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Der Israelit · 1887-02-24 · Heft 16 (24.2.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 16 (24.2.1887)
Date
1887-02-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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sa.t.-aatagaa.'iiia 2?o welchem die Befriedigung seiner Laune mehr galt, als das Wohl der ihm nntcrgcbeucn Völker. Sogar seine Gemahlin siel einer solchen Laune zum Opfer auf den Rath eines Günstling», den er über alle seine Treuer erhob und dem göttliche Ehren zu erweisen er besah!. Aber der Jude Mordechai weigerte sich, vor Hamau nicdcrzuknieu und diese Weigerung erfüllte den eitlen Hosting mit furchtbarem Zorn. Weil Mordechai ein Jude war, so sollten alle Juden es büßen, daß die Eitelkeit des mächtigen Günstling» vcrlcvl war worden. Hainan tritt vor den König und verlangt die Vernichtung eines ganzen Volles. Ter schwache, rhörkchte, launenhafte König findet cs nicht cinnral der Mühe wcrth, nach dem Namen des zu verderbenden Volkes zu fragen. Herrschte er doch über 127 große Länder, in denen so viele, viele Mcrrschen wohnten! <5r schenkt das Volk, denen Vernichtung von ihm gefordert wird, seinem Günstlinge, wie man ein Pferd oder einen Hund verschenkt und nimmt nicht einmal die ungeheure Summe, die ihm Hamau als Entschädigung bietet. „Das Geld sei dir geschenkt und das Volk, mit ihm zu verfahren, wie cs gntdnnkt in deinen Augen." (Esther (5. :i, V. 11). Ta wurden die Schreiber des Königs gerufen, und die Mordbefchle wurden ausgcscrtigt und versandt. Als der Erlaß in der Residenzstadt Schuschan angeschlagen wnrde, erfaßte eine tiefe Trauer nickt nur die Juden, sondern die ganze Stadt (daselbst V. 15). Was Herne den Juden angcdroht wurde, konnte ja morgen gegen irgend eine andere Klasse der Bevölkerung beabsschtigt werden. Alle fühlten sich ihres Lebens und ihres Eigenthums nicht mehr sicher. Alle mußten von der Laune eines tyrannischen Königs und von der Willkür eines übcrn'.üthigen Günsilings das Schlimmste erwarten. Ter.völlig aber und Haman stktcn sich fröhlich zum Zechgelage nieder. Was kümmerte sic die No:h und dgs Elend, die sic über Hunderttausendc gebracht hatten? Stärker aber als der mächtigste König, dessen Macht keine Schranken kennt, dessen Gewissen nicht schlägt, wenn er ein ganzes Volk dem Untergänge werkt, ist der allmächtige Gott. Er lenkt die Geschicke der Völker wie der Einzelnen. Sein Volk ist Israel. für das Er sorgt, über das Er wacht, wie der zärtliche Vater für sein Minb sorgt. Gott bat Israel zu Seinem Volke erwählt. Er bat mit ihm Seinen Bund geschlossen, Er hat ihm Seine Lehre anvertrancr, aus daß Israel das Licht bringe der ganze Menschheit und ein Werkzeug sei in Seiner Hand zur Erziehung des Menschengeschlechts. Tie Lage der Inden schien zu jener Zeit eine ganz hoffnungslose zu sein. Sir alle wohnten in den verschiedenen Provinzen des großen persischen Reiches, zerstreut und vereinzelt. An Widerstand war nicht zu denken. Wer härte ihnen zu Hllfe kouimcn sollen am Tage des großen Morden»? Sie waren umringt von zahlreichen Feinden, denen die Negierung sie preisgab. Nicht allein die Mordsucht, sondern auch die Habsucht sollte ihre volle Befriedigung finden, da den Mördern das Vernrögcu der Ermordeten zugesvrochcn wurde. Schwarze Nacht umhüllte die Gcmürher, und kein Hoffmmgssiern leuchtete den dem Tode Geweihten. Woher sollte ihnen Hilfe kommen? War cs denkbar, daß der hocherhobcue Günstling gestürzt werden würde? llnd wenn auch, waren die Mordbefchle dock besiegelt mit dem Siegel des .Königs, so daß selbst nach Haman« etwaigem Sturze eine Rettung kaum denkbar schien. Mußte dock der König als rin noch grimmigerer Feind erschcinenals sein Günstling. Tiefer glaubte sich wenigstens von einem Juden beleidigt und wollte dafür an dem ganzen Volke Nachc nehmen. Was aber hatten die Juden oder ein Jude dem Könige gethan? In Treue und Anhänglichkeit hatten sie ihre Pflichten als Nnterrhanen erfüllt, und derselbe Jude, gegen den Haman« Haß sich in erster Linie richtete, hatte einst dem Könige das Leben gerettet. In ansgclancner Freude zog Hamau mit feinen Genossen durch die Straßen von Schuschan. Tiesbekümmert ging Mordechai fernes Weges. Ta sah er jüdische Kinder, die aus der Schule kamen, wo sie in der Lehre Gottes waren unterrichtet worden. Schon dieser Anblick war Trost für Mordechai'« graurbclastetcs Herz. „Sage mir den Vers, den du in der Schule gelernt hast." So redete er den einen Knaben an. llnd der Knabe: „Fürchte dick nicht vor plötzlicher Furcht und vor dem Stürmen der Frevler, wenn cs kommen wird." TerNachsa? des Verses lauter: i?y: -er? “V022 „Tenn der Ewige wird sein deine Zuversicht und wird hüten vor der Schlinge deinen Fuß". So ist die gewöhnliche Erklärung. Unsere Weisen im Ieruschalmi deutet! da« Wort tcss anders ters r*D2 „Tdor". In Tingcn, in welchen deine Weisheit zu Ende ist, wo du dir gestehen mußt, daß jede Honuung rhöricht sei, selbst in solche» Trugen vertraue Go:r. dem allmächtigen Helfer. — Ta freute sich Mordechai gar sehr: eine gute Botschaft war ihm gekommen. Selbst da. wo ohne irgend einen Hoffnungsschimmer da« Schlimmste droht, kann der allmächtige Gott in wunderbarer Weise helfen. Und in der Thar: Er bat geholfen und wird sters wieder Helsen. (Fortsetzung folgt.»

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