Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 15 (21.2.1887)
- Date
- 1887-02-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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264 die Israeliten fchrccken wollte, aber es ist ibm nicht gelungen, weil diese schlauer sind als er. Wir konstaüren, daß der Kongreß, an welchem auch ein paar Ausländer thcilgenommen, in ganz lächerlicher Weise die Seele ausgchauchl hat." Wie Sie sehen, ist man auch in Rumänien zn Zeiten einsichtig und wenn man dem Redakteur der „Poporul" Herrn B a s s a r a b e S c u die Frcimütbigkeit anerkennen muß, so bleibt cs doch verwunderlich, daß er endlich die Wahrheit über das anrisemirische Treiben in Rumänien gesagt hat. Früher hat er es nicht gcthan, sondern in den wüsten Chorus mitcingestinnnt. Vielleicht ekelte es ihn endlich über die Spiegelfechterei und die Gcspcnstermalcrci, die man in Rumänien mit der „Judcnsragc" treibt. Vor etwa acht Tagen lag dem Senat die Erledigung des Naturalisationsgesuches des natürlich christlichen Armee-Lieutenants Pester vor. Bei der Debatte, die sich daran knüpfte» meinte der Senator LatzeScu mit Recht: „(5t begreife nicht den ungesetzlichen Brauch, den Militärs, welche nicht R n m an cn sind, höhere Stellen im Heere zu geben. Solche Fällen seien sehr oft und sogar bei der Sssizierpromotion von 1SSG befanden sich Mehrere, die nicht naturalisirt waren." Daraus antwortete der Senator Urecha: „Ter Lieutenant Pester habe eigentlich „irrthümlich" das Iudigenat verlangt, er sei schon vor 1866 in die Armee cingetreten und genieße daher die Vorthcile der alten Gesetze." Dergleichen Sachen sind in Rumänien möglich und alltäglich. Ein Ausländer kann zu Allem gelangen, sofern er Christ ist, wie der Lestcrrcichcr Pester über zwanzig Jahre Lieutenant sein kann. Was das Bencsizium anbctrifft, welches ihm der Senator llrccha vindizkrt, so ist gerade der Umstand, daß er schon seit 1866 in der Armee ist, zu seinen llngunstcn. Denn der alte Artikel 7 der Versagung (1866—1879) lautete: „Rur Fremde christlicher Religion können die bürgerlichen und politischen Rechte erlangen." Mit anderen Worten, cs war den Christen frei ge st eilt worden, Rumänen zu werden. Aber indem sie in ungcsctzl i ch e r Weise öffentliche Funktionen erhielten, sind sie dadurch allein noch nicht Rumänen geworden. ES ist auch klar, daß um eine öffentliche stelle überhaupt erlangen zu können, die Naturalisation schon vorher vorhanden sein muß. Tie Bekleidung eines öffentlichen Amtes ohne diese ist und bleibt eben ungesetzlich. Herr Pester har sich aber zwanzig Jahre lang besonnen, ob er Rumäne werden soll, obwohl dies ibm schon gleich damals freisiand; und selbst jetzt hat er es nur darum gcthan. weil der Kriegsministcr vor einiger Zeit durch Erlaß alle nichtrumänischcn Offiziere aufgesorderr hat, das Indigenat nachzusuchcn. Ta die Naturalisation eines Christen von vornherein bewilligt ist, so hat die „Verthcidigung" des Senators dem Lt. Pester nicht geschadet, sondern sie erschien den erleuchteten Senatorcnköpfen ganz stichhaltig. So gibt es in allen Zweigen des öffcnllichen Lebens in Rumänien Fremde, aber keine Z^raclüen. Selbst ein Kammerdcputirrcr, also ein Vertreter „seines" Volkes und Auserwähltcr „seines" Landes, ein Herr Rakowitza, hat kürzlich sein Mandat niedergclegt, um seine Naturalisation vachznsuchen, nachdem er schon seit vielen Jahren das Volk verrieten. Ter ehemalige Redakteur des von mir schon vichrfach erwähnten „Liberal" und jetzige Redakteur der „Vointza Rarionala" (Narionalwillcn), der offiziösesten aller offiziösen Zeitungen, als Bratianus'Lcibblatt und rechte Hand, Herr Z'cnopol, hat auch schon einen harren Stands Er wird von der konservativen Opposition nach seinem Raturalisaliousdckrct gefragt, welches er natürlich nicht hat und sie wirft ihm vor, daß feine Familie noch jetzt jüdisch ist. Als eine Kennzeichnung rumänischen Gerechtigkeitssinnes, Unparteilichkeit und religiöser Gleichstellung mag zuletzt die, vorige Woche erfolgte, Naturalisation des Mazedoniers Faranga verzeichnet werde». Zur Bewilligung deS Bürgerrechts gehört gesetzlich ein Zwcidrittcl-Majsrilät der Adstimmcndcn. Wird dieses Votum nicht erreicht, so ist der Pcicnl für immer ab gewiesen bczw. er muß die zehnjährige Warrezcil adsolvircn, zu welche er auf's Neue bitten muß. Bei Farauga gab cs nun die gehörige Stimmcnanzahl nicht. Was geschah aber. Stau der Abweisung wurde die Abstimmung für „null" (?) erklärt und am andern Tage erneuert» wo die Zahl freilich schon beisammen war und also die Naturalisation genehmigt wurde. Ter Mazedonier ist natürlich Christ. Bon der Naturalifirung rsraelirrscver „Fremden" hört man seit lange nicht: von öffentlichen Gesetzes» erletzungeu seitens derjenigen, die in oberster Instanz bernsen sind» die Gesetze zu schützen, d. h. seitens der gcsctzgeveudeu Körperschaften zu Guusten der Israeliten, hört man schon gar nicht. Holland. Amsterdam. Es hat sich dahier em jüdischer Comire gebildet, das zn Ehren des demnäckstigen 7V. Geburtstages des Königs, Gelder zur Gründung eines Fonds sammelt, welcher zur Unterbringung