Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1887)
- Date
- 1887-03-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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413 in Leiden Hemisphären, durch bitter« l^rsahrungen belehn, cv rwungen sind, sich überall aufruiuLrn und aneinander zu keucn: dennoch hal die überwiegende Menge der Andersgläubigen dir feit Jahrhunderten brstebend« Abneigung. das von Jugend «ui eingrsogene 2-orunbcil gegen ibre Mitbürger jüdiicheu Glaubens nicht jo werk zu überwinden vermocht. um sich mit ihnen ' acial aus gleichem Fuste. ohne Scheu, in brüderlicher ti»rmelnjchaj» zu vermischen.^ Tie auch hier kenntlich gemachten Wörter sind im Original feit gedruckt. Ter Orden motivirt und entschuldigt also sein Entstehen durch den llmsiand, daß es den Inden noch nicht möglich ist sich sozial, ohne Scheu und in brüderlicher Gemeinschaft mit der andersgläubigen Gesellschaft z n vermischen. Mit dem Schwinden dieses Hindernisses, welches, wenn auck vielleicht nicht direkt angestrcbt. so doch jedenfalls erwünscht ist, schwände demnach auch die Existenzberechtigung des Ordens und dieser würde jubelnd über den endlichen Anbruch des goldenen Zeitalters, bescheiden in den Hintergrund treten; er würde zu seinen „Brüdern" sprechen: Thcure Brüder, der humane Geist des Jahrhunderts hat sich endlich die ganze Welt unterworfen und thront erhaben auf dem Throne der Weltherrschaft, ich gestehe, daß meine Existenz jeet nicht nur überflüssig, sondern gar eine Sünde ist — gehet hin und verschmelzt Euch sozial, aus gleichem Allste, ohne Scheu und in brüderlicher Gemeinschaft mit den Bölkcrn, unter denen ihr lebt! Bedarf cs denn noch etwas hinznznfügen? Wird noch jemand geneigt fein, „heilige- Versicherungen zu geben, daß die Gefahr einer destruktiven Beeinflussung ausgcschloffen ist, wo solche Anschauungen von der Rednertribüne herab verbreitet werden? Tie rechte Schwerkraft aber erhalten meine Argunlcntc erst durch den Umstand, da» jene Anrede, welche die cirtirtcn Stellen enthält, ans einstimmigen Beschluß der deutschen Reichsloge 1 Nr. 332 „zum Truck beordert" wurde, „damit Nichtmirgliedcr unserer Bereinigung und Solche, welche beizutrctcn wünschen, über die Ziele und die geistigen Bestrebungen derselben einigen Ausschluß erhalten." Hiermit idcntinzirt der Orden sich mit jenen famosen Auslassungen »nd bekommen dieselben der Ossiziösität ausgcdrückt. *) •) Doch griff* sogar, die deutsche RriLslvge hätte nick:* die ciline Rede;um Truck br'ctbcit, wodurch nt;um ci'tntn l?lcutxntbrfenntnif deS Ctbcr.5 geworden. weiß ich doch nicht, wie r» der orthodoxe Jude jerriz bringen kann, für Menichen von solchen religiösen Anschauungen das t^eiüh! der höLst porenrinen Areundjchasi. der Brnderlichkeir zu nähren, ohne seine r"laudens!reue einer gros-en Eeiahr auszuiexrn. In eZ denn „ich, «chon ein Be, gehen gegen dieie (->kaubenslreue. sich indem luiidsatz zu bekennen, dax der staube bri Anknüpfung inli- Was nun die humanitäre Seite des Ordens anbclangt, das Ton nb's:, haben wir gesehen, daß dieses nicht einmal der Hauptzweck, geschweige beim der einzige ist. llcbrigeuS aber erleidet der ftrenz an den Kern sich haltende Begriff von *cn wie wir orthodoxe Inden ihn kennen, durch oie Ordensgeschichte eher eine Trübung und Abschwächnng, denn eine Förderung. Wenn der Onhodorr 121 r'b'zi üben will, dann greift in er seinen Seckel und gibt mit vollen Händen, ohne erst an schön gcdrcchsclte Phrasen, feierliche Zusammenkünfte und andern Bombast zu denken. Bei dem Orden aber wird der lenchtende Goldkern durch hundert inhaltlose Acnsterlichkeiten verdunkelt, die nur da sind, um einer kindischen Luft au Wichtigthuerei und Formcnanbetnng zu genügen. Wer Härte etwas gegen einen thatfächlich nur wohlthätigcn Bereu: cinzuwcnden? Damit aber der Orden als rin solcher gelten könne, müßte er vorerst seiner Modcdusclcien, denn als solche müssen dem nüchterne» Blick die Picknics. Tanzkränzchcn u. s. w. erscheinen, entkleidet werden, müßte er aufhörcn, durch feine Leiter seinen Mitgliedern daS Evangelium einer konsessionsloscn Natnrrcligion zu predige». Wir sind gefaßt darauf, von einer anderen Seite für die Bcrunhcilung der geselligen Tendcin deS Ordens und seines Formenwesens der Bcrständnißlosigkeit für das Schöne nnd der Genrüthlosigkcit geziehen zu werden, denn selbstredend ist Alles, was von jener Seite ansgeht, und wenn cs auch mir die seichteste Nachahmung einer veralteten, inhaltlosen Form wäre, der Träger einer hohen, tiefen, sittlichen, moralischen und ästhetischen Idee. Selbstredend vermöchte ein solcher schon oft erlebte Vorwurf der Stumpfheit gegen alles zeitgemäß Schörrc in keiner Weise unser auf den Pfeilern der Logik sich anfbancudeS Nrthci! zn alteriren. Ader mrr gesellschaftlicher Beziehungen gar nicht in Delrachl;n kommen brauch*? Wäre dem wirklich so, waS sollte mau dann r:-: den viele» Brrordnungen unsrer 2722.1 aniangrn, die sich cu' Berdürung von 277N und 1Z2N beziehen? Wird vielmehr mck: dadurch, daß man sich darin übt, mit 2^*272 brüderlich :2 verkehren, in der eigenen Bnrst allmählich da» Ansehen der ligioir unrergrabcn und in der Bnrft deS >272 die Gering schätzung der 7^72 d* befestigt. da er ja siebt, dasi der orlbod.-.-e Jude sich nicht scheut, ihn trotz seiner ossenkundigen Elaudea-- vrraSrung brüderlich zu umarrnen und zu küsiea und somit icv ncn Srandpunkr stillschweigend sancriouin? Man wende ja nick: ein. da« der ^nbodore Jenen fromm machen wird, denn toter-* koll ja von Religion nicht dir Rede sein uud zweireaS ist sgerade umgekedn, der y272 mir seiner bequemen, der sucht schmeichelnden Lebensweise zieht de» Ltthodoxen zu hinüber Tar must Jedermann eingestehen, der ein onenet Auge sür die tägliche t>nahrung hat und rS nicht auf bi« schung seiner selbst oder Anderer abgesehen hat!