Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 15 (21.2.1887)
- Date
- 1887-02-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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258 Hamburg, 17.Fcbr. .HerrObcrrabb.Stern '"z hat dem Rcpräscntantcucollegium des hiesigen Lynag.-AcrbandeS drei (Kandidaten für die Stelle einer zweiten Prediger» vorgeschlagcn, nämlich die Herren Dr. Carl cd ach—Lübeck, I)r. Snlzba ch—Frankfurt a. M. m.d Dr. it o r c f <Hai:an?). Das Gehalt ist auf f>(j'iO M. iiormirt. Tic genannten Herren werden zn Probcpredigtcn hierher berufen werden. — Brerttan, den 16. Februar. In der heutigen Zeit, in w.Icher so viele unserer Glaubensgenossen unsere heiligsten Gesetze leider nicht rnchr beobachten und ihre Geschäfte an Sabbct- und Feiertagen ununterbrochen offen halten, ist cs für junge Leute, tvclchc da» Crdrhcil der väterlichen Religion noch hoch halten, gar schwer, Stellen zu finden, in welchen sie in der freien Ausübung unserer heiligen Religion nicht behindert find, (y» ist dcßhalb ein hohes Verdienst de» hier seit einig n Jahren cxislircndeu„Ltcllcnnach:veiS-VerciuS jüdischcrKaustculcdas; er seinen 'Mitgliedern kostenfrei Stellungen zu verschaffen sucht in Geschäften, die an Sabbat und Feiertagen geschloffen find. Wir geben der angenehmen Hoffnung Nauru, daß der Verein von gcsctzcstrcucu Geschäftsinhabern recht fleißig benützt werde und indcrn wir auf sein in heutiger Nurnnrer enthaltenes Inserat Hinweisen, wünschen wir, dag seine Bestrebungen vorr gutem Erfolg gekrönt sein rrrögcn und rufen ihm ans vollem Herzen ein r=w prn zu. Strastbnrg. Zürn Tiner an der Tafel des Herrn Lranchattcrs. welches er zu Ehren de» LaudcSausschuffcs letzten Mittwoch, Februar gab, wurde auch unser Lbcrrabbincr Herrn Arnaud Aaron ein» geladen, ein Beweis, das; unser verehrter Statthalter. Fürst von Hohenlohe, keine» Unterschied der Konfcsfic» kennt. W. Frankreich. Paris. General Leon wurde znui Militär- Gouverneur des Tritt iktcs Lille und zuin bleibenden Generalinspekror die Milirärbauten zur V.rltzcidigung der Llüsten ernarmt. Rußland. Aus Rußland. Bor einer Reihe von Jahren kam ein jüdischer L'.'auu mit seiner Frau und dreihundert Rubel nach Kiew. Sein Unternehmungsgeist und seine Geschäststüchtigkeit rermchnen im Lause der Zeit lein Veiitztlrum um das Tausendfache, beute stiegt mit feurigen Ronen bespannt seine Equipage durch die Straßen Kiews. Aber daS Vcrhäliniß zwischen ihm und seiner Gattin war kem harmonisches, sie hatte ihm nur Töchter geboren, und der wenig zartfühlende Gatte machte ihr daraus einen Vorwurf. Toch siehe da, vor wenigen Monaten schenkte ihnen Gott einen Sohn, der die Herzen auf's neue innig verband. Toch etwas stand noch zwischen Beiden, sic war eine echte, fromme Jüdin und er vernachlässigte so manches heilige und wichtige Gebot. U.rd dieses „etwasist in den letzten Wochen von dem gewissenlosen Manne in'» Unendliche vergrößert worden: vermuthlich durch irgendwelche hochsticgcnden Aussichten hat er sich und seine unmündigen .»linder taufen lassen, ist mit ihnen zur griechisch-katholischen Kirche über» getreten. Tics geschah unter dem Prolcctorat des Taufpathen Fürsten Drrntckcn und einer Großfürstin als Taufpathin. der Gemahlin nämlich des Großfürsten Nikolai Nikolaicwitsch, einer Tante des regierenden Kaisers. Tic Gattin des gewissenlose» Mannes br.t mit bcwundcrungswürdiger Energie, erfüllt von ihrem jüdischen Glauben allen Vcrführungskünsten äußersten Widerstand entgegengesetzt, hat mit blutendem Hcrzem sehen müncn, was mit ihren .Kindern geschah. Tie Großfürstin hat sie in einer Hoscqnipäge zu sich holen lassen, batte ihr den Ucbcrtrilt abzuringcn gesucht und so lange in sie gedrungen, bi» das hcldcnmürhige, verzweifelnde jüdische Weib, unerschütterlich in ihrem Entschlüsse, ermattet im Kampfe ohnmächtig zusammen gestürzt war. Wem wallt da das Blut nicht auf? Vor schrecklicher Alternative sieht nun die Mutter, ihre Kinder werden von nun ab in: griechisch-katholischen Glauben großerzogen, kann sic ihnen da noch weiter eine erziehende Mutter sein 'i Also muß sie fort au» ihrem Hause, von ihren Kindern, muß ihr Fleisch und Blut fremden Händen überlassen- Entsetzliche Alternative! Möge Gott der Märtyrerin um-seines heiligen RcmcnS willen bcistehen! — Feuilleton. Wich aet. Orjäl'urg oon L. Nohv, Versager vsn OcbxteL (Fortsetzung.) „Weiter, weiter,- leuchte der Bürgcrmeifter. „Aus dem Kerker führt bekanntlich nur eine Thür und zwar auf die Straße. ES wäre geradezu Wahnsinn gewesen, ihn durch daS ganze Haus, durch alle Gänge, an alle« Zellen vorüber auf die Straße zu führen. Ter Dragoner, der vor de»