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Der Israelit · 1887-03-17 · Heft 22 (17.3.1887) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 22 (17.3.1887)
Date
1887-03-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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3M mau die Geschichte Israels kennt. Der altererbte historische Judenhaß wird von der Brochüre nicht sobald himoeggehancht werden, und der moderne Antisemitismus, dieses Possenspiel schlechter Komödiantcn, wird zu Ende gehen, wenn die Regierung cinsiebr, daß hinter den Eouliffcu die Anarchie, die Revolution steht. Prof. Lazarus schreibt: .Fürst B itmarck ist nicht bloS ein großer, er ist auch rin Nugrr §raakSmana; ich kann ci deßbald nur aufs Lirfste trdaurrn. daß feine -Hugbeil ihm nicht gerathen hat. den cn'lrn Junten drS Antisemitismus in Deuljchland mit feinem mächt-grn Fnßiritt auSznlrrlen. Politische Gründe kann er für diese Unrerlaisung meines ErachtraS nicht gehabt haben; denn es erscheint mir völlig unmöglich, daß er auch nur im Entferntesten daran gedacht hat, den Juden eines ihrer verfassungsmäßigen Rechte zu kürzen. Es ist unmöglich, fuge ich; denn noblesse obligc; Freiheit deS Bekenntnisses, einmal von Menschen gedacht, kann denkenden Menschen nicht wieder entschwinden. Wn Lraal, welcher die sutliche Höhe des deutschen Reiches erstiegen bot. kann von derselben nicht wieder hinuntrnteigrn. L>rnn .Zurst Bismark auf einem Europäischen Eongrrssr die volle «'manriparion der armen Rumänischen Juden gefordert, kann er ne den Deutschen Juden, diesen in allen Berussrwcigrn tüchtigen und kristungSsähigen Liaatsdürgern nicht verkümmern wollen. Hoben andere «münde den Fürsten odgehalten, die sogenannte Iudensroge Lei ihrer l?edun zu enriiken, jo kann ich daS nur lrdhast beklagen.' Auch wir können cs nur lebhaft beklagen, daß es geschehen, daß aber die Brochüre die Hctzbcwcguug nicht eindämmen wird, zeigen uns die Besprechungen der Autisemitcupressc. zeigt uns z. B. der heutige Leitartikel des „Deutschen Tageblattes", welches zwar cingcstcht, daß inan Herrn Prof. Lazarus nach seiner Brochüre „mit einem Deutschen verwechseln" könne, im Ncbrigen aber schamlos weiter hcM. Wir meinen, die Inden baden cs selber verschuldet, daß die Stöckerei so weit gedeihen konnte, man überschätzt diese Bewegung und anstatt sie möglichst zu ignoriren, legt man jeder Acußcrnng irgend eines verkommenen Individuums, welches von der „nationalen Bewegung" sein „Geschäftchen" macht, eine thurmhohe politische Bedeutung bei. Gerade wie jener Fürst eines Duodezstaates zehnmal des Tages seine 100 Mann Soldaten durch die Straßen der Residenz marschircn ließ, um dem Fremden einen Bcgrin von seiner kolossalen Truppcnmacht bcizubringcn, thun cs auch unsere urgcrmanische Freunde. Montag: große Bockvenamnilung, Dienstag: Deutscher Anlisemirenbund, Minwoch: Sköcker auf Tivoli u. s. w.; jede Versammlung ist von Tausenden besucht, stürmischer Beifall nach jedem Saye, man vergißt aber, daß cs stets derselbe Janhagel, stets dieselbe plaque ist, die sich kösilich amüsirt und Beifall brüllt. Unsere Väter haben einer Welt von Feinden gcgcnübcrgestanden, der Jordan kann die ströme Blutes nicht fassen, welche geflosseu find, und Gott, der Wundcrreiche. hat fie gleichwohl über daS Weh einer entarrcten Zeit hinweggchobeu, und wir sollte» zagen vor einer armseligen Cohorte von Schimpfern, die dem Schlamme einer trüben Fluth entstiegen, w i r sollten Brochürcn schreiben, um diese EintagS- Hetzer zu vernichten! Nein und dreimal nein, der Genius der deutschen Nation, um mit Prof. LazaruS zu sprechen, wird sie überwinden, und die heute gebeugte Wahrheit wird einst siegreich über die. Grabstätte der Verleumdung und des Hasses hinwcgschreitcn! Hat also die Brochüre nichts weiter bezweckt. a!S die Rassenhctzer zu vernichten, dann ist sie überstüffig gewesen, dann hat sie ihren Beruf verfehlt. Wir müssen dieser sachlichen siua ira et stodio geführten Erörterung zwei persönliche Bemerkungen anfügen über den Verfasser und dessen politische Gegner. Herr Prof. Lazarus hat den Erfolg seiner Schrift sicher dadurch geschwächt, daß er sein liebes Ich allzusehr in den Vordergrund der Brochüre stellt: auf 30 Seiten Oktavformat sind 15 Sclbstcitatc doch eine zu große Dosis Schönheitspnlvcrl Prof. Lazarus erklärt die Brochüre als eine „Thal", und ein ander Mal heißt cs: „Ich erkläre, daß ich diesen Schritt als das Wesentlichste und Wichtigste von Allem, was ich je für die Juden gcrhan, halte." Ja, aber was hat denn Herr Professor Lazarus bisher Bedeutendes für die Juden gcthan? Er hat am 2. Dezember 1879 eine Rede gegen den Antisemitismus „unter freudiger Zustimmung einer großen Versammlung" . gehalten, er bekleidet die Würde eines Repräsentanten der jüdischen Gemeinde und eines Vorstandesmitgliedcs der „Gesellschaft der Freunde", er ist bis vor kurzem Vorsitzender des „Hilfsvcreins für jüdische Studenten" gewesen, er hat einmal beantragt, auf die letzte Seite aller Rcligionsbücher eine Deklaration, einen Katechismus der jüdischen Sittenlehre, zu drucken, er hat eia Vorwort zu den „Stimmen vom Jordan und Euphrat" geschrieben, in dem der unvergeßliche Michael Sachs zum „orthodoxen Reformer" gestempelt wird, er sitzt im Euratorium der Berliner Hochschule, er hat in heftigster Weise das strenggläubige Judenthum angegriffen, aber wo ist die That, wo bleibt die rettende für seinen Stamm geleistete That? Tenn jenen mehr oder weniger vortresslichen Leistungen kann man doch füglich nicht diese Bezeichnung beilegen, oder man müßte die Berzichtlcißung des Herrn Prof. Lazarus, eine jüdische Ethik für 150,000 Mark schreiben zu lassen, für eine That halten. Weit energischer als gegen diese sclöstgefällige Uebertreihnng muß man aber gegen

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