Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 21 (14.3.1887)
- Date
- 1887-03-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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372 Freiheit gelangt waren. Nach ihnen gehorcht Alle-?, und auch der Mensch , lediglich den Gesetzen der Nothwcndigkcit: nicht and eigenem freien Antriebe wird der edle Mensch gut und der Lasterhafte schlecht, sondern weil sie so haben werden muffen. Nach dieser Anschauung wäre kein Mensch für seine Thaten verantwortlich; die Begriffe von Tugend und Laster, von Recht und Unrecht, würden anfhörcn;xü criniren. Diese traurige Weltanschauung ist irr der Form de? sogenannten Pessimismus in unserer Zeit leider die vorherrschende. Sic rührt daher, daß die Anhänger derselben nicht an den persönlichen fiJoti glauben. Ter persönliche, außcrweltliche Gott ist der Ausfluß aller sittlichen Freiheit. Er har au? freiem Antriebe die Welt erschaffen, deren vorzüglichstes Wesen der mit Geist und Willen begabte Mensch ist. Nur der Gott, der selber frei, für den keine zwingende Nothwcndigkcit vorhanden, konnte seinem Geschöpfe, dem Menschen, die Freiheit de» Willens gewahren. Und daher fügt die Hagadah hinzu: nt? „Gepriesen sei E r." Wir dürfen uns den Allumfaffcndcn, den Allgegenwärtigen, in dcffen Unendlichkeit das Weltall seine Stätte har, nur als einen persönlichen Gort denken, nicht etwa als eine Gottheit, die mit der Welt, mit der Natur identisch wäre, eine Gottheit, ohne Wille und Vorstellung, die ebenso wie die gesammtc Natur den Gesetzen der Rorhwcndigkcil unterworfen wäre. <>5ott ist nicht mir in der ganzen Welt, die ganze Welt ist in Ihm. Er har sie nach seinem freien Willen n::d Ermessen erschaffen und ohne zwingende Nothwcndigkcit so erschaffen, wie sie au* scim-ri Schöpferhändcn hcrvorgegangen ist. Er hat die Naturgesetze eingesetzt und kann sie zu allen Zeilen nach Seinem heiligen Willen und Seinem weisen Ermessen auihcbe:: oder verändern. Er ist nicht nur der Schöpfer, sondern auch der Lenker des Weltalls. Er ha: die Naturgesetze verändert. da Er Sein Volk aus Egypten befreite. Er Kat die Eousistcnz des Wassers für eine Zeitlang aufgehoben. dann': Sein Volk trocknen Fußes das Meer durchschreite und bar die Flnthen wieder zmammcnströmen lassen, um die Acgnprcr darin zu begraben. Er har die Israeliten durch wüstes, unbewohntes und unbebauter' Land geführt 40 Jahre lang, hat ihnen Waffcr ans dem Fetten strönren und Brod vom Himmel regnen lasten. Er hat sich in Seiner Herrlichkeit und'Majestät dem gefammreu Volke offer:barl und hat ihm die Grundlagen aller geistigen und sittlicher: Freiheit vettimbci rr\-i rmr r*rr' *r;*? „Gepriesen fer, der die Thora gegeben Seinem Volke Israel!" Durch die Thora haben wir den festen Grund, die fefte Unterlage jedweder Forschung erhalten. Sie lehrt uns das Wesen der Dinge und ihren Ursprung erkennen, durch sie steigen unsere Gedanken zn Gott empor, durch sic erlangen wir die Kcnntmß von unsrem eignen Wesen, von dem Zwecke unseres Daseins, von dem Ziele unseres Strebcns. Unsere Weisen belehren uns an dem Schluffe des Traktats Ehulin, daß selbst die Erfüllung der Gebote der Thora nur dann ihrer eigentlichen Vcdcutung entspricht, wenn dieser Ausführung der Glaube an den einzigen persönlichen Gott zu Grunde liegt. Es kömmt ja manchmal vor, daß Jemand gewohnheitsmäßig oder ans andern Gründen die Gebote der Thora übt, während er in seinem Herzen nicht glaubt an den einzigen persönlichen Gott, den Schöpfer und Lenker des Weltalls; deßhalb fügt die Hagadah noch einmal hinzu nv*. jrz „Gepriesen sei Er!- Der Glaube an den einzigen, persönlichen Got: muß die Grundlage bilden unseres Seins, unseres Denkens, unseres Forschens: denn, wo diese Grundlage fehlt, har selbst das Erlernen der Thora und die Erfüllung ihrer Gebote nicht den vollen Werth. Nur durch diese Erkenmniß, nur durch den Glauben an den einzigen, persönlichen Gott, sind mir Menschen, sind wir Juden. (Fortsetzung folgt.) Iie Militärpflicht der jüdischen Keligionsteörer. Frankfurt a. M., 9. März. Der Vorstand der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Indenrhnms hat sich unterm 2. Dezcrrrb. v. I. mir einer Vorstellung an den Unten rchrsnünister gewandt und gebeten, den jüdischen Lehrern, welche das vorschriftsmäßige Volksschnllehrer-Examen bestanden, die früher genossene Vergünstigung einer nur scch?- wöchcmlichcn Militärdicnstzcit wieder zu bcwllligen, selbst wenn dieselben au einer jüdischen Rcligionsschnle als Lehrer wirken. Hieraus ist dem Vorstände unterm 15. Februar d. I die Erwiderung geworden, daß zu einer allgemeinen Bewilligung keine ausreichcnde Veranlapung vorliege, es vielmehr für jeden einzelnen Fall Vorbehalten bleiben mufft.;n vrrrstrr und darüber zu befinden, ob besondere Umstände obwalrcn, welche eine Ermäßigung der Milirärzcir des betreffenden Lehrers rechtfertigen lassen. Eine Veröffentlichung dieser beiden Schriftstücke