Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 19 (7.3.1887)
- Date
- 1887-03-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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»Sncfclung von £. wohn. Lrrrsastrr von Fabrik!. (Fortsetzung.) Zweiunddreißigstes Kapitel. Man srand im Jahre 1805; Napoleon hatte Genua anneltin und Oesterreich dadurch gerechten <>>rnnd zürn Kriege gegeben. Seinem großen Fcldhcrnttalente kam auch die Uneinigkeit unrcr den deutschen Machten zu gute. Preußen haue sich neutral erklärt, Bauern, Württemberg und Baden hatten Allianzvcrirägc u:it Napoleon gcick,Ionen, ihm den Durchzug durch ihre ittubc gewährt, seine Armee durch Auriliars-EorpS verstärkt, und waren in dieser Weise schon im Borhinciu für den Frankenkaiscr die günstigsten Ebancen geschaffen worden. Nur Rußland trat als Alliirler an Oesterreich? Seite und zwei Eorp? marschirten — der raschen Beweglichkeit der Franzosen gegenüber. allerdings viel zu langsam — an? dein weiten Reiche, um an dem Kampfe theilzunchmcn. Napoleon harte die ganze Welt zu täuschen gewußt. Während man glaubte, er beabsichtige mit einem großen Armeekorps eine Landung in England, Hane er, mir einer, für jene Zeit beispiellosen Schnelligkeit seine Annce nach Deutschland genchrt und hierdurch seinen Gegnern, welche gerhcilt und weit ab von einander standen, einen große» Borsprung abgcwonncn. unschätzbare Borthcilc erlangt. Allein sein große? Fcldherrngcnie wurde in diesen! Kampfe auch durch andere für ihn glückliche Umstände und Zufälle unterstützt. Tie Ocsicrrcicher bauen große Fehler begangen. Sie belaßen zwei große, hochhcrvorragcnde Feldherren, welche später Napoleon verhängnißvoll wurden. Erzherzog Karl, der (yrfrc, der r? — bei Aspern — bewiesen, daß Napoleon besiegbar sei und Fürst Kar! Schwarzenberg, der. als Generalissimus der verbündeten Armee die Bölkcrfchlacht bei Leipzig gewann, Napoleon? Herrschaft über Europa ein Ende machte. Aber nicht in deren Hände wurde die oberste Krieg?! cilung gelegt: sondern in jene de? unfähigen (General Mack, welcher dem Rarhe bewährter, genialer Männer nicht Gehör gab, sich in die Festung lllm einschloß, am 17. Lctobcr 1805 wir einem Armeekorps von 30,000 Mann und 60 Geschützen vor Napoleon kapituliren mußte und diesem dadurch den Weg nach dem Herzen der österreichischen Monarchie öffnete. Während die französische Armee unter dem Willen eines einzigen ManncS stand und alle Feldherren seinen Dcschlcn blindlings gehorchten, war die? bei der russisch-österreichischen Armee durchaus nicht der Fall. Schon die Interessen und Ziele der beiden Alliirtcn waren verschieden. Während Kaiser Franz Alle? daran wenden wollte, seine Residenz vor einer feindlichen Invasion zu schützen, richtete Kntusow, der Lbcrfcldherr der russischen Truppen, sein Hauptaugenmerk darauf, sich nicht zu weit von seiner Operationsbasis zu entfernen, die Verbindung mit den Nachschüben aus Rußland zu erhalten; — und die Leitung dcrKricgsopcrationeu war nichts weniger als eine einheitliche. Auch hatten die Nullen unter der BorauSseyung, der König von Preußen würde sich dem Zwci-Kaiscrbunde anschlicßen, eine starke Truppenmacht, 70,000 Mann an die preußische Grenze geschickt und war dieses Korps weit vom Kriegsrheater entfernt und mußte nun auf weiten Umwegen marschircn, uln sich mit den andern Trnppcnthcilcn zu vereinigen. Hierdurch war kostbare Zeit, der richtige Moment dem Aaprallc des Feindes sofort gleich wuchtige Massen entgcgcnzuwerfcn, verloren gegangen. Zu all diesen Kalairulätcn traten noch einzelne unberechenbare, unvorgescbene Unglücksfälle hinzu, welche die Lage der beiden Alliirtcn verschlechterten. Die Franzosen waren bi? i:i daS Herz von^Jnnerösterrcich gedrungen und standen vor den Thoren Wiens. Trotzdem wäre cS vielleicht möglich gewesen, die Residenz des weiten Reiches, die bisher noch nie einen Feind in ihren Mauern gesehen hatte, zu reuen. Der österreichische Feldmarschall-Lieutcnant Gras Karl AucrSperg-Trantson, hatte den Befehl bei Allkunst der Franzosen die Uebergangsbrücke über die Donau in die Luft zu sprengen. Allein Marschall Lammes belog ihn, indem er ihn versicherte, cS wäre soeben ein Waffenstillstand abgeschloffcn worden. Dem ehrlichen, altöstcrreichischeu Edelmann siel es nicht im Entferntesten ein, daß ein französischer Marschall eine Lüge mit seinem Ehrenworte bekräftigen könnte, und er unterließ es, den erhaltenen Auftrag auszuführen. Seine ^Leichtgläubigkeit wurde hart bestraft; er wurde kassin, seiner Orden beraubt, zu langjähriger Festungshaft verunhcilt; — allein Alles das konnte cs nachträglich nicht ungeschehen machen, daß die Franzosen ohne Widerstand zu finden, in Wien eingerückt waren., >