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Der Israelit · 1887-03-10 · Heft 20 (10.3.1887) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 20 (10.3.1887)
Date
1887-03-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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356 Bekleidung überwiesenen -17 Knaben, neuerdings, und zwar auf 516 erhöht; im verflossenen Jahre wurden 235 ausgenommen, 116 freigesprochen, so daß wir am Schlüsse des Jahres einen Stand von 608 Zöglingen gegen 58! Ende 1855 verzeichnen. Tie Zahl der aus Ungarn flammenden Zöglinge hat sich trotz des im Borjahre gefaßten Beschlusses, ungarische Knaben von der Aufnahme auszuschließcn, und an den in Budapest bestehenden Verein zu weisen, nur um ein Geringes, d. i. von 195 auf 182 vermindert, weil der Erfolg dieser Maßregel erst nach dem Freiwerden der im Stande bcfiudlichcn aus Ungarn flammenden Vereinszöglinge, mithin erst nach drei bis vier Jahren fühlbar sein kann. Tic Einnahmen betrugen 14009 fl. Pefth. Tie Gcneralvcrsa m m l n n g dcö WohUhätigkeitsverciuS „Eoncordia" fand unter Borsiy des Biccpräfldcntcn Herrn D. H. Spitzer statt, welcher in.der Erössnungsanwroche dem jüngst verstorbenen Diccpräfcs Tr. Armin Reich einen warmen Nachruf widmend, dessen hohen Verdienste um den Verein, sowie denen allgemeine aufopscrungsvollc humanitäre Wirksamkeit in ergreifenden Worten würdigte. Trr mit lebhaftem Beifall aufgcuommenen Rede folgte die Verlesung des Jahresberichtes, welchem wir folgende Taten entnehmen. An Stelle eines ausgetretenenVereinsarztes wurden 2 andere gewählt, so daß der Verein bei einer Anzahl von 530 Mitgliedern -1 Vercinsärztc zählt. Vercinsärztlich behandelt wurden 1991 Kranke. Gestorben ssnd 8 ordentl. Mitglieder und 7 grauen. Verausgabt wurden an Arzneien fl. 1793.56, Krankcngcbnhrcn fl. 579. Ablcbcgcl'ührcn fl. 2700, anßerordrml. Unterstützungen fl. 317. 50kr. u. f.w. TaS VercinSvermögen beziffert sich mit fl. 30116 74 kr. Tie Spenden betrugen fl. 053. Zn Ehren des Andenkens des Tr. Armin Reich wurden nichrfachc Verfügungen getroffen, hierunter ein dem» nächst abzuhaltcndc Traucrfcicr und die Errichtung einer Stiftung, zu welcher bisher 1500 fl. Beiträge gewidmet wurden, und ist die weitere Sammlung noch im Zuge. Fcnilleto«. Die Lonverlilin. Friedrich Rott. (Fortsetzung.) Es war in den NachmittagSstundcn, alS sie daS Ziel ihrer Reife, ihre Vaterstadt erreichten. Roch bevor der Eifenbahnzug vollständig hielt, hatte Gabriele, die am Fenster lehnte, ihren Bruder erkannt. „Alex ist da!* rief sie „Mama, Alex ist da!" und winkle dem auf dem Perron Harrenden freudig zu. Auch Frau von Lilienfeld trat zum Fenster, während Marina das Handgepäck zufammenraffre. Der Zug hielt, Alexander eilte zu dem Waggon, in dcni er die Seinen bereits erkannt haue nnd ließ die Thnre des Eoupees öffnen. „Herzlich willkommen, liebe Mama, und Ihr Kleinen!" er zog Frau von Lilicnfcld's Hand an seine Lippen und umarmte -seine Schwestern. Auch Frau von Lilienfeld begrüßte ihren Sohn herzlich; dann nahm sie seinen Arm und schritt ihrer Equipage zu, die Gouvernante folgte mit den .Kindern. „Josesine könnte mit in unseren Wagen," sagte Frau von Lilienfeld, „während Gabriele mit dem Fräulein in einem Fiaker fahren kann." Alexander hob sein jüngstes Schwesterchen in den Wagen nnd fetzte cs neben die Mutter, dann befahl er dem Tiencr, der auf die Effekten der Angckommcnen wartete, einen Fiaker zu besorgen und setzte sich selbst seiner Schwester gegenüber. „Prächtig seht Ihr Alle aus," sagte er, während der Wagen ihrer Wohnung zurollte, „der Aufenthalt an der See scheint Euch sehr wohl gethan zu haben." Frau von Lilienfeld bestätigte seine Vcrmuthung. „So schön war eS noch niemals," fiel Jofcfine ein, „aber das kommt auch, weil unser Fräulein bei uns war." „ES ist wahr," bemerkte Frau von Lilienfeld, „an dem neuen Fräulein baden wir eine wirkliche Aquissrion gemacht, die Kinder haben keine Bücher mirgchabt, aber ich bin überzeugt, sie haben in dm zwei Monaten ohne Bücher mehr gelernt als bei dem vorigen Fräulein in einem halben Jahr mit Büchern. Tic wirft staunen, wie sie beide so perfect französisch sprechen und Gabriele auch so ziemlich englisch." „Es freut mich, daß Tu zufrieden bist." cntgegneie Alerandcr, „ich hätte cS kaum geglaubt, sie sicht noch sehr jung ans." „Freilich ist sie jung," stimmte Frau von Lilienfeld bei, „nnd wunderbar schön. Ich sage Tir, sie hat Aussehen erregt. Ich habe cs unzählige Mal beobachtet, wenn sie mit den Kindern ausgegangcn ist, wie die Leute stehen geblieben sind, um ihr nachzuschaucn. Aber sie ist so bescheiden: ich glaube nicht, daß sie eine Ahnung davon Hot, daß alle die Blicke ihr gegolten haben."

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