Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 17 (28.2.1887)
- Date
- 1887-02-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVHL Jahrgang. Beilage zu Nr. 17 des Israelit. ZeituugSaachrichte« and Correfpondeaze«. Deutschland. Frankfurt a. M., 25. Febr. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt verflossenen Mittwoch Herr Dr. Heinemann einen 3. Vortrag aus der Ge schichte derIuden in Spanien, über „Ichuda Halevi als Dichter und Denker". Wenn Redner cs unternahm, über den so populären und darum schon so oft und auch in unserem Verein früher bereits einmal besprochenen Dichter einen Vortrag zu halten, mußte nran wohl erwarten, daß er denselben in besonders fesselnder Weise darzustcllcn im Stande sei, wenn er auf's Reue das Publikum dafür intercmrcn wollte. Und in der That müssen wir gestehen, daß ihm dies in ausgezeichneter Weise gelungen ist, indem sowohl durch den geistreichen Jn- H2I:. wie durch die musterhafte Form der Rede das Ä^üorium vom Anfang bis zu Ende in der lebttlssen Spannung erhalten wurde. Tie Lebenssch:ck>ale des Dichters, die Redner nur sehr kurz '.'izzirte, sind schon früher im „Israelit" erzählt morden, und auch auf die Dichtungen desselben Dill ich aus diesem Grunde hier nicht näher cins.cbcn. Redner hob hinsichtlich derselben hervor^ »je Ichuda Halevi aus allen Gebieten der lyrischen Dichtung Herrliches geleistet, wie er auch Freundichast, Wein und Liebe besungen, wie aber sein Genius voll und frei die Schwingen geregt, wo er d:e religiösen Gefühle Israeli ausgedrückt hat. Aachdcm er mehrere solcher Gedichte, in denen sich d:e verschiedensten Seiten des religiösen Lebens bekunden. vorgcsührt hatte, ging er zu dem berühmten vhtlosophischcn Werke Ichuda Halevis, dem .<tusan, über. Ichuda Halevi wollte durch dieses Werk *>£? Judenthum gegen die Angrisse vcrtheidigen, welche Seitens der Philosophie der damaligen ^cn, wie auch des Ehristcnthums und des Jsw'ugegen dasselbe gerichtet wurden, und;nalcich den Haräern cntgcgcntrctcn, die damals in Lpanien ziemlich bedeutenden Anhang gewonnen --ulten. Er wählte hierzu nicht die Form einer Ncaenen Abhandlung, sondern die eines lebendigen ^rmog-, zu welchem ihm eine historische Begebenen V? Rahmen bot. Ter Ehasarenkönig, der in oem heidnischen Glauben keine Befriedigung mehr findet, wendet sich an den Philosophen, andea christlichen und muhamedanischen Theologen, ohne durch deren Darlegung überzeugt zu werden. Da entschließt er sich, einen Juden kommen zu lassen, welchem er die Frage vorlegt, auf was er seinen Glauben basire. Es ist dies dieselbe Frage, die Lessing 600 Jahre später durch Nathan an Saladin richten läßt, nur mit dem Unterschiede, daß der Ehasarenkönig durch ernstes Streben nach Wahrheit und Erkcnntniß zu dieser Frage getrieben wird, während bei Saladin sie, wie Nathan auch richtig durchschaut, nur eine Falle sein soll. In lichtvoller Weise entwickelt nun in dem „Kusari" der Jude die Lehrwahrhciten des Judenlhums. Der Verstand des Menschen reiche allerdings nicht hin, um mit Sicherheit den Weg zur Wahrheit zu finden; die Offenbarung sei nöthig, um ihm als Führcrin zur Erkcnntniß Gottes zu dienen. Schon von Anbeginn her habe diese Erkcnntniß in der Menschheit gewohnt; die religiöse Empfindung habe aber nur in eiirer Familie sich erhalten, in der Abraham'S. Um sie rein zu bewahren, sei dann Abraham hinwegbcrufcn worden aus seinem Vaterland. Auch von seinen Nachkommen habe nur das Geschlecht Iakob's diese religiöse Empfindung sich bewahrt. Gott nun habe, als er diesem Volke die Freiheit geschenkt, cs aus Egypten erlöst, seine Wunder ihnen kund gethan und sich ihnen offenbart, nicht als den Gott, der Himmel und Erde erschaffen, sondern er habe ihnen zugcrufcu: „Ich bin der Ewige, dein Gott, der dich aus Egypten geführt". Nicht als Resultat spekulativer Forschung und nicht als ein Glaubenssatz sollte ihnen das Bewußtsein von Gott erscheinen, sondern als eine geschichtliche Thatsache, die ebenso unleugbar sich von Geschlecht zu Geschlecht forterbcn sollte. Der Bestand Israels, trotz aller Leidcnsschläge, die es getroffen, sei der deutlichste Beweis dafür, daß seine Mission eine ewige sei. Wie im Herzen sich der Blutumlauf des Menschen coneentrire, eben dcßhalb aber auch das Herz mehr als jedes andere Organ die Leiden jedes anderen Tbcilcs -mitzutragen habe, so habe auch Israel, daS benimmt sei, jenen religiösen Gedanken für die Menschheit in sich zu erhalten, Verfolgungen und Leiden zu erdulden, bis dieser religiöse Gedanke vollkommen zum Siege gelangt sei. Bald nach Vollendung dieses Werkes verließ Jehnda Halevi Spanien. Ob er daS Ziel seiner