Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1887)
- Date
- 1887-03-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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430 während des abgekaufenen Jahres hat sich die Mitglicdcrzaht auf 20« gehoben. Mit besonderem Tanke heben wir nnter den uns überwiesenen Gaben das Legat des verstorbenen Herrn Albert Ochs mit M. 3»o nnd die Zuwendung der Freifrau (>crl von Rothschild aus dem von ihrem verstorbenen Gcmahlc gestifteten Legate mit M. 2«»0u — hervor. 'I^öc zur kräftigen Förderung des von uns erstrebten guten Zweckes uns die Unterstützung edler Menschenfreunde durch Zuwendung von Liebesgaben auch fernerhin gesichert bleiben! Schweiz. Luzern. Ter hiesige israelitische Enltus- Verein, zur Zeit aus 21 Familien bestehend, wurde vor ca. 20 Jahren gegründet und gruppireu sich die Mitglieder aus Schweizern, Elsässern und Tcutschcn. Seil 8 Zähren schon gab sich der Verein alle Mühe, um einen jüdischen Friedhof zu erwerben, doch scheiterte das Unternehmen ans verschiedenen Ursachen lokaler Rarur. Endlich vor 3 Jahren wurde vom EnlUls-Verein, welcher damals ans 28 Mitgliedern bestand, bcfchloncn. ein osscrirtes Grundstück arrzukaufcn, um einen Friedhof anzulegen; da bei stangmindenen Todesfällen V'n sehr oft. sehr viel Nnaunchmlichlciren bei dem Transport der Leichen, abgesehen von den ganz bedeutenden .stostcn für die bcncsscndcn Angehörigen entstanden, io war in Folge dessen, der Entschluss zum Ankauf eines Friedhofs nur mit Wohlwollen zu begrünen. Trvy des ziemlich hohen Preises des Friedhofs — derselbe kostet, nebst der Mauer über 5000 Franken — war cs dem Verein möglich, durch eigene Mittel und einige freiwillige Beiträge wohltbätiger Glaubcnsbrndcr — obige Summe abzubezahlen. Vergangenen Tonncrstag. am 7. Adar, fand die Einweihung des Friedhofs durch unfern Bezirksrabbincr Herrn Tr. E hr ma n n aus Baden statt. 'Nachdem Nachmittags -rra cv gebetet wurde, begaben sich sämmrliche anwesende Gemeinde-Mitglieder ans den Friedhof und wurden unter Rccitalion verschiedener Kapitel Psalmen die Umzüge um den Friedhof gemacht nnd einige passende Worte vorn Herum Rabbincr gesprochen. Merkwürdig bei der Errichtung des hiesigen Friedhofs ist, dass durch Ankauf desselben eine Trcunnng in unserer Gemeinde entstanden, indem 6 Mitglieder nicht daran Thcil nehmen wollten nnd ihren Austritt angezcigr haben; während gerade ein Friedhof eine Stätte ist, welche oft Leute, die sonst im praktischen Leben dcrn Fudenthnm ferne stehen, veranlaßt, einer Gemeinde bcizutrclcn. Frankreich. Paris. Herr Baron v. Hirsch hat. wie in früheren Fahren, das Deficit der Alliance Fsrarlikc pro 1886 mit 49NLS Fr. gedeckt. Herr Raphael Bischoffsheim. der bekanntlich in Nizza ein Observatorium errichtet hat. welches zu de» besten in den beiden Hemisphären zäblt. hat neuerdings aus seine kosten ein mctcorologischcs Observatorium aus dem Aigoual in den Ecvennen erbauen lassen. Anfangs dieses Monats hatten die Mitglieder der „All. Isr." 22 Mitglieder des EcntralcomiKs. l l in und 11 ausserhalb Paris wohnende, zu wäblcn. Das Wahlrcfultat wird demnächst veröffentlicht werden. Trumont hat gegen seiner Verurthellnng Appellation eingelegt. Türkei. Smyrna. Tic hiesige jüdische Gemeinde bar ein jährliches Einkommen von 98820 Fr., das bis auf 4650 Francs von der Gabclla (Flcischtarc) erzielt wird. Davon werden verausgabt: 2069" Fr. für Gehälter. 1922* Fr. für Wohlthängkcilszwech. 17445 Fr. für Friedhofnnd Bcgräbnisskostcn und 19130 Fr. für Schulen. Ausserdem eristircn noch zahlreiche wohlthätige Vereinigungen, die jährlich an 50.000 Fr. verausgaben. Diese grossen Suirnuc:! beweisen, das; einerseits grosses Elend unter der jüdischen Bevölkerung herrscht, andererseits aber auch, dass der wohlhabendere Thcil derselben von einem philanthropischen Geiste beseelt ist. Da die Fudcn ebenso wie die Ehristcn von jedem Militärdienste befreit sind, nuss; die jüdische Gemeinde eine jährliche Taxe von 40,000 Fr. entrichten. Feuilleton. Die ßorwerlilin. Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Langsamen Schrittes begab sich Marina ^wiederum in das Svcisezimmcr: cs war leer. Frau von Lilienfeld und ihre Kinder befanden sich Salon, wo sic die Besuche einiger Verwandten cu;- psiugcn. Es tvar Marina willkommen, dass '.c allein bleiben konnte, die Unterhaltung mit den freundlichen .mindern wäre ihr peinlich gcwcstu. Sie ging in ihr Zimmer, önnctc die Koffer sr) ordnete die Effekten ihrtr Schülerinnen, ihre eigene.': berührte sie nicht, morgen sollte sie ja scheiden. —