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Der Israelit · 1887-03-28 · Heft 25 (28.3.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 25 (28.3.1887)
Date
1887-03-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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446 geben wollen. Der (Fine findet wirklich Mängel an der gekauften Waare; er wird sie zurückgeben, um dafür eine andere einzutauschcn, die ihm makellos dünkt; der Andere hingegen hat Neue auf den Kauf überhaupt: er sinnt sich Mängel aus, die gar nicht existiren und ruhet nicht eher, bis er den ganzen Kauf rückgängig gemacht hat. König Salomo sagt in seiner Weisheit (Mischlc lv. 26. V. 4—5): „Antworte dem Thoren nicht nach feiner Thorhcit, damit du ihm nicht gleichest auch du. Antworte dem Thoren nach seiner Thorhcit, damit er sich nicht weise dünke." Ter Widerspruch liegt auf der Hand und wird schon von unsren Weisen (Labbat :JOb.) hcrvorgehobcn. Wir wollen hier die beiden sich scheinbar widersprechenden AnSsvrüche dcS weisen Königs zu erklären suchen. Zn Bezug auf die Gebote Gottes sind wir vor allen Dingen verpflichtet, dieselben zu beobachten und ausznführcn, selbst wenn wir die Gründe dafür nicht kennen. Wohl dürfen wir über die GorteSgebotc Nachdenken, aber in keinem Falle dürfen wir die Erfüllung derselben von unsrem Ermesse» abhängig machen. Lo heißt cs auch (Mischte E. I. V. 7.): „Tie Furcht vor Gott ist der Anfang der lyrfcimiiüH," das heisst: vor allen Dingen fürchte Gott und vollziehe seine heiligen Gebote; dann erst ist cS dir gestattet, über sic nachzudenken und ihre Bedeutung zu erkennen. Und ferner heißt es (Psalm IU. B. 10): Der Anfang der Weisheit ist die Furcht vor Gott, köstliches Bcrstättdnist für Alle, die Leine Gebote halten; das heim, cs ist gut für den Menschen, nachdem der Glaube und die Gottesfurcht in feinem Herzen feste Wurzel gefaßt haben, nach der Bedeutung und dem Endzweck der Gebote unsres Herrn zu forschen, denn die Erkenntniß wird uns kräftigen und stärken, die heiligen Vorschriften der Gotteslehrc mit ganzem Herzen und mit ganzer Lecke zu erfüllen, wie es heißt (Psalm lll». V. l:M.): „Lasse midj erkennen, und ich werde bewahren deine Lehre und sie beobachten mit ganzem Herzen." — Lo verfährt der wahrhaft Fromme. Unter den Andern gibt es aber zwei verschiedene Klassen. Die Einen wollen nur dann Gottes Gebote erfüllen, wenn deren Gründe ihnen einleuchtend sind. Einen Lolchen suche auf jede Weise zu belehren, lyr ist zwar ein Thor, weil er sein geringes Bcrstäudniß höher stellt als die Lehre des Allweisen; er dünkt sich aber weise, indem er bei sich denkt: Nur die Thoren glauben, der weise Mann umst überzeugt sein. Lo antworte denn dem Thoren, selbst wenn die Fragen seine Thorhcit bekunden, damit sein tbörichtcr Wahn, damit die Einbildung aus seine eigene Weisheit entfernt werden; will er doch die Gottesgebote halte», sobald deren Gründe ihm ein!euchten; er ist also der Belehrung fähig. ES gibt jedoch Menschen, denen es gar nicht darum zu thun ist, belehrt zu werden; sie suche» in Gottes heiliger Lehre nur aus dem Grnndr Mängel zu entdecken, weil sie die Borschrifte» derselben nicht beobachten wollen. Mit solchen Menschen darf man sich in keine Discussion rinlasse»; hat man tausend ihrer Eimvände beseitigt, so suche» sic zehntausend neue. Solche Menschen kann man weder belehren noch bessern. Der Berkehr mir ihnen sevt sogar der Gefahr auS, von ihren Schlingen gefangen, durch ihre Liste bcthört zu werden. Daher sagt Lalomo in seiner Weisheit: Antworte nicht einem solchen Thoren nach seiner Thorheir, damit du ihm nicht gleich werdest, auch du. Lo sagt auch Lalomo an ckncr andern Stelle (Mischle (5. 14. B. 7): Gehe ans dem Wege einem solche» Tkorcn, damit er dich nicht so bcthöre, daß du selbst der Weisheit daar wirst. (Vergleiche Rasch».» Auch unsre Weise»! (Abodah sarah 27.) warnen vor dem verführerischen Umgänge mit solchen Menschen. Solcher Art ist der böse Sohn, den die Hagadah uns hier vorfnhrt. Er will die köstliche Waare, die der Allgüiige uns am Sinai überliefert hat, auf daß wir Leine Gebote beobachten und m Seinen Wegen tvandcln, durchaus znrückgcdcn. Tcßhalv bemängelt er sie; er lvill eben nicht daS Joch der Gotteslehrc tragen, und daher fragte er höhnisch: WaS ist euch dieser Dienst? — Tu aber, erkenne tvobl, was in dieser Frage liegt. Mache ihm seine Zähne stumpf, damit er dick nicht beiße, und sage ihm: Um dicsettvillcn hat Gott mir gethan, als ich aus Mizrajim zog. Du willst nicht zu uns gehören, so bleibe uns fern und verführe die Unschuld nicht. — Mache dir keine Lorge, wenn du einen solchen Menschen abwcisest; wäre er zu jener Zerr in Mizrajim gewesen, er tväre nicht erlöst worden, wie ittlS ja erzählt wird, daß viele ZSraelitcn, welche sich der Erlösung widcrsetzteu, während der dm Tage der Fmstcrniß umkamen. Tie Antwort, welche die Hagadah für de» bösen Lohn bestimmt, wird auch in der, welche die heilige Schrift ihm amveist, angedcutet: Und ihr sollt spreche»!: ein Ucbcrschrcitrmgsopser ist es dem Ewiger», da Er hinwegschritt über die Häuser der Kinder Israel in Mizrajim, als Er dieAegvp. tcr schlug und unsere Häuser rettete. — Ja dcu» ersten Thcilc des Verses heißt cs: die Kinder Israel; bei der Rettung jedoch wird gesagt: unsre

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