Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 18 (3.3.1887)
- Date
- 1887-03-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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300 Goliath die Heerschaaren Gottes lästerte, und entschloß sich den Kampf gegen ihn oufzuuehmcn. den er dann stegreich zu Ende führte. Wie konnte demnach Schaul fragen: Westen Sohn ist dieser Knabe? Und wir konnte Abner antworten: So wahr du lebst, o König. ich weiß es nicht? Der Talmud gibt daher dem Zwiegespräch des Königs Schaul mit Abncr eine ganz andere Deutung. Als Lchaul den David so kühn dem riesenhaften Philister entgegenschreiten sah, fragte er: Von welchem der Söhne Iuda's mag wohl David abstammcn, von Scrach oder von Pcrcz? Ist er ein Nachkomme des Scrach, .so wird er ein vornehmer Mann werden: entstannnt er aber dem Perez, so muß ich fürchten, daß er König werde und meine Krone sich aneignen wird. — Da trat Dokg, der Edomite vor und sprach: Tu fragst, o König, ob dieser Jüngling einen Anspruch auf die.Krone machen kann — frage zuvor, ob er überhaupt ein legitimer Israelit ist, da er von Ruth, der Moabirerin, hcrlömmt, und es heißt in der heiligen Schrift <5. B. M. (5. 23. V. 4.): (5s foU nicht kommen ein Ainmonitcr und ein Moabiter in die Gemeinde des Ewigen, auch das zehnte Geschlecht soll nicht kommen von ihnen in die Gemeinde des Ewigen bis in Ewigkeit. — Ta trat Abner vor und sprach: Wir misten durch die Tradition, daß dieses Verbot sich nur aus die männlichen Mitglieder jener beiden iliatioucn erstreckt, nicht aber auf die weiblichen. — ToHg jedoch widersprach und suchte Gegenbeweise zu bringen, so daß Abner ihm nicht zu entgegnen vermochte und am Ende gestehen mußte, daß er bestimmte Auskunft nicht zu geben im Stande sei. Nun beauftragte ihn Schaul. bei den Weisen Israels Nachfrage zu halten. Aber auch diese wußte To«"g zu bestricken, bis daß Amaßa mit aller Kraft die Nichtigkeit jener traditionellen Erklärung vertrat, die er vom Propheten Samuel vernommen hatte. Die Tradition, daß das in Rede stehende Verbot sich nur auf die männlichen Animouiter und Moabiter beziehe, war eine Zeit lang in Israel zweifelhaft geworden. Schon im Buche Ruth wird erzählt, daß der nächste Verwandte des Machlon, des ersten Gemahls der Ruth, sich dcßhalb weigerte, die Erbschaft MachlonS anzutreten und die Ruth zum Weibe zu nehmen, weil er fürchtete, feinern Gefchlechre dadurch einen Makel aufzudrücken, während Boas, vozt der "Richtigkeit jener Tradition überzeugt, ohne Bedenken dieRuth beirathctc. Erft bei Gelegenheit der erwähnten Vorgänge wurde die Halachah endgiltig fcstgcstellt. — Und nun werden wir die beiden Verse im NS. Psalm verstehen. „rtiirficn verfolgten mich ohne Grund/ wie Do?g und seine Genossen, welche behaupteten, daß David kein legitimer Israelit fei. da er von Ruth, der' Äoabiterin, abstamme *3? -ms Trnrt „und auch wegen deines Wortes (in der schriftlichen Lehre) war angsterfüllt mein Herz/ denn der Wortlaut des Gesetzes läßt nicht daraus schließen, daß cs sich nicht auch ans die weiblichen Mitglieder jener Stationen beziehe, wie ja auch bei Mizrr. Edonn. und Manrser kein Unterschied zwischen Männer» und Frauen genracht wird. David hatte um so mehr Grund, sich dcßhalb zu ängstigen, da, wie im Midrasch erzählt wird, sein eigener Vater Iifchai dcßhalb im Zweifel war. Als aber die Halachah unzweifelhaft fcstgcstellt war, da sprach David: :r> xra by rr „Wonnevoll freue ich mich über deinen in der tnündlichen Lehre fcstgestelltcu Ausspruch, wie Jemand, der viel Beute findet." War doch seinkm ganzen Leben und Strebe» erst durch die traditionelle Erklärung dcS SchriftwortS die nörhrge Grundlage gegeben, tvurde doch erst durch sie feine legitime Geburt ftstgcstellk. Aus all dc:n Gesagten geht hervor, daß -c“. die Bezeichnung für die schriftliche Lehre ist. Eine Verfolgung der Israeliten aus religiösen Gründen trat, wie wir oben uachgewiescn haben, erst hervor, als andere Nationen sich im Benre der schriftlichen Lehre glaubten. Seitdem sprachen die Völker zu Israel: Gott hat dich verworfen und uns statt deiner erwählt. — Dem ist jedoch nicht so. Die schriftliche Lehre ist ohne die von Gott stammende Tradition ein siebenfach verschlossenes Buch, und ihre heiligen Gebote können nicht erfüllt werden, wenn das Licht der Tradition sie nicht erhellt, xVi -sn nn. Wenn ihr euch auch auf die schriftliche Lehre bezieht, sie kann ja nicht von Euch gehalten werden, rx vsy *3 denn nur bei uns ist der in der Tradition niedergclcgte, die schriftliche Lehre erhellende göttliche Geist, und dcßhalb wird Gott Sein Volk niemals verwerfen. (Schluß folgt.) Lilrari scher Gericht. Lek ach Tob. Ein agadifchcr Kommentar zu Mcgillat Ruth von Rabbi Tobia den Elieser. ^mn ersten Male dcrausgegebcu und mit Eommcnkar.versehen von S eckel Bamberger in. .Aschancuburg. Truck von Sskar Lehmann in Mainz. Als'wir vor nun bald 27 Jahren mit der Herausgabe des Israelitbegonnen hatten, brach-