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Der Israelit · 1887-03-14 · Heft 21 (14.3.1887) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 21 (14.3.1887)
Date
1887-03-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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375 Zcitangsvachrichte« mtb Correspoudcuzcn. Deutschland. Berlin, 10. März. Tie deutschen Thierschuvvcreine haben ihre Petition gegen die Tdierqnälcreien beim Schlachten dem neuen Reichstage bereits wieder zu gehen lassen. Wie uns von einer ärztlichen, jenen Kreisen nahestehenden Seite milgerhesst wird, haben die Thierschüvler diesmal kluger Weise darauf verzichtet, gegen das Schächten irgend einen Einwurf zu erheben, wenigstens versicherte der Vorsitzende des Berliner Thierfchutzvercins, Dr. Murten, in der letzten Generalversammlung, daß der Berliner Zwcigvcrcin gegen das rituelle Schlachten der Juden nichts einzuwcndcn habe, und die Bittschrift nur das grausame Tödien der Thicre auf dem Lande, das Stechen der Schweine u. s. w. beseitigen wolle. Sobald nn» die Petition vorlicgt, werden wir ja die Modisication des neuen Entwurfes kennen lernen und danach die zur Abwehr irorhwrndigcn Schritte crmcncn: auf jeden Fall werde» die jüdischen Gemeinden gut daran thun, nach wie vor unermüdct auf der Warte zu sichen. Lesierr.-Ungar. Monarchie. Wien, 10. März. Am 8. d. M. wurde der Schriftsteller Michael Louis R od k i ns so hn, recte i'vrmi kin. auf Requisition des hiesigen Landgerichts wegen Verbrechens des Betruges verhaftet. Tcrselbc n: russicher Unterthan und rcdiginc früher in Königsberg in Pr. die hebräische Zeitschrift „.vuifol". Bor Jahren soll er in Deutschland im Ticnne der Ai'nons-GcscUschasl eine hebräische Z.ilscknift bcrausgcgcbcn haben. Aus Zlußland ist er flüchtig geworden, um sich dem Vollzüge einer Strafe wegen Wechsclsälschung zu entziehen: seither sühne er die Aamen »M. L. Frunkin, Alter Frnnkln, M. L. Rodkinssohn, Alter Rodkinssohn, M. L. Alrer". In kleinen nrssischcn Städten und Lnschaftcn war er gegen Mine der Sicbzigcr-Jahrc als Wunder-Rabbi umhergereisi. Seine Abunheilung erfolgte im September 1875 beim SÄwurgc- Nchre zu Petersburg zu einer einjährigen Znchthaus- -nafc, zu dreijährigem Ehrverlüste und zum Schadcnmax von 1800 Rubeln. Frnnlin soll mir Proscsior -.lohling in Eorrcspondenz gestanden und auch der Benaper von Schmähschriften gegen das Judcmhum 'cm. rrgtzdem er zur kritischen Zeit Unterstützungen rou der Wiener israelitischen Eulmsgcmeiude und gleichzeitig von' der englischen Missions-Gesellschaft erhalten hat. Im verflossenen Monate erschien ge. gen Frunkiu in einer hiesigen Wochenschrift rin Aufsatz mit heftigen Angriffen, welcher auch Enthüllungen über das Vorleben des Literaten brachte und sein ganzes Treiben beleuchtete. A!S Entgegnung hieraus erschien in dm letzten Tagen eine von dcnl genannten Literaten unter dem Titel »Wahrheit und Lüge" verfaßte Flugschrift, m welcher er die Angriffe zu widerlegen suchte uud insbesondere die Behauptung aussicllre. daß er in Petersburg wohl verhaftet, aber wieder in Freiheit gesetzt worden sei. Wie«. Dem Jahresbericht der Wiener öffentlichen israelitischen Vereins-Volksschule »Talmud- Thora" (erüe isr. Armcnschulc) für da§ Schuljahr 1886 entnehmen wir: Trotz der Ungunst der Zeitverhältnisse und der verringerten Anzahl der Mitglieder, deren Ausscheiden aus dem Vereine wir gleichzeitig mit deren Ableben zu beklagen haben, sind wir dennoch in der Lage, ohne Testest, ja sogar mit cinem kleinen Ueberschuffc den GcbahrungsauswciS abzuschließen. Diesen günstigen Stand der ökonomischen Verhältnisse unseres Vereines haben wir beinahe ausschließlich der großherzigen Munifizenz der Herren Brüder Wilhelm Ritter von Gut mann und David Ritter von Gutmann in Wien zu danken, welche in Würdigung der Ziele und Bestrebungen unserer Vercinsvolksschnle aus Anlaß der Vermählung ihrer Töchter die namhaften Beträge von 500 fl. und 235 fl. gewidmet haben. Wir sagen diesen edclmüthigen Fördcrcm der Humanitären Interessen unseres Lereincs im Namen der armen, der Schulbildung so sehr bedürftigen Binder unscreL-unterstützungsbedürftigen Glaubensgenossen besten und innigsten Tank. Es ist gewiß bedauerlich, daß eine Zcilströmung, welche jcdcu treuen Anhänger des jüdischen Glaubens zwingend anweisi, mit doppelter Kraft zur Erhaltung und Festigung unserer heiligen Religion mirznwirkcn, so wenig Vcrstäudniß und Würdigung bei unseren Glaubensgenossen findet. Bekanntlich sind cS vor Allem die Kinder, in deren empfängliche Herzen die Saat wahrer Gottesfurcht im Sinne unserer Religion gepflanzt werden muß, um sie im Glauben erstarken zu machen. Von größter Dichtigkeit ist demnach die Schule, in welcher die Kinder den ersten Unterricht erhalten. Unsere VercinS-Lolksschule ist berufen, diesem Zwecke zu dienen. Wir waren von jeher bestrebt, unsere Schule den modernen Anforderungen der Pädagogik und des Unterrichtes entsprechend zu führen.

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