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Der Israelit · 1887-03-14 · Heft 21 (14.3.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 21 (14.3.1887)
Date
1887-03-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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377 brüte eine ziemlich große, die fortwährend neuen Zuzug aus Deutschland, Lesterreich-Ungarn, Rußland u. s. w. erhält. — Ter Vorschlag einiger Mitglieder unserer Gemeinde, den Unterricht in der nüljcnischen. Sprache ia unseren zwei Gcmcindcschulin wieder äbzuschaffen und ihn durch den spanioli'chcn zu ersetzen, wurde mitEntschicbcnhcit abgclcl-«!. Die genannten Gemeindcmirglicdcr stammen.. nämlich aus Ltorsu und wolltet! sie ihre Muttersprache, das Spaniolische, auch zur Uulerrichtssprache L-icr erheben. Mau machte sie jedoch darauf ausmerksam, daß das Lpauiolische heute nur noch ein Tialcct ist. Michael. Erzählung von L. Kohn, Lerfasser von Eedriet. (Fortsetzung.) Trotzdem Lara außerordentlich abgeschieden lebte, mit Niemandem vcrkchrlc, harte ihre Abgeschicdcuheil ihr., doch nicht jene Bitternisse erspart, welche ein junges, reines, alleinstehendes, schutzloses Mädchen am schmerzlichsten dcmüthigcn. All das ^.'rid. das Lara erfahren, nicht die Lebe und Freudeloiigkcil ihres Daseins, nicht die quälenden geuiciucu sorge» des Alltagsleben, hauen den Liebreiz ihrer äußern Erscheinung zu vermindcro vermocht, die wunderbar reizende Knospe war zu einer Blume mi unvergleich!ickcr Lchönhcit anfgeblühr, und ihr stilles, bescheidenes Wesen, ihre Schutzlosigkeit, die jcdcn rühren hätte sollen, haue doch manchen Wüstling nicht abgcschrcckt, sich ihr in frecher, unverschämter An zu nähern, und waren ihr auch in dieser Weise viele schmerzliche Momente bereitet worden. Tie nnn schon sieben Jahre lang währende traurige Lage des Mädchens hatte sich in der letzten Zeit noch verschlimmert. Wie wir schon erwähnt, hatten sich die allgemeincn Verhältnisse in Folge der .Kriegsereignisse m furchtbarster Weise verschlechtert. Tie Erwerbsquellen versiegten, die Preise der Lebensmittel, des Brennmaterials und anderer zum Leben uncntbcdrbchcr Bedürfnisse erreichten eine unerschwingliche Hohe. Von allen diesen Kalamitäten war der jüdische Theil der Bevölkerung am härtesten getroffea worden. Von dem Beamten-, dem Lehr- und Handwerkerstande, thcilS durch das Gesetz, thcilS durch Willkür ausgeschlossen, waren die Jude» lcbkglich auf den Handelsbetrieb angewic/-«. Dieser aber war vollständig vernichtet. Tie Ausstände der Kauf- und Handelsleute waren uneinbringlich, und daher Vorkommen, die Waarcn, well vorläufig unverkäuflich nahezu wcrrhlos geworden, und die silbische Bevölkerung in Mähren verarmte mtt furchtbarer Raschheit. Sara war mit ihrem Erwerbe zumeist denn doch auf die Erzeugung von Luxusgegenständcn angewiesen. Aber in so erschrecklich harter Zeit fiel es wohl Niemandem ein, ein Lynagogenparamcnt zu widmen, sich kostbare Lrickcrcicn anscrligcn zu lassen und scll den letzten Wochen, wo W. abwechselnd von Russen, Lesterreichern und Franzosen besetzt gewesen, war das Llädtchen vou der ganze» andern Welt abgeschlossen. Am zweiten Teccmbcr 1805, der auf einen Montag fiel, hatte sich Lara's Zustand bis zu voller Uncrtragbarkcil verschlimmert. Tags zuvor waren wieder die Russen, dem Feind entgegen, dnrchmarschirt. In der festen Uebcrzeugung die Franzosen, deren Zahl sie unterschätzten, und deren meisterhaft angelegten Plan sie verkannten, zu besiegen und zu vernichten, waren sie von einem schrankenlosen Ucbermulhc und von grenzenloser Ausgelanenhcit, und kein jüngeres weibliches Wesen konnte sich ungefährdet auf der Ltraße blicken lassen. Lara hatte die Fenster ihres Häuschen derhängt, die Hausthür verschlossen, um demselben das Aussehen dcS Unbewohntseins zu verleihen. Sie hatte cs nicht gewagt, ihr Kämmerchen zu verlassen und hatte so den ganzen Tag in vollster Einsamlcit und totalster Umhätigkcit (was hätte sie auch thun sollen?) in fortwährendem Schrecken lvorübergchende Soldaten, hatten aus Muthwillen an Fenster und Thür geklopft) und im finstersten Hinbrüten verlebt. Als die Nacht anbrach, wagte sie nicht, Licht zu machen, ein Schimmer der hinausdrang, konnte die Anwesenheit eines menschlichen Wesens verrarhen. Als die Thurmuhr acht schlug, war cS Sara im Dunkeln doch gar zu bang und unheimlich geworden, sie verrichtete ihr Nachtgebet und warf sich angckleidet auf ihr Lager, aber der Schlaf floh ihre Lider. Als sie sich am Morgen, nach einer sorgenschwer und kummervoll verbrachten Nacht von ihrem Lager erhob, bemerkte sie zu ihrem Schrecken, was ihr gestern in der Aufregung entgangen war,

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