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Der Israelit · 1887-02-28 · Heft 17 (28.2.1887) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 17 (28.2.1887)
Date
1887-02-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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298 Sehnsucht erreicht, ob er Jerusalem gesehen hat, und wo er gestorben ist, wissen wir nicht. Die Sage erzählt, er sei. als er Angesicht» der heiligen Stadt sein Zronslicd saug, von dem Rosse eines vorübcrrcitendeu Arabers zerstampft und zertrcLen worden. Wie Iehuda Halcvi, so schloß Redner, auf Jerusalem hiuabgeblickt habe, so schaue auch Israel auf jene Zukunft, in der die Gcsammtmenschbcit der Erkenntnis'. Gottes gewonnen sein werde. Wie Iehuda Halevi, wird auch Israel in diesem Harren beständig bedroht durch die Verfolgungen des Fanatismus. Aber so wenig der Hufcsrritt. der Iehuda Halcvi» Leben beendete, vermocht hat, den (Mctft sh vernichten, der aus seinem Dichten und Denken uns cntgegenftrahlt, so wenig wird auch Israel untergeben, wenn cs seinem Geiste und seinem Berufe treu bleibt. Hannover, 2:i. Februar. Lei den Anfeindungen. welche der Talmud in den letzte» Dccennicn erfahren hat, freut cs uns, anch einmal vom Gegeutheil berichten zu können. Montag Abend hielt Herr Pr. Böltet, Prediger der (christlichen) freien Religionsgcmeindt, einen Vortrag über den Talmud. Redner sprach sich sehr günstig über denselben aus. In der Eiuleilcirung sagte er, daß in seiner Ncligiousgemeiirde, jetzt ein kleines ReligiouSduch eingesührt sei, das sowol»! Stellen au» der Bibel und dem Talmud, wie auch Aussprüche der alten Schriftsteller und unserer groß«. Dichter enthalte. Er wolle damit nur zeigen, daß ste das Gute und Wahre überall da hcrnehmen, wo ne es finden. Ter Talnrud sei ein wirklich schätzbares Luch, in rvelchem sich viel Treffliches bcffnde, das aber von seinen Feinden gar oft absichtlich entstellt tvorden sei. Besonder» halte er den poetischen Theil desselben hoch, er erinnere «ur an die Parabel Herder» von den drei Freunden, die ja in vielen Lesebüchern obgcdruckt sei, ohne daß jedoch da hinzugcfügt worden wäre, daß sic aus dem Talmud stamme, Redner gab sodann einen geschichtlichen Ucbcrblick über den'Talmud und zeigte, wie die Juden sich stets mit Liebe diesem Luche hingegeben hätten. Der Talmud sei gar sehr verkannt worden. Besonders habe die Kirche, die in dcniselden eine Anfeindung ihres Glaubens erblickte, ihn oft verbrennen lassen. So sei er in den Jahren 155Q—i.iG0 sechsmal und zwar in Mafscneremplarcn auf den Scheiterhaufen gekommen, so daß mau hätte glauben muffen, es könne kein Exemplar desselben mehr übrig sein, und doch wäre er erhalten geblieben. Es sehe dieses beinahe aus, als ob er lein Meufchcnwerk wäre. Redner wies auch daraus hm. daß die Sprache deS neue» Testaments der Sprache des Talmud ähnlich wäre, wie anch die Art der Beweisführung in demselben sehr derjenigen des Talmuds gleiche. Sehr viele Grundsätze und Sittenrcgcln, die der Stifter der christlichen Religion ausgesprochen hätte, wären auf Hillcl zurückzuffihrcn, der schon vor ihm gelebt, so: „Siebe deinen Nächsten wie dich selbst*)- und ähnliche» mehr. Redner las auch einige herrliche Erzählungen aus dem Talnrud vor und schloß mit dem Wunsche, daß er durch sciucn Vortrag doch wenigstens emkgcrmaßen da» Vorurthcil gestört haben möchte, das noch immer gegen den Talmud herrsche. Bielefeld, 2t. Februar. Vor längerer Zeit erhielt der hier seit einigen Jahren ansässige israelitische Händler Sommer, ein in ärmlichen Vcrhälrnipen lebender, aber durchaus unbescholtener Mann den Ausweisungsbefehl zugeftellt. Alle Bemühungen der städtischen Behörden, eine Zurücknahme der Maßregel zu erwirken und dem armen Manne seine Existenz zu sichern, sind fruchtlos geblieben. Gestern har er unsere Stadt verlaßen müssen, nachdem vorher noch mitleidige Herzen so viel zusaurnieugebracht hatten, daß die hcimathlosc Familie in der nächsten Zeit wenigstens vor Hunger und Roth geschützt ist. Strasiburg i. (?., 16. Februar. In der heutigen außerordentlichen Sitzung deS Gemeinderalhs stand auf der Tagesordnung: Antrag de» israelitischen Konsistoriums aus Erstellung einer neuen israelitischea Synagoge. Rach den Darstellungen der Eingabe ist dre jetzige Synagoge für die israelitische Bevölkerung längst nicht mehr ausreichend uud macht sich das Bcdürfmß zu einer Erweiterung bei jeder Gelegenheit schwer fühlbar. Die Erweiterung der Synagcge mit dem Abbruch und Wiederaufbau würde ader die Kosten eines Neubaues erreiche». Dazu komme, daß die Erweiterung auch im Hinblick auf die enge» Gaffen, durch welche der Zugang führt, sich wenig empfehle. Das Eousistorium beantragt daher die Erstellung einer neuen Synagoge an anderer Stelle durch die Stadl, und ist bereit, als Beitrag das jetzige Syuagogcngebäude mir Grund und Boden uud zugehörigen Gebäuden herzugeben. Rach einer weiteren Darncllung der Frage durch den Bürgcrmcister wird dcffeu Antrag gemäß die Verweisung •) Xitüt Ce? fctfinirt sich schon im Pentateuch, *. *a^ Mosia <»cp. IS ifc. Hiü«r har ihn nur in eia« andere {»«3: gebracht unb anKgtiprochta. daß et die Önrablagc usfetet ->»' itn heUigen Xeligioa sei. Atd.

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