Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 21 (14.3.1887)
- Date
- 1887-03-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXV'IU. Jahrgang. JI5 2L Der Israelit. Ei» Kenlrak - Hrgan für das ortkodore IudentHum. Heraiiögcgcben von »17. Lehman» in Mainz. Montag, den 14. März 5647 (1887). Leitende Artikel. Kagaday fd)e£ ^eßad). Zweite Serie. II. Mainz, 10. März. Es ist das Fest der Befreiung, das wir feiern, das ^rir der Befreiung aus dem Joche der Sklaverei. Als freie Männer verlieben unsre Vorfahren das ^.'üud der Knechtschaft. Tie Freiheit ist des McniLcn werlbvollstes (8m, durch die er erst zum uirklichcn Menschen wird. Ter leibeigene Sclave -.cöörr znm Hausinventar seines Gebieters wie Ochs und Esel, wie Pferd und Hund. Ter Herr kann 'einen leibeigenen verkaufen, verschenken, mißhandln, tödrcn. Wenn er Terartiges thnt. fo ist er nur in feinem Rechte, und Niemand kann ihn darüder zur Rechenschaft ziehen. Ter Sclave ist kaum rrrhr als eine Waare. Rur der Freie ist ein wahrhafter Mensch. Auster dieser „körperlichen" Freiheit gibt cs aber noch andere Arten von Freiheiten, deren Erlangung zum wahrhaften Äcnschcnthum nothwendig ist: die geistige und die sittliche Freiheit. 26er in den Banden der Unwissenheit schmachtet, ssr nicht frei, und sästc er aus dem höchsten Hcrr- 'Lrnhrone: wer seine Leidenschaften nicht zu beherrschen vermag, ist unfrei, und wäre er der Gcdietcr über Länder und Völker. Tie geistige Freiheit besteht jedoch nicht in großer Gelehrsamkeit, in der Anhäufung reicher ^'inensschäke; cs hat vielmehr große Gelehrten gegeben, die geistig unftci waren. Tic geistige Freiheit besteht in dem rechten Wissen von dem, r'ai dem Menschen zu wipen durchaus nothwcndig i't. Was sind wir, wozu sind wir auf Erden, was brdlmcr unser Leben und Thun, wonach sollen wir ltrcdcn, was ist der Endzweck unsre» Leins? Seitdem cs Menschen gibt, haben sich die grasten Denker aller Rationen mit der Beantwortung dieser Fragen beschäftigt, und unzählige philosophische Systeme haben sich um diese Forschung bemüht. Um eine Antwort auf diese Fragen zu geben, nrnst man das Wesen der Tinge erkennen und ftagcn, woher sie entstamme»; wir sagen, das Wesen der Tinge, denn die ünsterc Erscheinung dersciben trügt sehr oft. ES gibt Tinge, die uns als ewig feststehend und unvergänglich erscheinen, während sie in der Thal beweglich und vergänglich sind. Seit Jahrtausenden haben die Philosophen das Wesen der Tinge und ihren Ursprung erforscht und eine befriedigende Aulwort nicht gesunden. Jede», neue System trat iu -einen Gegensatz zu dem ihm vorangegaugencn und wies denen angebliche Grundwahrheileu als Hypothese nach, um später von demselben Loose durch die nachfolgenden betroffen zu werden. Un« ist die Wahrheit von dem Wesen der Dinge und ihrem Ursprünge offenbart worden. Ter einzige allmächtige Gott ist' der Schöpfer des Weltalls, das Er zu feiner Verherrlich urig erschaffen hat. und des Menschen Aufgabe auf Erden ist. dem Willen des Allhciligca uachzulcbcn. Gott ist der Allnmsasscude, und desthald heißt Er Makom.?r *cpa ntiw \eo, weil die ganze Welt in Ihm ist. Tcsthald heißt cs hier: 7*0, „gepriesen sei Der Allumfassende," durch denen Wesen wir Aufschluß erhalten über da» Dasein und die Entstehung des Weltalls. Wenn wir diesen Begriff erst ersaßt haben, so sind wir im Besitze der geistigen Freiheit. Tie körperliche sowohl wie die geistige Freiheit erhalten erst ihren wahren Werth durch die sittliche Freiheit, die Freiheit, das Gute zu thun und das Böse zu unterlassen. Große Denker aller Zeiten hatten die sittliche Freiheit geleugnet, well sie nicht in den Besitz der wahrhaften, geistigen