Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1887)
- Date
- 1887-03-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXYBt Jahrgang. KeLlage zu Nr.28 des Israelit. Leitender Artikel. Aer Hrden der ZZne ÄZritö und das orl^odore Indentvunl. Schluss.) Ter fragliche Korrespondent schreibt weiter: „Wäre cs anders, würde der Verein in der That iijfljr sein wollen, als ein Wohlthäligkeilsvercin der zrri ''.p'Z't rer, rnrn, Unterstützung von Wiltwcn und Waisen 7c. ausrrebt, dann wäre in der That 2brc Befürchtung gerechtfertigt, daß der Verein „rrivellrrcn," die religiösen Standpunkte umgehen...." 24 glaube bewiesen zu haben, das; dem in der Thal „anders" ist, weil öffentliche Vorträge, Pickmcs und Tanzkranzchcn, das muß jeder cinschcn. der seinen Verstands nicht verleugnen will, mit rtrzs -znichts zu schonen baden und weil der Orden selbst unverblümt cingeftchr, daß er jenes Akvcllircn rbctsachlich unter seine vornebmlichsren Ziele rechnet: ich conftatire demnach, den Bertheidiger der Logen selbst des (ringeständnisscs der für die Gcsctzesrrenen vorhandenen Gefahr überführt zu haben. Hoch weniger glücklich ist jener Gewährsmann in seinen weiteren Ausführungen, wenn er einige Zeilen weiter cs als beste Garantie für die llngcfährlichkcit des Ordens in religiöser Beziehung ausgibr, das; ein Grundgesetz selbst die „Besprechung religiöser Tiffcrcnzpnnltc verbietet und unmöglich macht." Ader, um des Himmels willen, das Iiriftf ja die -o.qtf auf den ficjjf stellen l Tic religiösen Tiffercn;- vnnkre sind doch vorhanden, der Orden selbst liefert sie. indem cr. wie wir ja gesehen, in seinen Vcr. anslalrnngen irgend einer religiösen Richtung nicht im Geringsten Rechnung trägt, und jener <>!rnndiav fesselt den Mitgliedern des Ordens die Hände, legt ihnen die strenge Ordcnspfticht auf zu Allem 2a und Amen zu sagen: zu den Belustigungen in den Traucrtagen, den unjüdischcn Picknics, den Tanzkranzchcn am rer u. f. w. Ist das noch nicht klar genug? Weiter heißt cs in km mehrfach genannten Briefe: „Ich gehöre feit 3 Jahren dem Bunde an, und ich versichere Sie, daß noch kein Dort gefallen, geschweige denn ein Beschluß gcsaßr wurde, der wein religiöses Empfinden verletzt hätte." Äem Wort gefallen!. Sehen wir doch, was für Worte mitunter in den Tempeln des Ordens zu fallen pflegen. Ich citire wieder aus der Anrede, die ein vr. Gutmann bei Installirung der Haller Loge gehalten: wird »ich Ihnen die iyrcse ausdrängrn. tä überhaupt die (rrritfitung neuer, fsgenannur getönt« Crvensvttbindungku zeitgemäß. und ift speziell die Gründung srerisi'ch jüdisch« . srUschastcn im tfinffcng mit dem un«tt Zeit? Ich anrwone unumwunden mit Rein. Es in die'eS meine venönliche Nebrrteugung und bade ich aus dir»'« nie eia Hebt gemacht. Ttr t'vijt des 19. Iabrhunderts, dies« <?e,ü der allgemeine» Humanität, dieser l?eift. der nach Dcffentlich.'cit, richt und L-ahiheir strebt und das ^ebeimnißvolle. Tnv.'tU vetebschrut. dieser Sein. d« jede »ocialc Adscheiduag d« Mrn'Len wegen Rare, Iarbe, fttiigum verwirft und das gante Menschcngesch.'echt durch das Vaud wahrrr Mrnschknltkbe;u vtteinigen strebt, er verbietet uns die Gründung von Terrinen, die uns social bis tu eittetn gewissen Etade von denen «ntsernen, die at.dcrett E'laubcns sind: er ruft uns zu, daß wir ausgeben sollte» in die Eetncinichast der Völler. unter denen wir leben, mit denen wir rin Vaterland und ein besetz haben; er verründet unS Juden wie allen andern Menschen des IS. Iahrbutidens. daß die Le'enntniise. welche die Bürg« etneS Staates von einander trennen, einer einzigen, üe alle umschließenden Religio» weichen »ollen, jener Religio» der Humanität, welche uni« Dichter der Menschheit verkündet in de» Worten: Seid umschlungen. Millionen, Diesen Ruß der gattzen Welt.' Wenn das religiöse Empfinden des Herrn sich auch von diesen Worten noch nicht verletzt fühlt, dann mag cr ja zu einem so faüMütiflcu Temperament zu beglückwünschen sein; ich aber und mit mir wohl ntanchcr orthodox jüdische Mann dankt Gott, daß cr von dieser Gl'.ade verschont geblieben ist. Wenn aber der Berliner Herr Korrespondent wirklich so glücklich war. innerhalb dreier Jahre an keinem Worte Anstoß nehmen zu müssen, so kann das offenbar nur auf ausnahmsweise Localvcrhältnissc zurückzuführeu sein, die vom allgemeinen Standpunkt keine Berücksichtigung finden können. Wenn wir uns die Mühe nehmen wollen, das obige Zirat ein bischen weiter zu führen, so erhalten wir eine überraschend offenherzige Aufklärung darüber, wie an lc'ucndcr Stelle über die Entstchungsnrsachen des Ordens gedacht wird. Herr vr. Entmann fährt fort: .Leon wir nun scheinbar mit dem 0*ci?ir allgemein« Humanität. tcr auch in d« Vorrede zu unserer Drdensconftitution so scbr betont wird, eine t^esellsLait bilden, welche, bis jrxr wenigstens, nur aus ISraeliten zusammengrirt-t ift. so läßt »ich daS nur dadurch rechtfertigen, daß heutigen TogrS »och, fast am Ende dieses 19. Jahrhunderts, bas sich prüftet, die Sera der Aujkiärung und Toleranz z» sein, unser« ElaubenSgettosjrn