Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 20 (10.3.1887)
- Date
- 1887-03-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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354 verdeutscht der Göttinger Professor für semitische Sprachen also: „Verfettet ist mein Herz, so daß ich nicht betend gehe. Hoch ist Sündigen und Trculos-scin wie ein fliegender Vogel, Schwerer als Sand von Meeren, und cs dehnt sich aus. So daß sich erstreckt der Hochmmb seiner Widersetzlichkeit dis zum Monde." Natürlich muß es lauten: „In thöricht ist mein Heiz, um in Tcmutb zu wandeln. Vielmehr sündigt und frevelt cs hoch, wie der Vogel flicgl, Schwerer und ausgcbrcirercr, als am Meere der Sand ist. Hebt seine frevle Widersetzlichkeit, so lange cs unter dem Monde wandelt." Von den zahlreichen Beispielen, die Kaufmann ansührt und näher erörtert, nur noch ein Pröbchen: .rrr^ rrrn rrnr „Um die über dem Nichts schwebende Erde hoch zu halten" (dient der Negcn) vcrballhornisirt Lagarde in: „Tränkung zur Hochzichung, die über dem Nichts aufgehängte Erde." Aus dem bekannten Namen der Erde rrrr- Grundveste hat L. „Tränkung" gcschasscn! Was würde man, so fragt »aufmann, von einem Philologen sagen, der in einem nculateinischcn Tichtcr etwa Kartoffel für Tröstungen und Misscrhatcn für Acpfel ausgäbc! So entstellt absichtslos, d. h. aus Unwissenheit Lagarde die von den größten jüdischen Dichtern — „verübten Kucivgeiänge". Und diesem Manne, dem aus den Altären so vieler Wissenschaften Weihrauch gestreut wird. lüftete nach dem Lorbeer ans den bleichen Schläfen cincS Verstorbenen, schreibt der Vers., der trotz seines niederschmetternden Vcwcismatcrials nicht einen Augenblick die, wie uns bedünkcn will, schon zu große Ehrerbietung vor dem Gelehrten Lagarde außer Acht läßt, ein schlechtes Argument für den „geradezu widerlichen Hochmmh der Juden." Niemand würde von Herrn V. Verständniß spälbcbränchen Lprachguts fordern, doch Herr L. provocirr diese Forderung, wenn er schreibt: „mit dem Nkackzor von Avignon. Rom, Romania, mit dem „Machzor Vitrq" weiß von allen Nichljuden höchstens ich etwas anzurangen, der ich seit IS44 mich mit diesen Studien beschäftigte." Ja, so kann man mir dem Vers. ausrufcn, cs ist ein trauriges Loos, in Verachtung und llnmuth gegen seinen geistigen Brorgeber seine Tage hinbringcn zn müssen. Nur mit Mitleid kann mau das Bild sich vorncllcn. wie „Prometheus Lagarde „an den Felsen der jüdischen Literatur' geschmiedet „ist. während der Geier des Judenhasses ihm die „Leber zerhackt!" Herr Professor Kaufmann schließt seine glänzende Apologie der gebeugten Wahrheit mit folgenden dithyrambisch schwungvollen und wahrhaft herz, erhebenden Worten: „Ich weiß, daß die Fehler, die ich aufgcdeckr habe, den Verächter der jüdischen Poesie nicht kleiner und mid) nicht größer machen, daß Viele cs für klüger und bcaucnker gehalten hätten, zu schweigen und Anklage und Verdammung geduckt über sich ergeben zu lassen, ich aber meine, der wäre ein Elender und ein Freund seines Volkes, der den: Ankläger, wo so schreiende Gegenbeweise vorlicgcn. nicht znrnfe: Tu magst groß sein und ruhmwürdig auf hundert Gebieten, aus diesem Einen fehl: Dil Unheil und Stimme, Du hast selber wider dich gezeugt und Deine Bcfngniß öpcntlich Dir adgcsprochcn. hier überhaupt mitzurcdcn. Wohl werde ich S. 15'.» unter die ärgsten Judenfeinde geworfen, allein ein Jeder liebt Israel auf feine Weise; Herr Pros, de Lagarde wie er cs versteht, und ich, so wie i ch cs verstehe. Um Zions willen schweige ich nickt. Es soll Niemand sagen dürfen, es fei von einem fprnchbefugten Kenner bewiesen worden, die mittelalterliche sunagogalc Poesie sei „Unratd" und. wer ihn bewundert, „verdiene keinen Platz m Deutschland." Tausende und abertausende Stücke bar diese Poesie aufzuzcigcn, darunter Perlen vom hellsten Scheine, die neben die Kleinodien aller Literaturen gereiht werden können, die lobte Sprache Zions ist darin ausgclcbt unter den Schmerzen ihrer Kinder, Innigkeit und Wohllaut, Süßigkeit und Inbrnntz bezaubern darin den Kenner, wo au« so viel Arnmlh so viel Rcichthnm, aus so viel Jamnnr so viel Schönheit erblüht ist. und das gerade sollte uns trennen und „jedem Deutschen antipatdisch" machen und „für alle Zeiten fremd" dünken lauen! Nein und tausendmal Nein! Das ist kein Urlbcil aus dem Geiste der Nation heraus, die einen Herder, einen Göthe und Rückcrt geboren hak. dic wie Leuchttbürmc ragen,' aus denen das Licht der Weltliteratur leuchtet. Das Volk, das mehr neck als den Flamen des Volks der Denker den des Volks der Ucbersctzer verdient, hat viel zu viel von der hohen Geisteskraft der Aneignung und Nachcmvnndung selbst des Fremdesten als daß gerade dasjenige, ihm undurchdringlich und abstoßend erscheinen könnte, was menschlichem Fühlen so nahe und verwandt ist! So waren die Deutschen, an die Zun; im Eingänge zu seiner Literaturgeschichte der svria-