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Der Israelit · 1887-03-24 · Heft 24 (24.3.1887) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 24 (24.3.1887)
Date
1887-03-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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427 Wiesbaden, dcn 21. Sßär« 1587. Mittheilung für Herrn I-r. M. L c h m a u it, Wohlgcborcn Main z, über eine Probe in Parier. bezeichnet: „Pfcsfcrlörncr" cingcfandt dcn is. Mär.; a. c. Vorstehend bczcichnctc Probe haben wir Ihrem Aufträge gemäß untersucht und nachstehendes RcsuHal gefunden: Tic dem fchwarzen Pfeffer ciilscrut ähnlich sehenden Körner erwiesen sich bei näherer Untersuchung als aus einem ziemlich ttcicnhaltigcn Weizenmehl bereitet, welches miHelft Leim augcrührt war. um dem Teige eine gcwisic Festigkeit zu geben. Wahrscheinlich und diese Körner, da sic alle eine ziemlich regelmäßige Gestalt besaßen, mittelst einer Form angcscnigt und dann getrocknet worden. — Tic schwarze Färbung schien durch Kohle bewirkt zu sein. Pfesserbcsiandthelle ließen sich in den Mönicrn nicht Nachweisen. — Tie Probe ist demgemäß diesseits zu beanstanden. Hochachtcnd! l>r. Schmitt. -Herr Tirector I»r. Schmitt fügt dieser amtlichen Mittheilnng noch Olachstclrendcs hinzu: Sehr geehrter Herr Toctor.' Tie Verfälschung des Pfcffcrs ist auf ähnliche Weise bereits früher in Frankreich in sehr großem Maaßstabc ansgcsührl worden, ob auch in Teutschland — ist mir noch bis zur Stunde unbekannt. — Vielleicht bin ich in der Lage, Ihnen bereits in dcn nächsten Tagen ausführlichen Bericht senden zu können. Mil hochachtungsvoll. Gruße Ihr ergebener l)r. S ch m i I t. AV. Berlin. Tie Behörden werden durch die k. Staatsanwaltschast zu Koblenz aus einen unbckauutc« Schwindler ansmerksam gemacht. Derselbe erschien am 6. März bei dem Fuhrunterucymcr Adam Gräff in Kreuznach und crklänc, er heiße Hirsch Alt ho ff, sei Künstler und wolle ein Pferd kaufen, da das scinigc bei Nüdcshcim a. Nh. ein Bein gebrochen habe. Nachdem derselbe handelseinig geworden und eine Adrcßkanc des Kaufmanns Jakob Feist ans Kreuznach, so roie auch einen schriftlichen Schein, worin sich derselbe für dcn Kaufpreis von 50 Mark verbürgte, überreicht haue, wurde ihm von G. ein Pferd ausgekiefert, ohne daß Zahlung erfolgte. Am ander» Tage, als G. bei Feist Zahlung der 50 Mark verlangte, stellte sich heraus, daß der Bürgfchafrsschcin gefälscht war. Am Mittag genannten Tages war bei Fcisi dcsicu Mutter, die Vorsteherin des israclit. Fraucnvcrcius ist, ein fremder Mann und bat um eine Unterstützung, indem er augab, er besitze eine kranke Frau und 4 Kinder, die in einem Hundekarren untergebracht feien, und habe kein Geld, um nach Frankfurt a. M. zu gelangen. Nachdem er don 6 Mk., sowie Kleidungsstücke erhalten hatte, thciltc er noch mit, daß ihm im vorigen Jahre auf der Fahrt über den Nhcin von Beul nach Bonn 3 Kinder ertrunken seien, daß er zwei Feldzüge mitgemacht und in dem einen eine Verwundung des Beines, auf -cm er etwas lahmte, in dem anderen dcn Verlust der linken Hand, welche er in einem schmutzigen Lappen trug, erlitten habe. Auf seinen Wunsch gab ihm Feist seine Adrcßkarte zum Gebrauch bei anderen Familien. Ter Mann war im Besitz eines Führungsattcstcs des k. Polizei-Präsidiums zu Berlin, lautend auf dcn Handelsmann Moses Hirsch auS einem Orte des Kreises Saardurg. Es steht zu vcrmuthcn, daß der Schwindler, dessen Angaben auf Unwahrheiten beruhen, sich noch weitere Betrügereien hat zu Schulden kommen lanen. Derselbe ist ca. -JO Jahre alt, etwa 1,69 Mtr. groß, hat blondes, < braunes) etwas gelocktes Haar, blonden Schnurrnnd braunen Vollbart, blaue Augen, spitze starke Nase, volles rundes Gesicht, kräftige untersetzte Gestatt und. ist mit grauer Joppe, grauer Hose und Mütze bekleidet. Tie Verhaftung desselben ist anbefohlcn, wo immer derselbe betroffen wird. Berlin, 15. März. Ein geradezu entsetzliches Bild von der HcilighaHung der Spcisegcfctze entrollte cinc Gerichtsverhandlung, die sich gestern vor dem Schöffengerichte abspicltc. Wir lassen dcn Bericht über dieselbe hiermit folgen. Koscher oder trcife — das war die große Frage, um welche cs sich bei einer Anklage bandelte, die gestern die 9t. Ablhcilung des hiesigen Schöffengerichts unter Vorsitz des AmtsgcrichtsralhS Schmidt beschäftigte. Ter große Andrang zum Zuschaucrranni bewies das Interesse, welches diese Angelegenheit in dcn Kreisen der Marktlcute und der Händler mir koscheren Nahrungsmitteln erregte. Augcklagt sind achtundzwanzig Gcstügclhändlcr und ein jüdischer Schächter: crsicre sind beschuldigt, Betrügereien dadurch versucht zu haben, daß sic jüdischen Personen, welche „koschere" Gänse, Enten, Tauben :c. zu kaufen wünschten, nicht koscher geschlachtetes Federvieh unter Verschweigung dieses Umstandes verkauf»». Ter jüdische Schächter steht irntcr der Anklage der Beihilfe zu diesem Vergehe«. A »geklagt sind die Fedcrvrchhändlcr: l)Manha3kicmer, 2) t> lar a Niemer, 3) Ww. Niemer, 4) Schcurcl, 5) Träke, 6t-hrislinc Voß, 7) Laue, 8) Wcgner, 9) Hillcrkuß, 10) Friedrich Laue, l l) Frau Laue, 12) Woith, 13) Frau Schulz, 14) Frau Groischkc, 15) Emil

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