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Der Israelit · 1887-03-17 · Heft 22 (17.3.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 22 (17.3.1887)
Date
1887-03-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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der sich über die Leistungen der Gouvernante so anerkennend ausgesprochen, wußte da das dumme Lind die allerdings sehr ungeeignete Erzählung auf's Tapet bringen. — freilich, ihrethalben hätte die-Gouvernante die Binder den Katechismus lehrentönncn — aber Alexander dachte in dieser Beziehung anders, das wußte sie. tfx hatte das Tischgebet beendet und war aufgcsrandcn. »Du entschuldigst wohl. Mama, aber ich werde im Eomptoir erwartet." »Lass' Dich nicht stören, lieber Sohn." Er grüßte leicht und schritt der Thüre zu. »Werden Sic uns die Geschichte heute weiter erzählen, Fräulein?" bat Joscnne. Alexander, noch bevor er die Thür erreicht hatte, wandte sich hastig nm. »Dürfte ich Sie ersuchen, Fräulein Svobada, einen Augenblick —" Marina hatte sich erhoben und war einige Schritte näher zu ihnr getreten. Gr öffnete die Thür eines anstoßenden Zimmers und mir einer einladenden Handdewegung forderte er sic auf, sich hinein zu begeben. »Darf ich bitten —" Sie ging voraus, er folgte ihr. Frau von Lilienfeld erbleichte; was hatte der heißblütige, junge Mann vor? Wollte er der Pathe der hochgeborenen Gräfin eine Scene machen? — Wenn sie ihn nur hätte zurückhalren können — doch in dieser Beziehung hatte sie keinen Einfluß aus ihn. Sic, preßte die Lippen auseinander und zog die sonst so glatte Stirn in Falten. »Was will Alex von Fräulein?" fragte Ioscsine, »weißt Du es, Mama?" Frau von Lilienfeld zuckle die Achseln. »Wie kann ich das willen?" »Aber ich möchte gern wissen, was er mit ihr spricht. Darf ich zur Thür gehen?" ..Fi donc. Ioscfine! horchen! —" _ »Ter Horcher an der Wand, hört seine eigene Schand," lachte Gabriele. »Das könnte in diesem Falle sehr zutrcffcn," sagte Frau von Lilienfeld mit erzwungenem Lächeln. »Wer weiß, vielleicht fragt Alex das Fräulein, ob sein schwarzes Finchcn, wie er Dich ucnnr, nie beim Baden gcschricn hat." Tic Kleine errölhcte. »Glaubst Du, daß er das fragen wird? — Aber in den letzten acht Tagen habe ich fast gar nicht urchr gcschricn." »Aber in den vorhcrgcgangcncu sechs Wochen fast imnrer." Ioscfine ließ das Möpschen hangen, Gabriele lachte. Frau von Lllienseld wußte jedoch sehr wohl, daß Alerandcr nach dergleichen nicht fragen werde. Ueber waS er mit der Gouvernante spreche« wollte das ahnte sie, und ihre Ahnung trog sie nicht. Nachdem Alexander die Thür hinter sich zage, macht hatte, trat er etwas weiter in das Zimmer, Marina folgte ihm. Seinen Unmuth bezwingend, wandte er sich freundlich gegen das junge Mädchen. »Ich habe Ihnen über die Fortschritte Ihrer Schülerinnen bereits meine Anerkennung ausgesprochen, Fräulein, und ich wiederhole, ich bin mit der Art und Weise Ihres Unterrichts außerordentlich zufrieden, aber ich möchte ernstlich darum ersuchen, sowohl beim Unterricht als auch in der Unterhaltung nüt meinen Schwestern jedes religiöse Thema vermeiden zu wollen." Marina preßte die Lippen zusammen; wenn sic dieser Aufforderung entsprechen wollte, wie konnte sic ihrer der Gräfin geleisteten Zusage Nachkommen? Alexander erkannte leicht, daß sie keineswegs geneigt war, seinem Ersuchen so ohne weiteres zu entsprechen; in weniger verbindlichem Tone fuhr er daher fort: »Ihre Jugend entschuldigt Sie einigermaßen, sonst hätte wohl Ihr eigenes Gefühl es Ihnen untersagt, jüdischen Kindern derartige Geschichten zu erzählen." Tie Eigenliebe des jungen Mädchen war verletzt, man harte ihr Taktlosigkeit vorgeworfen, das konnte sie nicht ruhig hinnehmen. »Ich wüßte nicht", begann sic mit einem herausfordernden Blick aus den ihr gegenüber Stehenden, „in welcher Beziehung derartige harmlose Erzählungen den Bindern schaden könnten." „Das zu bcurthcilen ist meine Sache," entgegnete er schroff. Sie warf den Kopf ein wenig zurück und kräuselte die Lippen. »Frau von Lilienfeld hat mir die Erziehung ihrer Töchter anvertraut." — »Sie wollen hiermit andeutcn", erwiderte er mir leisem Lächeln, »daß ich mich um Dinge kümmere. die mich nichts angchen. Unter gewöhnlichen Berhältniffen wäre Ihre Annahme berechtigt; ich mache Sic doch darauf aufmerksam, daß ich nicht nur als Bruder, sondern auch als Vormund um die Erziehung meiner Schwestern mich kümmere." »Das war mir nicht bekannt", fiüsterte Marina, indem dunkle Glmh ihre Wangen überzog, »dann muß ich sehr um Entschuldigung bitten. —" »Ist durchaus überflüssig, Fräulein, von der Vergangenheit wollen wir nicht reden; nur für die Zukunft wollen Sie mir versprechen, jedes religiöse Thema im Verkehr mit meinen Schwestern zu meiden." Die Glmh in ihren Wangen schwand und stieg. »Ein förmlich bindendes Versprechen dieser Art —

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