" erklärt dagegen, das; sowohl Biklvr Emamrcl, wie auch König Humbert und die Königin Maryhcrita, nie einen Abscheu gegen die Juden fühlten, am wenigsten aber gegen ' Luigi Luzzatti. In der Krisis von 1873 war eS nicht Lanza, der den Juden Maurogonaro zum Finanzmmifter vorschlug, sondern Minghetti und da Maurogonaro diese Last nicht auf sich nehmen wollte, so bar Minghetti den König Viktor Emamrcl, daß er seinen ganzen Einfluß ausbiere, um Mourogonato D überreden, damit er es annchme. Ter Vater des Königs Humbert willigte in die Bitte Minghetti'-. ließ den Juden Maurogonato in den Quirinal rufen und bat ihn länger als eine Stunde, das ihm a»- gcboteuc Portefeuille anzunchmen. Aber Maurogonoto blieb fest und wollte nichts davon wissen. Ucbrrdrcs ernannte derselbe Viktor Emamrcl 1876 den Isak Ariom zum Senator des Königreiches und war dies der erste Israelit, der in den Senat in Nom cinlrat. Als nun Marco Minghetti dem Könige die Ernennung Artom's zur Unterschrift vorlegte, da rief Viktor Emauue! jubelnd aus: „C, bc* ist sehr brav. Dieses Teeret unterfertige ich gerne." So zeigt und manifcstin sich, bemerkt nun die „A'azionc" der Auriscmitismus im Hause Savoyen! Tie Tugend pflanzt sich auch durch die Zweige fort!" Und so wie der Bater dem Äaurogonato und Artom wohlwollend war, so ist cs der Sohn wieder dem Luzzatti. In der That, in dieser Krisis ricth der ehrcnwrnhe Tcprcns dem Könige Humbert gleich vom Anfänge an, mit den anderen politischen Männern auch den ehrenwerthen Luzzatti zu befragen und der König erfüllte auch diesen Rathschlag, ließ denselben rufen nnd hörte dessen Meinung. Als dann derselbe Tepretis dem Könige die Wahl Luzzatli's zum Uiiterrichtsminister vorschlug, billigte nickt nur Humbert I. diese Wahl, sondern zeigte sich von derselben sogar angenehm berührt nnd machte nicht die geringste Bemerkung über die Bestimmung des Poncfcuillc. Und selbst die Königin Marghcrüha, die da fürchtete, als Gegnerin Luzzatti's verschrien zu werden, suchte und fand die (Gelegenheit, sagt die „Nazionc", um erklären zu können, daß sie sehr glücklich gewesen sein würde, den Tcputirtcn Luzzatti alS Minister des öffentlichen Unterrichts zu empfangen." Wirklich, kern Gesetz und keine Antipathie uüdcrsctt sich dem Eintritt der Israeliten in die iralienischc Negierung, und wie mau 1873 iu Nom dcn Israeliten Äaurogouato für die Finaitzen und 1*87 wieder ein Ministerium mit Luzzatti für dcn öffentlichen Unterricht haben konnte, so wird man einst auch ein ganzes jüdisches Ministerium haben können: wir sind auch dessen sicher, daß cm solches Ministerium nicht schlechter fein wird, als die vorangcgangcncn nnd vicllcrchr wird dasselbe sogar die