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Der Israelit · 1887-03-14 · Heft 21 (14.3.1887) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 21 (14.3.1887)
Date
1887-03-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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380 Schüler au sich heranzicheu kann, da er es ja versteht, als Lehrer liebevoll wie ein Vater zu sein. Möge er dorr recht bald die ihm in so großem Blaste gebührende Anerkennung finden. Herr Wechsler dankte aufrichtig für diese liebevolle Beweise der Freundschaft, indem rr die Anwesenden,^insbesondre seine Schüler ermahnte, ausdauernd und treu den uns: von der Thora vorgczcichnetcn Weg zu gehen. Zum Theil wird nun der jüdische Unterricht an der Talmudschnle von einem sehr tüchtigen Talmudistcn Herrn H. Trewisch weitcrgcgebcn, und sc er allerdings unser Herr Nabb., troe seiner viclcu Pflichten als Tistriklsrabbiner, alles daran, die Schule nicht nur wie bisher zu erhalten, sondern sogar noch zu vergrößern. Es ist diese aufopfernde Thätigkcit unseres Herrn Rabbiners umsomehr zu bewundern, als er ja nicht nur fiiucn pekuniären Nuvcn von der Schule hat, sondern tro? seines schweren Berufs und als schwacher Manu stets unterrichtet und sogar die Schüler durch Montage untcrstüpt. Möge Gott ihn uns als Krone unsrer Gemeinde und als Zierde des ganzen Iudenthtimv auch weiter erhalten. An alle Freunde unserer heiligen Thora, ganz besonders au aücjmjrc Gemcindcmilglicder richten wir zum Schlüße die Binc rnit aller Thatlrafl, für Erhaltung dieser Schule durch Nnterstüvnugcn crnzulrcrcn, damit sie auch weiter mit solchem Ernste sich der Verbreitung der heiligen Gorleslehrc widmen kann: das ist dann die schönste Anclkeirririug, die wir den Gründern zu Theil werden taffen können. W. Verlin. Es ist eine Tharsache, daß in jüdischen .streifen Fürst Bism m a rk für einen Antlstmitcu gehalten wurde und auch noch gehalten wird. Tiefe Annahme ist durchaus unrichtig. Fürst Brsmark sowohl, wie dessen Gemalin haben mit dem Antisemitismus nichts gemein, sie beehren jüdische Handwerker, stanflente, Künstler u. s. w. mit ihren Aufträgen in freundlichster und liebenswürdigstcr Weile. Das Gebäck eines jüdischen Eondirors ziert häufiger die fürstliche Tafel, und erfreu: sich derfrlbt mehrfacher Anerkennungsschreiben des Fürsten und der Fürstin. Ter Friseur der Fürstin ist ein Jude u. f. w. ii. f. w. — Tem Geschrei und der Parole der -Anrifcnriten „kaust bei keinem Juden" ist der Fürst und die Fürstin niemals gefolgt und die Annahme, Fürst Vismark fei Antisemit, ist eine grundfalsche. Schweiz. Zürich. Welche Erisrenzen die Vorkämpfer des Antisemitismus häufig find, hatten wir heute wieder Gelegenheit zu bemerken. Ein Herr Maurice von Stern, einem alten kurländifchen Adel entstammend, kam hierher und wußte sich Eingang bei Tcutfchen zu verschaffen, die hier begütert sind; er spielte sich dort als fanatischen Antisemiten auf und seiner eifrigen Propaganda wäre cs vielleicht gelungen, sich einzelne Anhänger zu verschaffen, wenn er sich nicht bald in Widersprüche verwickelt hätte, die hm den weiteren Verkehr in den betreffenden .Streifen unmöglich machten. Er trat nun offen zu den Sozialdemokraten und Anarchisten über, mit denen er bereits vorder in Beziehung gestanden hatte; aber auch da darre er kein Glück, denn dieselben schlossen ihn vor einigen Tagen ans ihren Vereinen ans. In einem gestern zur Verhandlung gekommenen Prozcpc stellte es fick heraus, daß er Herrn Harw:- maiin a. D. von Ehrenberg zu falscher Aussage vor Gericht veranlassen wollte und daß sein imimster Umgang, der versuchten Falschmünzerei dringend verdächtigt, sich hierüber nächstens zu verantworten haben wird; ob er selbst hieran betheiligr war. muß der Prozeß ergebe». Zürich. Ein altjüdisches Sprichwort sagt, „wie cs sich christclt, so jüdclt's sich." Schon Lcifing bafirte auf dieser Idee sein Lustspiel „Die Jude»." Das ist nun lange her, und es hat seit dem Tode des Tichters Zeilen gegeben, da man „die Iudcnfragc" zur Vergangenheit gehörig hielt, doch die Neuzeit zeigt, daß ähnliche Worte heute ebensowohl fallen konnten, als damals. Ein rumänischer Beamter, Natioual-Oekonom. mackste eine Studienreise durch mehrere Staaten. In Zürich besuchte er einen dort studircndcn Verwandten und schloß bald mit denen Hauswirih Freundschaft, welcher i h m a ll cs zeigte, was zn sehen, er Verlangen trug. Nachdem Vieles in Augenschein genommen war, sagte der Rumäne. „Eines nimmt mich Wunder: Daß ich hier gar keinen Juden gesehen: sollten Sie das Glück haben, von ihnen verschont zu sein?" „Wir waren vielfach bei Jude»/ cntgcgncte der Andere finster. „In der Thal? Ich merkte es ihnen nicht au." Sic traten in ein Geschäft; der Rational- Ockononi betrachtete, prüfte und konnte nicht genug des Lobes finden. „Auch dieser ist ein Jude", sagte sein Führer, und diese Rede kehrte periodisch wieder, sobald der Rumäne zu loben begann. . Zu Hause augckommen, erzählte er seinem Verwandten die Erlebnisse des Tages, doch der Stadcnt sagte lächelnd: „Tu scheinst nicht zu wissen.

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