Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 15 (21.2.1887)
- Date
- 1887-02-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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262 Durch bte hingebungsvolle Bereitwilligkeit der Anstaltslehrer wird es uns mit dem Beginne des neuen Schuljahres möglich werden, außer den für die Präparandcnscknlen des .Königreich» Bauern vorgefchricbenen UnrerrichlSgegenständen auch solchen, die für das kaufmännische Leben von besonderer Wichtigkeit sind, Aufnahme in den Untcrrichtsplan — wenn auch nur in fakultativer Weise und außerhalb der für den obligareu Unterricht festgesetzten Stunden — zn gewahren. Hiezu wurden wir hauptsächlich durch die Wahrnehmung veranlaßt, daß mehrere Schüler nach dem Verlassen unserer Schule sich nicht dem Lehrsache, sondern einem kaufmännischen oder gewerblichen Berufe widmeten oder dcßhalb mit den für diesen Berus nöthigcn Sachkenntnissen ausgerüstet zu sein wünschten. Bom religiösen Gesichtspunkte aus kann uns diese Wahrnehmung nur freuen. Das „Lernen" wieder zum Selbstzwecke zu machen ist das erhabene Ziel, dem Anstalten, die auf religiöser Grundlage sich arnbauen, zustrcbeu müssen. Dieses sollte auch an unserer Anstalt dadurch zum Ausdrucke gebracht werden, daß ihre Stifter sie „Talmud-Tlwra" nannten, die Kcnmniß der Tbora also als Mittel und Zweck zugleich hinstcllten. Nicht um.die Erreichung eines außer der Anstalt liegenden Nnpens willen sollte Unterricht in den Neligisnsquellen crtheilt werden, sondern des Gewinnes und Rayens wegen, der in diesem Unterrichte selbst schon liegt. Und wenn ja die Erreichung irgend eines Zweckes sich mit dem Besuche der Anstalt verbindet, so sollte der sein, sich die Befähigung zu holen, die gewonnene religiöse Erkenntniß weiter zu . tragen, zu verbreiten und im praktischen Leben durch fromme Gesinnung und Handlungsweise zur Darstellung zu dringen. Tie religiöse Bildung und Führung des Geschäftsmannes aber sind eindrucksvoller und vorbildlicher, als die des in seinem Berufe thätigcn Lehrers. Möge darum der Wunsch vieler Eltern, ihre Kinder zu religiösen und gebildeten Geschäftsleuten zu erziehen, immer mehr Nachahmung finden: darin liegt die Hauptbürgschaft für die-Fonerhaltung des religiösen Geistes und Lebens innerhalb des Jüdenrhums. — Tie Erfahrungen des abgclaufencn prüfum'.srcichcn Jahres haben uns in dem Bettranen bestärkt, daß das der Anstalt bisher bewiesene Intcrcne ihr auch in Zukunft ungcschmälcn erhalten bleibe» und es derselben ermöglichen werde, das angcftrcbte Ziel, Tbora und Witten zu verbreiten, immer würdiger und vollkommener zu cncichcn. Tie Einnahmen betrugen lült»ü M., die bis auf 3245 M. verausgabt wurden. Am 19. Kislew (16. Dezember) au dem Todestage des verstorbene» Gründers der Anstalt, versammelte, einer alte», frommen Sitte gemäß, der derzeitige Leiter, Herr Tistriktsradviner Tr. Deutsch, die Mitglieder der israelitischen Eultus-Gemeiudeu des Distrikts, sowie die Lehrer und Schüler der Anstalt iu die hiesige Synagoge behufs Abhaltung eines feierlichen Gottesdienstes. Tie hieran sich anschließende Gedenkrede, die ein Bild der segensreichen Thätigkcit des Verstorbenen, seines Wirkens und Schapens um die Anstalt in getreuer Darstellung entfaltete, ist dem Jahresberichte auf Wunsch der Verwaltung beigedruckt: sie soll den zahlreichen Freunden und Verehrern des Verewigten, sowie den dankbaren Schülern der Anstalt ein Erinnerungsblatt sein. Am 7. Februar wurde in Hcllima (Lothr.) ein Mann zu Grabe getragen, — der durch seine Frömmigkeit, Wohlthätigkcir und Klugheit, sich eia ewiges Andenken bei sein Mitbürgern, sowohl Juden als Ehristen erworben hat. Es war der hochbetagte r-Ojährige Salomo» Lcvy. der lange Jahre Gcmcinderarhsmitglied und Bcisivender des Wohlthäligkcitsvcrcius war. Au seiner Beerdigung bethciligre sich die ganze Gemeinde ohne Ausnahme der Eonfcsfion. Bürgermeister Eomaux hielt eine Rede, iu weicher er die Eigenschaften des Verstorbenen als Eollcge pries. Daun folgten die Rabbiner von Saargemüud und von Maursmüuster, welche allen Amvefcnden zu Herzen sprachen. Am Grabe sprach noch Vorsänger Frank von hier, Rumänien. Dr. C. Bukarest, 18. Februar. Im Nachstehenden glaube ich gnr zu rhun. Ihnen einen Artikel der Zeitung „Poporul" (das Volk) zn geben, als einen Beweis, daß man iu Rumänien die Wahrheit über die unsinnigen Anklagen und Verdächtigungen, die gegen die Israeliten geschleudert werden» sehr wohl kennt, aber sic meist verdreht» weil es so in den Kram paßt. Man bekennt sie höchst selten und nur dann, wenn man »die Geister, die mau gerufen, nicht mehr los werden kann- und die Tollheit zu arg wird. Ter Artikel ist eine Erinnerung an den „internationalen" Anlisemiten-Kougreß, der in Bukarest starrgrfünden hat: „Drei auf einander folgende Tage haben die hochzuvcrchrcnvcn Judenfeinde im Athenäum Sitzungen gehalten, um die rumänische „Judeusrage" Z» „lösen." „Tie Welt erwartete mit Ungeduld, wenn nicht gerade die völlige Ausrottung der semitische» Raa;,