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Der Israelit · 1887-03-17 · Heft 22 (17.3.1887) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 22 (17.3.1887)
Date
1887-03-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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392 die frivole, unwürdige Verunglimpfung protessiren, welche eine gewisse Presse der Person und dem Charakter des Herrn Prof. Lazarus angedcihcn läßt. Das eine Blatt wirft ihm „Sfricdjerci" und „byzantinisches Streberthum" vor, ein andere» zerrt Privatverhältnisse in die Qcffentlichkeit und erzählt von einer finanziellen Krisis des Verfassers, aus der ihn nur die Liebenswürdigkeit einiger wohlhabenden Glaubensgenossen gerettet, ein dritte» ficht ihn die „Pfade eine» Elias Cohn und R a t h a n Schlesinger wandeln" und prophezeit ihm eine ähnliche Zukunft: cs widert uns an, die Reihe unwürdiger Gehässigkeiten forlzufeyen; mag mau über die Brochüre denken, wie man wolle, aus welchem Motive auch Herr Prof. Lazarus eine Schritt verfaßt haben mag, die cilirren Acußcrungcn überschreiten denn doch die Grenzen aller gesellfchastichcn Gepflogenheiten, sie verdienen die schärfste Verunhcilung und wir protcslirtcn laut gegen jene kleinlichen Persönlichkeiten. Alle» in Allem: die „Deutschen Juden", an welche die Epistel gerichtet iss, „werden „nach wie vor unabhängig vom Vckcnntniffe, an „ihrer ehrlichen, politischen Ueberzcugung scsshaltcn, „mag diese conservario, nationalliberal oder freisinnig „lauten, sie werden nach wie vor, ihrem heiligsten „Glaubensgebotc, und unbekümmert um judenfeind- „lichc Hetzereien und Quälereien, in hingcbcndcr „Vaterlandsliebe mir den andern Staatsbürgern „wetteifern," die Brochüre aber, so überflüssig sie im Ganzen, so unrichtig sie im Einzelnen iss, wird gleichwohl in ihrer ursprünglichen, wohlgemeinten Tendenz dankbar zu begrüßen sein und trov ihrer geringen Bedeutung sicher, da» — „Wichtigste und Wesentlichste bleiben, wa» Herr Prof. l>r. Lazarus bisher für seine Glaubensgenossen gcthan." Ad. Bl. (N a ch b c m c r k n n g d c r R e d a c t i o n: Wir halten uns vcrpstichtet, einen Punkt hcrvorzuhcben, den, unserer Meinung nach, der geehrte Herr Mitarbeiter nicht genügend betont hat. Wir hallen cs ebenfalls für selbstverständlich, das; da» Judcnlkmm als solche» seinen Bckennern gestattet, der individuellen politischen Ueberzcugung zu folgen und sich dieser oder jener Partei — mit Ausnahme der Nmssurzpaneicn — arizuschließen. Es iss religiöse Vorschrift, daß der Jude mit allen Kräften da» Wohl des Staate», dessen Bürger er iss, zu befördern suche. Wie da» am dessen geschehe, bleibt seiner politischen Anschauung überlassen. Alle Privatrücksichten müssen zurücksschen, wenn es sich um da» allgemeine Wohl handelt. Andererseits jedoch hat der Jude auch die Pssichr der Selbsserhalrnng. Man kann daher nicht von ihm verlangen, daß er dazu beittage, einem Antisemiten zu Macht und Einfluß zu verhelfen. Wohl befiehlt unsere heilige Religion, daß wir auch unsere Feinde lieben, nicht aber, daß wtt ihnen die Waneu in die Hand geben, un» zu verfolgen und zu unterdrücken. ES wäre demnach nicht zu entschuldigen, wenn ein Jude dazu behilflich wäre, daß ein Antisemit in den Reichstag gelange. Tritt eine Eollission der Pflichten ein, wenn z. B. bei einer Stichwahl ein Antisemit einem Anarchisten gegenüber sieht, so mag der Jude sich der Abssiuromng enthalten. Kein Mensch kann von uns verlangen, daß wir uns und unsere Glaube n s g e n ö s s e n durch die Kräftigung unserer Feinde schädigen. Weil wir unser Vaterland lieben, müssen wir dafür Sorge tragen, daß der das ganze deutsche Vaterland schädigende Antisemitismus nicht zu Macht und Einfluß gelange. — Tie Redaktion.) ZertuugSuachrichteu und (Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 14. März. Der im „Israelit" bereits mehrfach erwähnte Antisemit Herr Tr. Docke!, hielt heute im Reichstage feine Jungfernrede. Er sprach über das Post- und Telcgraphenwescn mit solcher Uukcmlluiß der einschlägigen Verhältnisse, daß er — ansgclacht wurde. Herr Gcncralposidirckror Stephan cntgcgnetc, er bade in den 20 Jahren, sin welchen er als Regicruugskommissär den Verhandlungen des hohen Hauses beiwohne, noch keine Rede gehört, die so viel Falsche» enthalte, wie die de» Herrn Dr. Böcke!. — Tie Wähler des Wahlkreises Marburg haben Anspruch auf die Dankbarkeit der deutschen Juden, da sie durch die Wahl des Herrn Dr. Böckcl den Antiscminsuiu» lächerlich gemacht haben. — Feuilleton. Die Eonverlitirr. Friedrich Rott. (Fortsetzung.) „Werden Sie un» heute wieder erzählen. Fräulein s" bat Gabriele in leisen, schmeichelnden Worten. Marina neigte zusiimmend das Haupt. Frau von Lilienfeld legte mit einem Wink auf den Betenden den Finger auf die Lippen, den Kindern an» Rücksicht für den Bruder gebietend. Ihr war Joscsincn» Geplauder im höchsten Grade peinlich, weniger um der Sache selbst als um ihres Sohnes willen. Sie hatte sich so sehr gefreut, daß Aleran-

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