Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 21 (14.3.1887)
- Date
- 1887-03-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVIII. Jahrgang. Beilage zu Nr. 21 -es Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. lh la Suggestion par Dr. Bentheim. Professeur k la fac. de Med. de Xancie. Paris. Octave Dom, 1886. dar sofort nach feinem Erscheinen ein großes Aufsehen unter den Gelehrten der inneren Medizin crrcgt. Ter berühmte Physiologe, der bekanntlich 5cr Begründer einer nach ibm benannten Schule?i, behandelt dann Moriz Scharf aus Tisza-Eslar :-:ur Standpunkte des Psnchiatrikcrs aus. E°r u.'.dmet dieser Sache drei Trucksciten (von l$r> bis r-^) und kömmt zu dem Schluffe, daß Moriz durch Angsi, Drohungen und thärliche Miß- Handlung in einen pathologischen Zustand versetzt worden sei, und ihm dann die entsetzlichen Aussagen, ::c er abgegeben, durch Suggestion inducicrt worden seien. Uiuer Suggestion versteht man die bis jetzt unerklärte, aber unumstößlich nachgervicsene Möglichkeit, einem Menschen, der sich in einer Art von <>-eistcskraukhcil befindet, Befehle zu crtheilcn, die Lnszusührcn dieser iricbarrig gezwungen ist. Scharfe Seitcuhicbe empfängt in dieser Abl-üudluug die Justiz, für dieses Brandmal, das sie sich aufgedrückt. Herr Profcffor Pr. Forel, von der Nniversirät Zürich, Direktor der Irrenanstalt Burghölzli, spricht sich ebenfalls sehr entschieden für diese Auffassung aus. Uns gewährt dieses bedeutende Werk, das eine Umwälzung in der Wissenschaft des Hnpnotismus berrorzurnsen bestimmt zu sein scheint, einen intcrcssanlcu Rückblick. Wieviel wurde von antisemitischer Leite auf den Fall Moriz Scharf gefußt, wie wurde gerade das stets hervorgeboben, daß der Sobn gegen seinen Vater gewiß keine Unwahrheit ausgcsagt haben würde, ja noch beute glauben manche Leute diesen Umstand stets wieder hcrvorbcbcn zu müssen und sind überzeugt, daß der Sohn uumals auf solche Weise dem Vater gcgcnübergcrrctcn wäre, wenn nicht in dem Volldcwnßtscin der Lahrheil seiner Aussage. Und wie entpuppt sich r-uu der dazumalige Moriz Scharf vor dem Auge der riescr cindringendcu Forschung? Als ein spontan Willenloser, Unzurechnungsfähiger, um nicht zu sagen partiell Geisteskranker. Es ist zu wünschen, daß auch politische Zeitungen von dieser hochinteressanten Erforschung Notiz nehmen. Zeitungsnachrichten und Eorrespoudeuze». Deutschland. Schwab ach, 7. 'März. Wie den Lesern dieses gcsch. Blattes bekannt, wurde unser sehr verehrter Rabbi Hänlc Wechsler zum Leiter der jüdischen Fächer der Präparandenschule Höchberg berufen, wohin er Heine zog, um diesen ehrenvollen Posten anzutrcten. Derselbe frterte ganz seiner Lebensweise entsprechend seinen Abschied in seinem engsten Wirkungskreise, in der Talmudschule dahier, nachdem er ulir seinen Schülern einen :td aus rj*:n rcoa gemacht. Es ergriff in erster Linie unser verehrter Herr Rabbiner Wißmann das Wort, seinem Schmerze über den Wegzug des bewährten Mitarbeiters und Freundes, Worte verleihend, indem er schilderte, mit welcher Aufopferung Herr W. die bestehende Schule gründete, und wiewohl es ihm bei seinem Berufe unmöglich war, sich ganz der Schule zu widmen, mit welcher peinlicher Gewissenhaftigkeit Herr W. dem Unterricht oblag. Er führte weiter aus, welche Lücke Herr W. in der Gemeinde verursachen werde. Herr Rabb. Wißmann führte des Weilcreu aus. daß Hcrr W. gleich unsrem Erzvater Abraham nur wcgzichc an einen ihm von Gott angewiesenen Lrt, da er mm in noch vergrößertem Maße, die Verbreitung unsrer hl. Lehre cultiviren werde. Es sprachen noch die übrigen Lehrer und verschiedene Schüler der Anstalt warme Worte des Dankes und der Anerkennung für daS Wirken des Herrn W. als Freund und Lehrer. Zum Schluß schilderte der zweite Vorstand der Eulmsgcmcinde, ein ehemaliger Schüler des Herrn W., den allgemeinen Schmerz der Gemeinde, über das Wegzicben eines solchen ManncS, der rastlos im Dienste Gottes und feiner Nedenmenschen, arbeitete und sich verdient tnachtc; eS wurde dankend in einer jüngsten Gemeindesitzrmg anerkannt, welches schöne Institut unsre hiesige Talmudschule sei, es sei nur der eine Trost übrig, daß HcrrW. in Höchberg ganz nach seinem Herzenswünsche noch mehr