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Der Israelit · 1887-03-14 · Heft 21 (14.3.1887) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 21 (14.3.1887)
Date
1887-03-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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378 daß sie das letzte Genießbare, das sie besessen, ein Stück Lrod vergehn hatte — und sie besaß auch einen Kreuzer sich anderes zu kaufen! Arinrrrh jft erträglich, ein gottvertraucndes, gläubiges Geumn, vermag ihren harten Truck zu vennindern — aber bittere Nnth, der Mangel an dem Unentbehrlichsten ist entsetzlich! ES war todtcustille aus der Strafe, cs schien als wenn die fremden Soldaten schon abgezogen wären. Sara wagte es trotzdem nicht an das Fenster zu treten, sie schlich langsam im Haussiuc hinaus und spähte durch daS Schlüsselloch des Thores — Alles war öde, menschenleer. — Sic mußte doch den Versuch wagen, ans demHause zu gehen, sie innßtc sich denn doch Mehreres verschaffen, Brod, oder sonst etwas Genießbares, und was ihr noch nothweudigcr und wichtiger erschien, Tel. — Morgen war, nach jüdischer Zeitrechnung der Jahrestag der furchtbarsten Ereignisse, die sie betroffen, an dem Tage war vor sieben Jahren ihr Vater ihr durch plötzlichen Tod entrissen worden, wenige Stunden darauf, in der grauenvollen Nacht, die diesem entsetzlichen Tage folgte, war ihr Pflcgebrudcr, ihr unvergeßlicher Verlobter, bei seinem Fluchtversuche ans dem Kerker in brechendem Eise eingesunken und ertrunken. Bei den Juden wird der Vorabend zu dem nachfolgenden Tage gerechnet; und cs ist ein alter, religiöser Gebrauch, daß an dem Sterbetodesiage eines Verwandten oder eines thcuren Freundes ein Jahrzcits-Licht oder Lämpchen angcznndct wird. Die piätctvolle Sara hatte schon seit fünf Jahren an diesem Tage das Lämpchen angczündet und zweimalvicnmdzwanzig Stunden um Vater und Verlobten brennen lassen. Sie besaß kein Geld. Sic hatte bisher nie den kleinsten Eredit in Anspruch genommen, es fiel ihr schwer, ihn das erstemal in so harten Zeiten in Anspruch zu nehmen. Der Unglückliche wird furchtsam, pessimistisch; sie fürchtete in ihrer grenzenlosen Aufregung, man würde ihr nichts borgen, sie würde hungern, verhungern, oder, war ihr nicht weniger hart gewesen, ein Stückchen Brod erbetteln müssen, und doch erschien selbst das, dem ticfbekümmerten Mädchen weit weniger furchtbar, als — wenn sie heute Abend für ihre Lieben keine Jahrzeitslämpchen anzündcn konnte! Zu ihrer Beruhigung fiel es ihr ein, daß sic noch einen Werthgegenstand, von dem sie sich bisher auch in der größten Roth nicht trennen mochte, den Trauring ihrer Mutter im Haufe habe, den sie als Unterpfand geben könne. Sic steckte ihn zu sich, schlug ein großes, altes, defektes Wolltuch, dar ihr Gesicht halb verdeckte um den Kops, entriegelte das Haustbor, schlüpfte ans denrselben, verschloß cs und steckte den Hausschlüssel in die Tasche. Sara lenkte zunächst ihre Schritte nach dem Stadtring, wo der Bäcker sein Haus und seinen Verkaufs!adcn hatte. Ter sonst schon am frühen Morgen belebte Marktplatz war öde. Sie traf nur zwei Menschen, einen Mann mit einem Päckchen unter dem Arme, und die in der Indenstadt allgcrncin bekannte Frau Babi, welche an den Wimcrsabbatcn in der Judcni'tadt das Einheizen besorgte. „Wenn Sie Jungfer Sara, zum Bäcker gehen wollen, will ich Ihnen den Weg ersparen," ries sic I dieser entgegen. „Er hat heute nichts backen können, i die Russen haben gestern alles Mehl, das sie bei! ihni gefunden, requirier. Er hat nicht ein Stäuberl, I daß sich eine Fliege daran sau eilen könnte. Er! bat seinen Altgesellen eben aus die umliegenden! Dörfer hinausgeschickt, ob er irgendwo bei den I Dauern auf der Handmühle gemahlenes Mehl d'er-! wischen wird. Kriegt er etwas, so will cr's gleich - verbacken: — aber ich Zweifel, daß er etwa« aufj treiben wird . . . ." (Fortsetzung folgt.) .Ter Israel«' rrichrinr vöckr,ttlich zweimal, Montags und Donnerstags» jedesmal in mindesrcnS 2 Bogen. P»ir de» Jahrgangs für Truli'chland und Ctiicmidj 12 Reichs Mart, für'S ÄULlarid 16 Reichs-Mark. Man adonnin ganrjährig, halbjährig oder vierreljädrig. Alle Buchhandlungen und Poüämrer nehmen Bcüellungrn an. — Durch firn Duchhaadel ja begehen bei k. <?. Steinadler. Leimig. Ksßplatz 18. — Inierarc 2'» Pfennige dir dreigrjvallrne Perittrrle oder deren Raum. — Tei'rerreichischr Banknoten laut (kourS. — Direcie Aranco;usend,ing unrer Erreichend sn» Jahrgang iür TrudchlanS und LeNerrrich 14 Reichs-Mark oder * fl. öüerr., für'S Än-land 16 Reichs-Mark an die ^rpedilian franco «in;ufrnden. Inhalt (Haopldlalt): eeirende ÄNikel: Hagadah fchrl tzrxach. — Die Milirärpsiicht der indischen ReligionSlebrcr. — LeilungSnachrichren und iforrefpondenzen: Teurschland: Berlin. — Lest.-Nngar. Monarchie: Lmal Dien. UngvLe. — Egspirrr: Alexandrien. — Feuilleron: Michael. — Inhalt der Beilage: t'rirender Lttikrl: Siicrarischer Berichr. — Zeirungsrrachrichren und Correspondenzr«: Teurschland: Lchwadach. Berlin.— Lchsei;: Lmal Zürich. — Tes«.-Ungar. Monarchie: Bisrrix. — Italien: Mailand. — Lpanrea: Madrid Beranlwonliche Redacnon: vr. Lehmann in Main^ — Exvedirioa große Bleiche Sr. 4L. Truck und Bcrlag von OScar Lehmann in Main;. (Hierzu eine Beilage.)

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