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Der Israelit · 1887-02-21 · Heft 15 (21.2.1887) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 15 (21.2.1887)
Date
1887-02-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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263 so doch wenigstens eine weise Beschlußfassung, durch welche dcrWcg hätte angegeben werden sollen, den das-Land, die Kammern und die Negierung betreten | wüßten, um bc« Handel au? den Krallen der „Juden" r zu reißen und den Bauern von ihnen zu befreien,! damit Letzterer nicht wehr von den Juden „crploi-! tirt" und „vergincr" werde mit gefälschten Gettäuf fcu — wie die Kengrcßlcr bcl'.aupicn. Allein statt \ eine? solchen weisen Beschlusses, sagte uns die Kongrcß- - männcr, nach wehrcrcu „Reden", die nur sogenannte! Reden waren, daß der auliscmirische Kongreß — ) — kouftiluirl sei und nächstes Jahr in Paris zu-! sammcntrctcn werde!; „Das ist also die Leschecrung! s „Wir sind cs gewohnt die Wahrheit zu sagen; ] wir verschonen Niemand und cs ist uns gleichgültig, l ob Jemand sich von ihr getroffen fühlt. I „Ter von den Herren Moroiu uudPolich- \ roniodis arrangrrtcKongreß wäre schon vor der f Geburt gestorben, wenn die Paar vom Ausland z ihn nicht wir ihren Persönlichkeiten illuftrirt hätten. \ „^ad) uns konnte die „Judmfragc" nur von f Zwei GesichlspiUlkien aus behandelt werden: vom - sozialen und vom ökonomischen, k e i n cs w e gs aber i vom religiösen Gesichtspunkt, wie ihr die zwei | Judenfresser die Richtung gaben. Ans dieses Tcri raiu haben sich die Herren Kamrncrdcputirtcn Bntknlcsku und Senator Ghcrghel gestellt. Die ai:derc l Redner haben in? Leere gefault, und cs kouutc \ auch anders uichr sein, wenn Einer sogar von „lies - hinten an der Donaukam. f _ „Die lokalen Antisemiten fanden es also für \ passend sich auf den religiösen Boden zu srclle.'k, \ eine Basis, welche längst vollständig hätte beseitigt? werden müssen, weil man weiß, daß die Israelitische! Alliance in Paris, so oft sic bei den europäische» Mächten zu Gunsten ihrer „Konuationalm" sirtcr- - vcnirte. die religiöse Intoleranz als Ursache der! Bcrfolgungcu angegeben hat. t .. „Und wenn wir fragen würden, womit uns; rigentlich das Judenthnnr schädigt, so würden die verz ehrlichen Kongrcßantiscrnitcn beinahe keinen andern,! als den tölpelhaften Borwand hcraussinden, daß i ^le „Inden" sich mit Ehristcnblur nähren, oder daß! lu uns mit geistigen Ertränken vergiften. I «.Heber die Nahrung oder auch nur Beimischung; Slät erklären wir. daß wir einfür alle Mal blewn Gedanken zu ruckweise». „denn die Jsrac-! empfinden Ekel davor' sogar das Rind- oder \ ^ttlügetsicisch salzen sie so stark, bis das ganze | ausgezogen ist. Außerdem halten wir Ne nicht für Kannibalen; umso mehr als bis hcm- ZAage durch die Justiz nicht nachgcwicsm wurde. daß die Juden Ehristenkinder tödtcn, um ihnen daS Blut abzuzapfen. Der Prozeß von Tisza-Eszlar war nichts Anderes als eine skandalöse Komödie, unwürdig des gebildeten Jahrhunderts, in. dem wir leben. „Was die gefälschte» Getränke anbctrifft, so wöge uns Herr Moroiu verzeihen, wenn wir bchaupuh, daß nicht blos Juden Getränke fälschen. Im Gegentheil, wir können mit Sicherheit behaupten, daß die christlichen Händler die größten und schärfsten Verfälscher der geistigen Ge» tränke sind. Und wenn ein Gesetz vorhanden ist, welches die Verfälschungen bestraft, warum soll es nur auf die Juden und nicht auch auf die „Numäanwendbar fein? Oder gestattet man den Letzteren das Vergiften etwa nur darum, weil sie bei den Wahlen ihre Stimmen abgcbm? „Wir würden diese Anklage noch begreifen, wenn wir sähen, daß das Gesetz in strenger und unparteiischer Weise gchandhabt wird. „Von einer religiösen Unterlage darf demnach nicht die Rede sein. „Das iinnänische Volk war zu allen Zeiten tolerant und um so toleranter als es überzeugt ist, daß da? Judenthum ans die christliche Religion niemals einen Einfluß ausüben könne; denn cs besteht ein großer Unterschied zwischen den beide» Glauben. Und wenn auch daS Volk im Jahre 1SG7 sich Rohheiten auf den Straßen zu Schulden komrnen ließ, so war eö nur darum, weil die „Rothen" (die liberale Regierung, welche auch damals, wie jetzt herrschte) im Augenblick keinen Vorwand fanden, um das Wasser zu trübe«, damit sie dann für sich was herausfifchcn können, weil also die „Rothen" die Rumänen gegen die Juden aufgchept hatten. Zulctzl freilich, warm es die „Rothen" selber, welche Ervmieux und Monrcfiore aus den Händen in die gesetzgebenden Kammern trugen. „Tic rumänische „Judmfragc" kann weder Herr Moroiu noch Herr Polichroniadis lösen, well sic sic noch gar nicht verstehen. In Zeitungen, auf die Juden schimpfen, das heißt noch nicht die „Judmfragc" abhandcln. Später — vielleicht — würden nicht vorherzuschmde Ereignisse sie lösen, und zwar im Verein mit der Regierung, gleichgültig. welche (ob liberal oder konservativ, roth oder weiß) sie sein wird. „Wir sind es gewiß, daß Herr Moroiu unS - als „vcrjudct" verschreien wird: dies ficht unS jedoch nicht an, denn auch diese Schimpferei ist gerade so seriös, wie der „Kongreß", dm er angcstistet hat. Wir unsererseits können ihm sagen, daß er

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