Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 16 (24.2.1887)
- Date
- 1887-02-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVIII. Jahrgang. M 16, Der Israelit.. Ei» Zentral - Organ für das orthodoxe Iudenthmn. Herausgegeben von Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 24. ficbvuat 5647 (1887). leitende Artikel. Die dreifache Peilung. i. Mainz, 21. Februar. Tie Weltgeschichte lehrt uns, daß die Gefahren, welche ein Volk mit dem Untergänge bedrohen, dreifacher Art sein können. Es kann eine Aalion, die ruhig und friedlich lebt, plötzlich von Feinden überfalle» und dem Untergange geweiht werden. co sind viele Völker des .Älterthums und des Mittelalters von mächtigen Eroberern vernichtet worden und fast spurlos von der Erde verschwundcn. ES kann aber auch von den Feinden langsam vorbedacht und planmäßig vorbereiler der Untergang eines Volkes herbeigeführt werden. Auf diese Weise wurde von dem römischen Reiche der Mampf gegen Karthago geführt, bis das letztere Zerstört und vernichtet war. Tic dritte Art des Unterganges ist die, daß ein Volk in sich zerfällt und so allmählich der Auflösung cntgegengeht. Alle diese Arrcn der Vernichtung haben unsrem Volke zu den verschiedensten Zeiten gedroht, und immer hat unS der allmächtige Gott in Seiner Barmherzigkeit und Gnade gerettet, so daß wir die Jahrtausende zu überdauern vermochten. Tas herrannahende Purimfest führt unS eine solche Katastrophe in Erinnerung, und im Midrasch Zum Buche Esther (E. 7.813.) deuten uns die Weisen dre dreifache Rettung auS dreifacher Gefahr an. Taiclbü wird uns erzählt: Zur Zeit, als die Mördocfehlc des Königs Ahasver unterzeichnet, besiegelt und iu die Hand HamanS gegeben waren, da kam dreicr vergnügt daher, er und seine Genoiicn. ttnd sie erblickten deu Mordechai, der vor ihnen gmg. Dieser aber lief dreien Knaben nach, welche edcu aus der Schule kamen. Als Haman und seine Genossen das sahen, folgten sie ihm, um zu erfahren, was er von den Knaben wolle. Ta Mordechai die Knaben erreicht hatte, fragte er einen von ihnen nach dem Verse, den er heute gelernt habe. Und der Knabe sprach: Fürchte Dich nicht vor plötzlicher Furcht und vor dem Stürmen der Frevler, wenn es kommen wird. (Mischle E. 3. V. 25.) Und der andere Knabe sprach: Ter Vers» den ich heule zuletzt in der Schule gelernt habe, lautet: Rathct Rath, und er wird zerstört werden, redet Wort, und es wird nicht bestehen, den» mit.. uns ist Gott (IcsaiaS E. 8. V. 10). Und der dritte sprach: Und bis zum Alter bin Ich es, und bis zum Greiscnalter werde Ich tragen. Ich habe gcnracht, und Ich werde erheben, und Ich werde nagen, und Ich werde erretten. (Ics. C. 4, V. 3.) . Ta lachte Mordechai, und die Freude verklärte sein Angesicht. Und Haman sprach zu ihm: Warum freuest du dich so sehr über die Worte dieser Kinder'^ — Sie haben mir, antwonete Mordechai» wundervolle Botschaft verkündet, so daß ich nicht, zu zagen brauche wegen deiner bösen Anschläge. „Fürchte dich nicht vor plötzlicher Furcht und vor den Stürmen der Frevler, wenn es kommen wird." Tie Gefahr, welche unsre Vorfahren durch den Mordanschlag HamanS bedrohte, war über sie gekommen wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Rebukadnezar hatte das Reich Juda zerstört und die Juden als Gefangene nach Babylon geführt.. Eine geraume Zeit war vergangen, und das babylonische Reich war von den Perfern gestürzt worden. Tic Eroberer hatten die Juden von den drückenden Fesseln befreit und waren ihnen güttge Herren geworden. Froh und glücklich, geehrt und geachtet wohnten die Juden im persischen Reiche. Viele von ihnen hatten hohe Stellungen iune und zählten zu den vornehmsten Beamten des Königs. Ta bestieg Ahasver den Thron, rin Herrscher,