Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-03-07 · Heft 19 (7.3.1887) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 19 (7.3.1887)
Date
1887-03-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449717--26039-2515824
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

340;:rre. Tic ncstorianischcn Christen in Persien ncnncn noch beute da« Evangelium zuweilen auch: Petschigan (Botschast). Das Wort scheint daher auS dem Ehaldäischcn zu stammen. L-r-.7>. Tic Postcourrkcre. Bekanntlich besaßen die allen Perser schon eine Art geregelten Postvcrkchr. ras. „Präs" heißt im Altpcrsischcn der (Geldbetrag , ähnlich dem deutschen „Preis". Das lateinische juaetittm (Preis) ist mit dem altpcrsischcn „Präs" verwandt. trrnr. Bit heißt im Zcnd eine Nutbc, ein Stab. Taher wahrscheinlich '-'2'? die Hcrschcr- Nnlhe oder das Sceptcr, und ist es eine Znsanrnicnsctznng aus dem hebräischen “r (Fürst) und dem Zcndworte „Bit". p2r«^.--. Umhüllen, das (Besicht verdecken. Dieselbe Bedeutung hat auch das Wort ".zn (;zr, *^r. *;r.). In Mittelasien ist cs noch heute Lille. daß man den vom Gerichte zum Herker oder zu irr Tode vernrthtiltcn Verbrechern den .Stopf umhüllt, um so anzuzciqen, das; er nicht mehr würdig sei, das Sonnenlicht zu schauen. Dieser kriininalistischc Gebrauch herrscht auch in Rußland und wird dort jedem Tclianeutcn, der das Schaffol betritt, ein langer, grauer Sack über Hopf und ^eib geworfen, der ihn so gänzlich verhüllt. ■pro. Ein Ehrcnmantel. Im Arabischen und Persischen heißt heule ein solcher Ehrenmantcl „Ehilaar". In Persien und Ehiua ist cs noch jetzt üblich, daß der ^andesfürst, wenn er irgend Jemand auszcichncn will, er ihm einen Ehrcnmanrel überreicht. z'rry. Im Zend heißt „arid" bereit sein, erwarten. Diesem ähnlich ist das lateinische: attitudo (Stellung. Erwartung). nrsiz oirVa “rr cn. Am persischen Hose ist cs noch heute Brauch, daß der Schah, wenn er eine seiner zahlreichen Sklavinnen (Sdaliskcn > zu seiner rechtmäßigen Gattin (Ehadineh) erheben will — die Moslims dürfen bekanntlich nur vier rechtmäßige Frauen haben — so setzt er ihr in Gegenwart seines Hofes und seiner Minister, und unter eigens dafür schon scstgesctztcn Ecremonien eine goldene Hronc auf's Haupt, nnr so auznzcigcn, daß ihre stindcr nun berechtigt sind, die Hronc zu tragen. m. Die Hürden, die Nachkommen der alten Chaldäer, ncnncn noch heule die einhöckerigen Harncclc „Rekusch". Darnach scheint das Wort c-2z-> zwcihöckcrische ftamcclc zu bezeichnen. c-rrms.-r. Ich habe schon im vorigen Jahre nachgewicscn, daß dieses Wort nur die hebräische Umschreibung d:S ZendworteS „Ludern* junges Füllen ist. ^ra. Dieser Name findet sich noch heute fleißig bei den Parsen (den Feueranbetern, den Nachkommen der alten Perser), und sprechen sie ihn „Martcki* aus. Zum Schluffe will ich noch bemerken, daß iu der Stadt Schuster, da sie ans der Stelle des alten Schuschan ftchcu soll, die Mcgilla selbstverständlich am Kt. und 14. Adar gelesen wird und wird Schnschan-Purim dort so gescicn, wie der wirkliche Purim. Heule leben in Schuster zwölf bis scchszchn jüdische Familien, und besitzen sic daselbst ein kleines Bethans und einen Ehacham. Schuster war vor dreihundert Jahren noch eine große, berühmte Gemeinde und besaß sie auch eine berühmte Icschibah, von der u. 21. auch --^2 prrv: :rr* r>- ZN27! 7-y-i-N pjrrnrrsn mehr als durch drei Tcccnuicn gelehrt und gewirkt harte. In den Schcidebricfen (zr::), die aus dieser Blülhczcit Schusters noch erhalten sind, heißt cs: pp» N“ru Hx n*=r-i trv-r-.r r.-frm irr? va r':~y '2 7y\ Betrachtet mau genau dicke Schreibweise von (T-nr). so wird man gleich aus den ersten Blick erkennen, daß das Wort eigentlich aus zwei Silben, „Schus" und „Dar" .zusammengesetzt ist, wovon die erstcre wahrscheinlich eine Abkürzung von „Schuschan ist, und die zweite wieder „Spuren" oder „Ucbcrreste" bedeutet. „Dar" bedeutet närnlich im Ehaldaischcn: Ucbcrreste, Ruinen, Spuren. Die jüdischen Hnaben in Schuster verfertigen sich noch zum Pnrirnfcste kleine, runde, dicke Figuren , die sie Hamans nennen, und die sie dann ans einem kleinen Galgen aufknüpfen. Tie Juden in Schuster betrachten cs auch als eine besondere Mizwah, in den zwei oder sogar drei Purimnächtcn bis nach Mitternacht zu trinken, indem sie behaupten, daß das Hauptwnndcr von Pnrim sich um Mitten nacht ereignet hatte, da Honig Ahasrerus sich in dieser Stunde die Geschichtsbücher vorlei'cn ließ und so auf Mordechai aufmerksam ward. Merkwürdig ist cs, daß die Juden Lchnstcr's nebst dem Persischen auch das Ehaldäische gclänsig sprechen, und versichern sie. daß auch die Juden in Schuschan, cbenw auch Mordechai und Esther unter sich nur Ehaldäisch gesprochen haben, welche Sprache sie aus Babnlonicn mir sich brachten. Tie jüdischen Hnabcn Schuster's lernen daher in der Schule die Megillah nebst ins Persische auch in's Ehaldäische übersetzen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.