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Der Israelit · 1887-03-24 · Heft 24 (24.3.1887) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 24 (24.3.1887)
Date
1887-03-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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432 Aber wie hatte die Gräfin ihr eine Infamie zumuthen können? — Die Gräfin, zu der fie bisher cmporgcschaut, wie zu der Verkörperung jeglicher Tugend?---- Aber eben well fie ihr stets so hehr erschienen, darum hatte sie, ohne zu prüfen, die ihr ertheitte Mission übernommen, harte gelobt zu vollführcn, was sie jetzt als infam erkannt. — Und sie haue sich verpflichtet gehalten, die ihr so lieb gewordene Stellung zu opfern, weil Herr von Lilienfeld sich vor ihrer Infamie hatte schützen wollen. — Rein, an eine Jnfarnie ihrerseits hatte er nicht geglaubt — wie hatte er sich doch auSgedrückt? — Ihre Jugend entschuldige sic gewissermaßen, sonst hätte ihr eigenes Gefühl sie zurückhalten müsicu. — Er hatte sie demnach einfach für ein Gänschen gehalten und hatte ihr Taktlosigkeit vorgeworfcn. — Sie preßte die Lippen aufeinander, in ihrem Busen arbeitete cs mächtig. — Und doch, immer noch bester für taktlos gehalten zu werden als für infam. — Aber er sollte noch erkennen, daß sie j weder das Eine war, noch das Andere. Und auch die Gräfin, trotz Allem, was sie für sie gethan, sie sollte erkennen, daß sie sich nicht als Marionette gebrauchen ließ. Was sic verschuldet, das wollte sie wieder gut machen, sie konnte cs, das war sie sicher. Brauchte sie doch nur zu den mindern von ihren eigenen Zweifeln zu sprechen, brauchte ihnen zu schildern, wie sich bereits ihr kindlicher Verstand gegen die lehren gesträubt, die sie im erlöster erhalten. A'och harte sic gegen keinen Menschen davon gesprochen und hätte auch nimmer davon gesprochen; strebte sic doch stets nicht einmal daran zu denken, denn sie Kaue keine Ahnung, daß sie nicht als Christin geboren. Sie glaubte, was man ihr gejagt hatte, daß sic als arme Weise in das .Kloster gekommen, und daß die Gräfin als ihre Barbe das Kostgeld für sie gezahlt. Als schwärzesten Undank hätte fie es betrachtet, hätte sie ohne zwingende Aothwcndigkcit gegen jene Lehre gesprochen, die man sie im iiloftcr gelehrt. Aber zur zwingenden Nothwendigkeit war ihr dieses jetzt geworden. Die Gewissenlosigkeit der Gräfin, die ihre Arglosigkeit mißbraucht, mußte es verantworten, daß sie jetzt entschlossen war, zu thun, was sie bis dahin fiir unmöglich gehalten. Erst nachdem sie diesen festen Entschluß gefaßt hatte, ward es wieder ruhig in ihrem Innern. Jetzt erst gewahrte sie, daß sie den Brief der Eonltcsse noch nicht zu Ende gelesen. Aber er enthielt nur noch in mannigfachen Formen und Wendungen die Wiederholung ihres Verlangens, Marina möge sofort wieder zu ihr kommen. Marina fühlte sich ihr aufrichtig verpflichtet, dennoch war sie nickt gewillt ihrem Wunsche zu entsprechen. Abgesehen, daß sie sich verpflichtet hielt, wieder gut zu machen, was sie verschuldet, so erschien cs ihr auch als eine ihrer weit würdigere Ausgabe die sanften Mädchen zu unterrichten und zu allem Edlen anzueifern, als die schönen Haare der Eomtcsse zu ordnen und von ihrer Toilette alles Groteske fern zu halten. Sie machte sich wieder an die Arbeit, in der sie durch den Empfang des Briefes unterbrochen worden, ordnete die Effekten der Ltindcr und nun auch ihre eigenen. (Fortsetzung f. in der nächsten Donnerstags-Nummer.) MkKfsl. Ait _ (ai bin ich umringt von Seldern. sturen. Lucu. Säit ' bin itb im Korbst aut Scldern olt;n schauen. .Ter I-ror'.lf tt'djrint wöchentlich zweimal» MonlagS undDouncruagS» jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis drs ^abrnangS für Xcutftfclcnb und Cmrctii 12 Reichs Mark, für s Ausland 16 Reichs-Mart. Mau adonnirt gam-;ädrrg. ha!L;2d::g oder r>irtir!;ädrig. Alle BuchKandlungen und nehmen Bestellungen an. — Durch den Duchhandet >n fcrjitijtn bii <£. £. 5> tri noch er, fripiig. Doliplah 16. — A'lrrate 2ä ^seimige die dreigrspallrne Petitzrile oder dereu Raum. — Lrnerreichiiche ^anfnottn taut tfours. — intat Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Trutschland und Qes-ertrich 14 Reich-Mar? oder 8 fl. öüetr.. für"« Ausland 16 Rcichs-Mar? an die 0rp«dition franco rinzusenden. Inhal» tHanprbtall): teilender Anrke'.: Hagadad fchrl Peßach. — Zeinrngsnachrichren und ^orresrondenjen: Teuljch larrd: Hisn;. 2mct ittltn. iZiankiun a. 2K. — Schnei;Luzern. — Frankreich: Paris. — Tür sei: 3 mm na. — Feuilleton: Xu «»onstrtitin. — Rä'.d'e!. Inhalt der ersten Beilage: l'citcniu ttitifcl: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und ßorrespondenzen: TrunL-and: Berlin, .»'amdura. -- rfngland: -üncl rotidon. — Feuilleton: Michael. — Inhal» der zweiten Beilage: Zcitnngs,lachrichten und iforrespondenzrn: t'ngland: Manchester. — Minel-Asieu: Bothara. Inhal» der <»x»ra Beilage: Lrendet. l ri-ciLnisjc. Ail . <i) versetze ich in langen. Surchl und Krauen. A. H. in Lr. L-cramwotitichc Nedactron: l»r. Lehmann in Mainz. — Expedition große Bleiche Rr. 4L. ZruS und Verlag von Oscar Lehmann in Mainz. (Hierzu drei Beilagen.)

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